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Kurs für pädagogische Kräfte Wo Erzieher lernen, auf Augenhöhe mit „schwierigen“ Eltern zu reden

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Auf Gespräche mit den Kindern sind Erzieher vorbereitet, aber bei den Elterngesprächen kann es manchmal haken. Foto: dpaAuf Gespräche mit den Kindern sind Erzieher vorbereitet, aber bei den Elterngesprächen kann es manchmal haken. Foto: dpa

Osnabrück. Wie können Erzieher und Erzieherinnen Eltern so beraten, dass Konflikte im Kita-Alltag vermindert und vielleicht sogar Familienprobleme bewältigt werden können? Ein Seminar der Volkshochschule (VHS) bietet hier Unterstützung an.

Vielleicht ist das Kind aggressiv und stört den Kita-Alltag. Oder es wirkt ängstlich verschüchtert, sodass schnell der Verdacht im Raum steht: Irgendetwas stimmt Zuhause nicht, und dieser familiäre Konflikt überträgt sich auf das Kind und sein Verhalten.

Wie die Eltern darauf ansprechen, ohne dass diese sich in ihrer Erziehungskompetenz verletzt fühlen, abblocken oder das Kind gar aus der Einrichtung nehmen? Das Seminar „Elterncoaching und Entwicklungsberatung“ will Erzieherinnen, aber auch anderen pädagogischen Kräften wie beispielsweise Lehrern oder Sozialpädagogen Methoden vermitteln, um genau diesem Dilemma zu entgehen.

„Gerade Erzieherinnen sind ausgebildet, sich mit Kindern auseinanderzusetzen. Wenn es um Elterngespräche geht, die über die normalen Entwicklungsgespräche hinausgehen, könnten sie aber an Grenzen stoßen“, sagt Uwe Langnickel. Zusammen mit Diplom-Pädagogin Judith Beyer bietet der Leiter der Erziehungs- und Familienberatungsstelle der Diakonie die Zusatzausbildung seit dem Jahr 2012 in der VHS Osnabrück an.

Seminare für ein Jahr

In acht Wochenendseminaren und sechs Supervisionen wird den Teilnehmern innerhalb eines Jahres vermittelt, wie sie auf Augenhöhe mit Eltern kommunizieren können. „Eines der Ziele ist, dass Konflikte möglichst schnell und noch in der Einrichtung angesprochen werden können. Denn dort sind die Eltern, die vielleicht Unterstützung brauchen, greifbar und bekannt.“

Genutzt werden für die Weiterbildung Methoden aus verschiedenen psychotherapeutischen Grundrichtungen, wie der systemischen , verhaltenstherapeutischen und der tiefenpsychologischen Richtung, erklärt Beyer.

Die passende Gesprächsart finden

Konflikte zwischen Erzieherinnen und Eltern eskalieren nicht selten, das wissen Beyer und Langnickel aus Erfahrung. Die Gründe können unterschiedlich sein: eine falsche Herangehensweise der pädagogischen Kräfte, ein Mauern der Eltern, die Nachfragen als Kritik empfinden. „Das kann zu Frust führen – und zu viel Ressourcenverschwendung in den Kindergärten und Einrichtungen“, so Langnickel.

Judith Beyer und Uwe Langnickel veranstalten die Zusatzausbildung. Foto: Philipp Hülsmann

Dabei könnten diese Abwehrmechanismen gut überwunden werden, wenn das passende Gesprächskonzept in der Erzieher-Eltern-Kommunikation eingesetzt und damit die Reflexionsfähigkeit der Eltern verbessert wird. Das entlaste nicht nur die Erzieher und pädagogischen Kräfte, sondern verbessere oftmals auch das Verhalten der betroffenen Eltern gegenüber dem Kind, sagt er.

Kosten sollen von den Trägern mitgetragen werden

Zudem habe die Zusatzausbildung noch einen weiteren Vorteil für die Teilnehmer: „Sie kann als Baustein dienen, das bestehende Berufsprofil zu erweitern. Ob im Erzieher-Team oder falls man überlege, sich freiberuflich der Thematik Elterncoaching anzunehmen“. sagt Langnickel.

Bisher haben ausschließlich Frauen an den Kursen teilgenommen, was sicher auch daran liegt, dass es in diesem Berufszweig mehr Frauen als Männer arbeiten.

Die insgesamt 160 Unterrichtsstunden kosten 1472 Euro; allerdings wünschen sich Langnickel wie Beyer, dass die Träger der Einrichtungen sich finanziell an den Kosten beteiligen. Schließlich komme ein derartig „niedrigschwelliges Konfliktmanagement den Einrichtungen sehr zugute“, findet Langnickel.


„Elterncoaching und Entwicklungsberatung“

Wer an der Seminarreihe „Elterncoaching und Entwicklungsberatung“ teilnehmen möchte, kann sich jetzt noch anmelden. Der Lehrgang startet am 4. Mai 2018 um 17 Uhr in der VHS Osnabrück, Bergstraße 8.

Die Zusatzausbildung richtet sich an pädagogische Fachkräfte in Schulen, Kitas, Lehrkräfte, ErzieherInnen, Tageseltern, Sozialpädagogen, AbsolventInnen medizinischer und sozialer Berufe und Studiengänge, aber auch Kinderkrankenschwestern/-pfleger, oder Hebammen. Weitere Informationen bei der VHS unter 0541/323-4422.

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