Für drei Jahre ins Gefängnis Osnabrücker nach sexuellem Missbrauch verurteilt

Von Ulrich Eckseler

Weil er die damals 15-jährige Tochter seiner ehemaligen Lebensgefährtin sexuelle missbraucht hat, verurteilte das Landgericht Osnabrück einen 41-jährigen Osnabrücker zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren. Foto: Ulrich EckselerWeil er die damals 15-jährige Tochter seiner ehemaligen Lebensgefährtin sexuelle missbraucht hat, verurteilte das Landgericht Osnabrück einen 41-jährigen Osnabrücker zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren. Foto: Ulrich Eckseler

Osnabrück. Wegen sexueller Nötigung und sexuellem Missbrauch in vier Fällen sowie Bedrohung und gefährlicher Körperverletzung muss ein heute 41-jähriger Osnabrücker für drei Jahre ins Gefängnis. Das Landgericht Osnabrück verurteilte ihn am Freitag, nachdem die Beweisaufnahme ergeben hatte, dass er die zur Tatzeit 15-jährige Tochter seiner ehemaligen Lebensgefährtin missbraucht und getreten hat.

Seit Ende November wurde vor dem Landgericht verhandelt. Zwei Schwestern des Opfers untermauerten in ihrer Vernehmung hingegen die Vorwürfe. Auch ein Geständnis hatte der Mann angeboten. Im Gegenzug strebte er dafür an, dass die zu erwartende Freiheitsstrafe zur Bewährung ausgesetzt würde. Das Gericht und die Staatsanwaltschaft gingen jedoch nicht auf den „Deal“ ein. Am Freitag dann die Urteilsverkündung.

Disziplin eingeführt

2001 hatte die 38-jährige Mutter des Opfers eine Affäre mit dem 41-Jährigen, während sie noch mit ihrem jetzigen Ex-Mann liiert war.

Aus der Ehe mit Letzterem gingen vier Töchter hervor. Ein Jahr später flog die heimliche Liaison auf, der Kontakt zwischen beiden schlief zunächst ein. Erst 2013 kam es wieder zu einer Annäherung. 2016 zog der Mann dann zu der Frau und ihren Töchtern in deren Wohnung in Osnabrück. Von ihrem Ex-Mann hatte sie sich zwischenzeitlich scheiden lassen. Die Frau wurde nun von dem 41-Jährigen schwanger. In dieser Zeit habe er „die Verantwortung für die Kinder übernommen“,.sie seien aber „ohne Hand und Führung“ und „zu verwöhnt“ gewesen, resümierte der Richter. Der Verurteilte habe gerade in Sachen Haushalt und Schule „Disziplin“ eingeführt und sei „sehr streng“ und auch aggressiv aufgetreten. Es sei daher immer wieder zu verbalen Auseinandersetzungen gekommen. Während der Schwangerschaft der 38-Jährigen habe es viel Stress in der Familie gegeben.

Zwischen März 2016 und März 2017 ereigneten sich dann die Übergriffe auf die 15-Jährige. Im Zimmer des Mädchens, im Bad der Wohnung und im elterlichen Schlafzimmer nahm der Mann sexuelle Handlungen an ihr vor. Dabei stellte das Gericht eine qualitative Steigerung der Taten fest. Zwei der vier angeklagten Vorfälle beschränkten sich „nur“ auf den Oberkörper und wurden als minderschwere Fälle gewertet. Die weiteren Taten waren dagegen schwerwiegender einzuordnen. Auch sei der lange Zeitraum zu berücksichtigen, so der Vorsitzende weiter.

Verteidigung sieht Falschbelastungsmotiv

In seiner Aussage hatte der Angeklagte die sexuellen Nötigungen bestritten. „Dazu habe ich meine Frau. Solche Situationen hat es nicht gegeben“, entgegnete er am zweiten Prozesstag. Die Verteidigung unterstellte der Jugendlichen ein Falschbelastungsmotiv. Denn sie habe den 41-Jährigen aus dem Haus haben wollen, da er ihrer Mutter wehgetan habe. Außerdem habe sie wegen seiner eingeführten Disziplin und strengen Art keine Freiheiten mehr. Allein die Angaben des Mädchens würden dies widerlegen, so der Richter. Es handle sich um „ein derart umfassendes Konstrukt“, das das Opfer in allen Vernehmungen konstant, plausibel und detailreich geschildert habe. „So etwas denkt sich niemand aus“.

Auch die Aussage, dass ihre Schwester bei einem Vorfall zufällig in den Raum gekommen sei, wertete das Gericht als Indiz für die Glaubwürdigkeit der 15-Jährigen. Denn „warum sollte man ein nicht kalkulierbares Risiko eingehen, indem man einen Dritten ins Boot holt“, so der Richter.

Gegen die Argumentation der Verteidigung spräche auch, das Zustandekommen der Aussage des Mädchens. Nur auf Nachdruck habe sie sich am 20. März 2017 ihrer Mutter offenbart. Diese stellte den 41-Jährigen zur Rede, worauf die Situation eskaliert sei.

Seiner Meinung nach zu Unrecht beschuldigt und emotional aufgeladen hantierte der Mann mit einem Messer vor der Frau und der Tochter und drohte sie umzubringen. Später trat er auf das Mädchen ein, das sich in seinem Bett versteckt hatte. Die Polizei wurde alarmiert und nur so, auf Nachforschung der Beamten, konnten die Taten aufgedeckt werden. Das Mädchen selbst habe die Vorfälle eher heruntergespielt und von sich aus nie die Anstrengung unternommen den 41-Jährigen aus der Wohnung zu haben zu wollen.

Da der 41-Jährige nicht vorbestraft ist, sah das Gericht eine Freiheitsstrafe von drei Jahren als tat- und schuldangemessen. Die Möglichkeit einer Bewährung sei nicht gegeben. Nun kann der Mann noch Revision vor dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe einlegen.