Freie Bühne Wendland in Osnabrück Zwei Liebesdramen im Piesberger Gesellschaftshaus

Von Uta Biestmann-Kotte


Osnabrück . Mit zwei Inszenierungen überzeugten Kerstin Wittstamm und Caspar Harlan von der Freien Bühne Wendland am Freitag und am Samstag im Piesberger Gesellschaftshaus.

Er bevorzugt einfaches Landleben, sie zieht es ins glanzvolle Moskau. Er hängt religiös motivierten Gesellschaftsmodellen nach, sie erhofft sich für ihre dreizehn Kinder ein normales Familienleben. Lew Tolstoi und seine Frau Sonja sind ein ziemlich ungleiches Paar.

„Ist das Liebe? Oder doch wieder nur das Verlangen nach Liebe?“ ist der Titel eines kammerspielartigen Stückes, mit dem am Freitag Kerstin Wittstamm und Caspar Harlan von der Freien Bühne Wendland im Saal des Piesberger Gesellschaftshauses gastierten. Basierend auf Briefen und Tagebüchern der Eheleute Tolstoi, die von Andrea Clemen zusammengestellt wurden, entwickelten Harlan und Wittstamm das Psychogramm eines sich entfremdenden Paares, das weder mit noch ohne einander leben kann.

An zwei Schreibtischen sitzend, ließen die beiden ein 48 Jahre währendes Beziehungsdrama in Russland des 19. Jahrhunderts durch alle Höhen und Tiefen Revue passieren: Von Verliebtheit und Verlobung, über Sonjas Eifersucht auf den Tolstoi-Jünger Tschertkow, bis hin zur Verzweiflung über den Tod des kleinen Lieblingssohnes Wanja. 

Emmas Glück

Dass Kerstin Wittstamm auch auf Solopfaden überzeugen kann, zeigte sie am Samstag im Piesberger Gesellschaftshaus mit dem Stück „Emmas Glück“. Basierend auf dem den gleichnamigen Roman von Claudia Schreiber, agierte Wittstamm auf einer Podestbühne zwischen Bett-Attrappe, Schaukel, Scheune und Hackklotz. Als verschuldete Jungbäuerin mit einem Herz für Schweine und einer Leidenschaft für Mopedfahrten, erzählte sie vom Landleben und dem Trauma ihrer lieblosen Kindheit. Sie beschrieb vor allem die Beziehung zum krebskranken Städter Max, dem sie schließlich einen sanften Tod ermöglichte.

Applaus und Standing Ovations

Gekonnt wechselte Wittstamm während ihres Spiels vom Part der trotzigen Emma, zum Duktus des einfältigen Dorfpolizisten Henner oder dessen schimpfender Mutter. Das Publikum im Piesberger Gesellschaftshaus reagierte begeistert, mit Applaus und Standing Ovations.