Pflege und Aufforstung Osnabrücker Schneitelbuchen brauchen Schutz

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Osnabrück/Belm. Ein von einem Dolch durchstochenes Herz ist 1944 in die Rinde der Schneitelbuche eingeritzt worden: Was aus dieser Liebe wohl geworden ist? Damit in Zukunft Wanderer an der Nordstraße in Osnabrück an der Grenze zu Belm diese Botschaft lesen können, müssen die Bäume geschützt werden.

Denn die Schneitelbuchen am Richtstättenrundwanderweg sind gefährdet. Seit vor etwa zehn Jahren der schützende Waldrand wegen des Baus der Belmer Ortsumgehung abgeholzt wurde, sind die Buchen dem Wind und der Sonne ausgesetzt. Das schädigt die Bäume, da sie nach einer besonderen historischen Bewirtschaftung beschnitten wurden, erklärt Hendrik Pannenborg, Forsterberater der evangelischen Stiftungen Osnabrück, denen der Wald gehört. Die Bäume bekommen einen „Sonnenbrand“, denn die Rinde ist sehr dünn und platzt auf, wodurch der Baum seinen Schutz verliert. Darunter kann es dann faulen, so Pannenborg. Durch den Wind können außerdem Krone und Äste abbrechen. Deshalb handeln die evangelischen Stiftungen jetzt.

Schutz gegen Sonnenbrand

Baumgutachter Jan-Tobias Welzel von der Firma Grüner Zweig hat die Bäume genau untersucht. Als forstliche Pflegemaßnahmen werden einige Bäume mit Jute-Stoff gegen den Sonnenbrand eingewickelt, erklärt er. Nach ein paar Jahren sei die Rinde wieder so widerstandsfähig, dass der Stoff abgenommen werden kann. Dabei werde auf Höhlen zum Beispiel vom Specht geachtet, damit diese auch weiterhin genutzt werden können.

Außerdem werden die dickeren Äste, auch Stämmlinge genannt, mit einer Art Gurt zusammengebunden, sodass sie nicht so leicht brechen können. Das nennt man auch Kronenverseilung. Tote und zu schwere Äste werden aus den Kronen geschnitten. Da das betroffene Waldstück an einem Wanderweg liegt, werden vor allem die Bäume entlang Waldrandes gepflegt und beschnitten, damit Fußgänger nicht durch herabfallende Äste gefährdet werden. Damit wollen die Stiftungen die Verkehrssicherung gewährleisten. Im Wald soll nur das Nötigste gemacht werden. Die Maßnahmen beginnen Anfang März.

Neues Naturdenkmal

Der besondere Waldbestand mit Bäumen, die bis 150 Jahre alt sind, soll aber in Zukunft noch besser geschützt werden. Deshalb sollen die Schneitelbuchen ein Naturdenkmal werden, sagt Johannes Andrews, Vorsitzender der evangelischen Stiftungen Osnabrück. Das sei bereits mit der Stadt abgesprochen, die das Vorhaben unterstützt. Die Bäume seien für viele Wanderer etwas Besonderes.

Schneitelbuchen sind „normale“ Rotbuchen, die aber durch eine bestimmte historische Bewirtschaftungsart diese besondere Form über mehr als einhundert Jahre erhalten haben. Früher kappten die Leute bestimmte Baumarten wie Weiden oder Buchen in bis zu zweieinhalb Metern Höhe, verfütterten die jungen Triebe und nutzten größere Äste als Brennholz. Dann trieben die Bauern ihr Vieh, zum Beispiel Schweine, Kühe und Ziegen, in diese Waldgebiete. Deshalb wurden die Bäume auch in der Höhe geköpft, damit das Vieh die nachwachsenden jungen Triebe nicht gleich wieder abfressen konnte. Mit dem Einsatz moderner Sägetechnik, den Veränderungen in der Landwirtschaft und dem Rückgang der Brennholznutzung wurde diese Form der Waldwirtschaft in Deutschland jedoch nicht mehr praktiziert. Anhand der Schnitzereien in den Bäumen lasse sich nachvollziehen, dass diese Bewirtschaftung etwa seit Anfang des 20. Jahrhunderts nicht mehr erfolgte. Eine Schnitzerei ist von 1905. Wären die Äste danach abgeschnitten worden, gäbe es sie nicht mehr, erklärt Pannenborg.

Alte Bewirtschaftungsform wiederbeleben

Die Schneitelbuch schützen wollen Johannes Andrews, Vorsitzender des Vorstands der evangelischen Stiftungen Osnabrück (von links), Baumgutachter Jan-Tobias Welzel, Hendrik Pannenborg, Forsterberater der evangelischen Stiftungen Osnabrück, und Bezirksförster Wolfram Niehaus. Foto: Jörn Martens

Der Wald am Richtstättenrundwanderweg soll nun wieder aufgeforstet werden, sagt der Forstberater. „Alle zehn bis 20 Meter sollen größere Bäume gepflanzt werden.“ Diese sollen Schneitelbäume werden. Dabei gehe es nicht nur darum, eine kulturhistorische Nutzungsform und die alten Schnitzereien in der Rinde zu erhalten. Die alten Schneitelbuchen würden unter anderem aufgrund ihrer zahlreichen Baumhöhlen, Spalten und Risse viele natürliche Lebensräume für seltene Tiere wie Höhlenbrüter, Fledermäuse und Siebenschläfer bieten.


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