Vom Chaos des Neuen Alois Thomas und Günter Grobel stellen im Kunstquartier aus

Von Tom Bullmann

Die Künstler Günter Grobel (links) und Alois Thomas im Kunst-Quartier des BBK Osnabrück. Foto: David EbenerDie Künstler Günter Grobel (links) und Alois Thomas im Kunst-Quartier des BBK Osnabrück. Foto: David Ebener

Osnabrück. Auf die Verantwortung eines Künstlers gegenüber der Gesellschaft wirft eine neue Ausstellung im BBK-Kunstquartier ein Licht. Sie trägt den Titel eines Beuys-Zitats: „…der Anfang des Neuen findet stets im Chaos statt.“

Zwei Künstler leben und arbeiten in Osnabrück. Alois Thomas und Günter Grobel sehen nicht ein, angesichts der Probleme, die unsere Welt entzweien, zu schweigen. Mit ihrer Kunst deuten sie auf  katastrophale Zustände in Afrika und in arabischen Staaten hin, die zu enormen Flüchtlingsströmen führen. Ein amerikanischer Präsident wird verhöhnt und ein Machthaber, der seine Journalisten in den Knast steckt. Die „Fratze des Terrors“ zeigt ihr wahres Gesicht. Jedoch: Die Lage ist nicht aussichtslos. Beide Künstler haben sich offenbar das kleine Fünkchen Hoffnung erhalten, dass sich die Probleme tatsächlich beseitigen lassen. Daher wählten die beiden auch ein Zitat von Joseph Beuys als Titel ihrer Gemeinschafts-Ausstellung im BBK-Kunstquartier: „…der Anfang des Neuen findet stets im Chaos statt.“

Sollte sich ein Phoenix aus der Asche unserer verbrannten Erde erheben? Wer daran glaubt, der sollte sich das Bild „Joie de Vivre“ von Günter Grobel anschauen. Das nicht gegenständliche Bild strahlt Hoffnung aus – im Gegensatz zu der bereits erwähnten „Fratze des Terrors“, die direkt daneben für einen krassen Kontrast sorgt. Gegensätze sind in Grobels Arbeiten omnipräsent: gegenständlich – abstrakt, geometrisch – bizarr, positiv – negativ. So erzeugt der Künstler Spannungskurven im Bild und von Bild zu Bild. Besonders beeindruckend gerät ein großformatiges Werk, auf dem sich ein Monster aus dem Urschlamm erhebt. Es sind Kriegseindrücke, die Grobel als Kleinkind sammelte und die er jetzt verarbeitet.

Alois Thomas arbeitet gern mit der Technik der Collage, wenn es um die Umsetzung seiner Kritik an unakzeptablen gesellschaftlichen Zuständen geht. Die Folgen des Arabischen Frühlings oder die Verfolgung und Ermordung von Journalisten gehören zu den Themen, die ihn bewegen. In einem Leporello beschäftigt er sich mit den „Alternativen Fakten“, die seit einiger Zeit in Umlauf gebracht werden. Zur reinen Zeichnung kehrt er zurück, wenn er „Menschen auf der Flucht“ mit Tusche porträtiert. Zwei „Mütter mit ihren Kindern“, die bereits in Ausstellungen in Damaskus und Beirut zu sehen waren, hat Thomas in seine Bilderschau integriert.


BBK-Kunst-Quartier (Bierstraße 33): „…der Anfang des Neuen findet stets im Chaos statt.“ Bilder von Günter Grobel und Alois Thomas.  16. Februar (Eröffnung um 19 Uhr) bis 17. März, Di. - Fr. 14-18 Uhr, Sa. 11-16 Uhr. Infos unter www.bbk-osnabrueck.de