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16.02.2018, 18:15 Uhr WIDERLICH

Porschefahrer verurteilt: Wut verständlich, aber keine Rechtfertigung

Kommentar von Arne Köhler

Ein Porschefahrer hat im September 2017 einen Radfahrer verfolgt, der ihn bespuckt hatte. Symbolfoto: PorscheEin Porschefahrer hat im September 2017 einen Radfahrer verfolgt, der ihn bespuckt hatte. Symbolfoto: Porsche

Wurde der Radler von dem Porschefahrer behindert oder abgedrängt? Gab es ein unschönes Wortgefecht? Oder ist der Unbekannte ein selbstgerechter Autohasser, dem schon der Anblick eines PS-starken Sportwagens reicht, um seiner Verachtung Ausdruck zu verleihen? Was dem Zwischenfall an der Ampel vorausgegangen ist, wird wahrscheinlich im Dunkeln bleiben. Aber es spielt auch keine entscheidende Rolle.

Eine Spuckattacke ist eine besonders widerliche Form der Beleidigung, für die es keine Rechtfertigung gibt, ganz egal, was vorher war.

Auch der unbekannte Radfahrer gehört daher auf die Anklagebank, und er hätte nach Stand der Dinge wohl sogar eine härtere Strafe verdient als sein Auto fahrender Kontrahent. Schade, dass er nicht ermittelt werden konnte.

Doch der Richter hat keinen Zweifel daran gelassen, dass sich eben auch der Autofahrer strafbar gemacht hat – obwohl sein Wunsch, sich den feigen Spucker zur Brust zu nehmen, menschlich mehr als verständlich ist.

Doch wer am Steuer sitzt, muss sich nun einmal darüber im Klaren sein, dass sein Auto kein Spielzeug ist, sondern eine potenziell tödliche Waffe. Daraus resultiert eine hohe Verantwortung für das Leben und die Gesundheit anderer Verkehrsteilnehmer. Und dazu gehört eben auch, in Ausnahmesituationen seine Wut im Zaum zu halten, so nachvollziehbar sie auch sein mag.

Wer stattdessen durchdreht und den Actionhelden spielt, gehört nicht hinters Lenkrad.


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