Spuckenden Radfahrer verfolgt Amtsgericht Osnabrück verurteilt Porschefahrer

Von Robert Schäfer

Vor dem Amtsgericht Osnabrück musste sich ein Porschefahrer verantworten, der einen Radfahrer verfolgt hatte. Foto: Archiv/Michael SchwagerVor dem Amtsgericht Osnabrück musste sich ein Porschefahrer verantworten, der einen Radfahrer verfolgt hatte. Foto: Archiv/Michael Schwager

Osnabrück. Weil ihm ein Radfahrer ins Auto gespuckt hatte, nahm ein Porschefahrer die Verfolgung auf. Mit diesem Zwischenfall, zu dem es im September 2017 in der Innenstadt gekommen war, hatte sich nun das Amtsgericht zu beschäftigen. Auf der Anklagebank saß der Porschefahrer.

Am Ende der Verhandlung gegen den 32-Jährigen stand ein Schuldspruch. Wegen versuchter Nötigung soll er eine Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu je 60 Euro bezahlen, insgesamt also 3000 Euro. Außerdem muss er nach dem Willen des Schöffengerichts einen Monat lang auf seinen Führerschein verzichten.

Um zu klären, was genau passiert war, hatte das Gericht zuvor den 32-Jährigen sowie mehrere Zeugen befragt. Der Radfahrer konnte nicht vernommen werden – seine Identität ist bis heute unbekannt.

Unvermittelt gespuckt?

Der Angeklagte berichtete, er habe mit seinem Porsche Cayenne an der Ampel Kamp/Dielingerstraße gehalten. Der Radler habe rechts neben ihm gestanden und unvermittelt durch das offene Fenster auf der Beifahrerseite ins Auto gespuckt. Er selbst sowie sein Beifahrer hätten Speichel abbekommen. Der Radfahrer habe umgehend danach die Flucht ergriffen und sei bei Rot nach rechts abgebogen und quer über die Dielingerstraße geflohen. Nachdem die Ampel auf Grün gesprungen war, habe er die Verfolgung aufgenommen, um den Radfahrer zur Rede zu stellen. Dabei sei er ebenfalls rechts abgebogen und quer über die Dielingerstraße auf die Gegenfahrbahn gefahren. Der Radfahrer sei schließlich durch den Durchgang neben der Eisdiele verschwunden.

Der Beifahrer konnte nur wenig zur Aufklärung beitragen, bestätigte aber die Spuckattacke und bekräftigte die Aussage des Angeklagten, dass es mit dem Radfahrer vorher keinen Kontakt gegeben habe.

Ein weiterer Zeuge, der das Geschehen von der Dielingerstraße aus beobachtet hatte, berichtete von quietschenden Reifen, einem laut aufheulenden Motor und einem driftenden Porsche, der den schnell davonradelnden Radfahrer jagte.

Die Lautstärke des Wagens liege an einem speziellen Klappenauspuff, der den Sound des Fahrzeugs „sportlicher“ mache und bewusst bis an die Grenze des Zulässigen ginge, erläuterte der Angeklagte. Die quietschenden Reifen erklärte er mit frisch aufgezogenen Winterreifen. Ansonsten könne ein stark motorisiertes Auto wie der Porsche durchaus schnell anfahren.

Zufällig Polizei in der Nähe

Pech für den Porsche-Fahrer war, dass zum Zeitpunkt des Zwischenfalls nur wenige Meter weiter eine Polizeistreife ein unberechtigt auf einem Behindertenparkplatz abgestelltes Auto aufschrieb. Vor Gericht sagte einer der Polizisten aus, das Fahrmanöver des Porsches und einen hektisch fliehenden Radfahrer beobachtet zu haben.

Für die Frage nach der Strafbarkeit kam es auf einige wichtige Punkte an, die fast alle günstig für den Angeklagten ausfielen. Zum einen hatte er durch sein Fahrmanöver niemanden konkret gefährdet. Er war auch nicht auf den Gehweg gefahren. Außerdem habe er auf den Fahrradfahrer keinen länger andauernden Druck ausgeübt, wie es der Staatsanwalt formulierte. „Sie haben ihn nicht durch die ganze Stadt gejagt.“ Eine Nötigung liege somit nicht vor. Die verkehrswidrige Fahrt quer über die Kreuzung sei als einfache Ordnungswidrigkeit zu bewerten. Folglich forderte der Staatsanwaltschaft, den Angeklagten freizusprechen. So sah es auch der Verteidiger, der zudem beklagte, dass sein Mandant durch die öffentliche Zeugensuche der Polizei und die daraus resultierende Medienberichterstattung vorverurteilt worden sei.

Richter lässt Staatsanwalt und Verteidigung abblitzen

Doch der Freispruch blieb aus. Tatsächlich konnte auch das Gericht in dem Handeln des Angeklagten weder einen gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr noch eine Straßenverkehrsgefährdung erkennen. Den Tatbestand der versuchten Nötigung sah das Gericht hingegen als erfüllt an. „Ihre Fahrweise zeigt, dass Sie Ihr Auto bewusst eingesetzt haben, um ihm Angst zu machen“, erklärte der Vorsitzende.

Zur Vorgeschichte könne das Gericht nur mutmaßen. „Es muss aber vorher etwas vorgefallen sein, das zu dem Spucken geführt hat“, meinte der Vorsitzende. In jedem Fall habe der Angeklagte den fliehenden Radler stellen wollen und sei bereit gewesen, dafür ein gefährliches Fahrmanöver anzuwenden. Das sei „sozial unerträglich“, betonte der Vorsitzende. Das Fahrverbot solle den Angeklagten daran erinnern, dass er „so am Straßenverkehr nicht teilnehmen könne“.

Gegen das Urteil hat der 32-Jährige inzwischen Rechtsmittel eingelegt.