40 Jahre „Illmer Kunst + Design“ Warum Kunsthändler die Altstadt für den optimalen Standort halten

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Osnabrück. Neben all den Geschäften, die in Osnabrück eröffnen, und denen, die oft schon nach kurzer Zeit wieder schließen, gibt es noch andere Läden – die, die bleiben. So wie „Illmer Kunst + Design“ in der Heger Straße, das seit 40 Jahren von Dagmar und Ivon Illmer betrieben wird.

Beginnen wir diesen Text zur Abwechslung doch einmal mit einem Kompliment: Dagmar und Ivon Illmer sind 73 und 72 Jahre alt. Das sieht man ihnen aber nicht an. Nein, arbeiten müssten sie in diesem Alter nicht mehr, aber sie wollen es. Um der „galoppierenden Vergreisung“ entgegenzuwirken, wie sie sagen. „Und weil Rad fahren alleine nicht reicht“, sagt Dagmar Illmer und lacht.

Es begann mit Ausstellungen in der Bierstraße

In dem Geschäft unweit des Heger Tores, dort, wo die Marienstraße und die Heger Straße zusammenlaufen, verbreiten Lampen aus Glas buntes Licht. Im Schaufenster liegt handgefertigter Schmuck, in den Regalen stehen bemaltes Geschirr und tropfenförmige gläserne Briefbeschwerer – denn auch wenn kaum noch jemand Briefe schreibt, gelten diese noch als Sammlerstücke.

Mehrere Standortwechsel

Angefangen hat alles Ende der 1970er Jahre in der Bierstraße mit Ausstellungen – Keramik, Grafik, Malerei. Es sei gar nicht so schwer gewesen, einen Fuß in die Tür zu bekommen, heute würde es ihnen vermutlich weniger leicht fallen: „Wir haben damals eng mit dem Museum zusammengearbeitet und hatten einen guten Draht zum Kulturamt“, erinnert sich Dagmar Illmer. Und wenn es in der Dominikanerhalle eine Ausstellung gab, schloss sich das Paar an.

Nach zehn Jahren Bierstraße folgten zehn Jahre Hasestraße und der Verkauf von Kunsthandwerk. Woher sie ihr Wissen über Kunst haben? „Aus Interesse am Schönen“, sagen die beiden, die sich als „Autodidakten“ bezeichnen.

Altstadt als idealer Standort?

Seit 1999 befindet sich „Illmer Kunst + Handwerk“ in der Heger Straße. Dem Geschäft geht es gut, nach so vielen Jahren habe man einen festen Kundenstamm, und auch junge Leute kämen in den Laden, hauptsächlich wegen des Schmucks und der Taschen. Im Rest des Viertels sieht es nicht ganz so gut aus. In dem benachbarten Edelhölzershop hängt ein Schild im Schaufenster: „Ausverkauf“. Das Antiquitätengeschäft zwei Häuser weiter steht seit Jahren leer.

Die Altstadt erwies sich für das Geschäft als der richtige Standort. Foto: Swaantje Hehmann

„Für uns war es an diesem Standort leichter“, sagt Ivon Illmer. Man sei ja mit einem fertigen Konzept eingezogen und habe auch schon Kunden gehabt. Für ihren Laden sei die Lage sogar optimal: „Hier haben die Menschen Zeit“, sagt Dagmar Illmer. Wer durch die Altstadt schlendert, der bleibt auch vor Schaufenstern stehen. „Sehen Sie sich doch mal die Leute in der Großen Straße an – die rennen da doch alle.“

Auch das Internet sehen die Illmers nicht als Konkurrenz an: „Man muss die Sachen anfassen, sehen und fühlen können, bevor man sich dafür entscheidet, sie zu kaufen“, sagt Dagmar Illmer. Einen Online-Shop hätten sie zwar auf ihrer Webseite eingerichtet – das Interesse an ihm sei aber sehr gering. „Das ist einfach nichts für unsere Kunden“, sagt Dagmar Illmer.

Ganze Seite in der „FAZ“ über die Illmers

Oft würden sie gefragt, ob sie die Dinge, die sie zum Verkauf anbieten, auch selbst fertigen. Doch bis auf die Holzarbeiten stammt alles von Kunsthandwerkern aus ganz Europa; die Grafiken sind unter anderem von Reinhard Klink aus Osnabrück. Nur eben die Holzarbeiten – die macht Ivon Illmer selbst. Und das, obwohl er in seinem Freundeskreis den Ruf genieße, zwei linke Hände zu haben. Seinen kleinen Holzbüchern widmete die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ sogar einmal eine ganze Seite. „Auf der Frankfurter Buchmesse ist eine Journalistin auf mich aufmerksam geworden“, sagt Ivon Illmer. Die habe ihn dann einen Tag lang in Osnabrück besucht und über ihn berichtet. Die Journalistin heißt Felicitas von Lovenberg und ist heute Chefin des Piper-Verlags – und immer noch Kundin des Ehepaars Illmer. „Aber das“, meint Ivon Illmer, „ist eigentlich schon wieder eine andere Geschichte.“

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