Weite Strecken fürs Training Kaum Kunstrasenplätze in Osnabrück – Fußballer zieht es aufs Land

Von Benjamin Kraus

Die Fußballmannschaft des SV Rasensport um Trainer Frank Ulbricht. Zusammen fahren sie zum Training nach Borgloh. Foto: Swaantje HehmannDie Fußballmannschaft des SV Rasensport um Trainer Frank Ulbricht. Zusammen fahren sie zum Training nach Borgloh. Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. Rückrunden-Vorbereitung auf Rasen? Undenkbar für Osnabrücks Amateurfußballer angesichts der aktuellen Wetterlage. Weil kaum ein Verein in der Stadt seinen Kickern eine allwettertaugliche Infrastruktur wie Kunstrasenplätze bieten kann, setzt in diesen Tagen eine massive Flucht aufs Land ein.

Rückrunden-Vorbereitung auf Rasen? Undenkbar für Osnabrücks Amateurfußballer angesichts der aktuellen Wetterlage. Weil kaum ein Verein in der Stadt seinen Kickern eine allwettertaugliche Infrastruktur wie Kunstrasenplätze bieten kann, setzt in diesen Tagen eine massive Flucht aufs Land ein.

„Wir sind massiv dankbar für die Möglichkeit, die uns der TuS Borgloh gibt, damit wir überhaupt trainieren können – auch wenn das für uns mit einer Menge Arbeit verbunden ist“, sagt Patrick Stumpe als Fußballobmann des SV Rasensport. Der Verein verfügt über zwei Rasenplätze und eine kleine Fläche mit speziellem Naturrasen nach DIN-Norm: Ein nicht ganz billiger Untergrund, der vor einiger Zeit auf dem kleinen Trainingsfeld neben dem Hauptplatz an der Kokschen Straße etabliert worden ist, damit die Regenerationszeit des Rasens sinkt und die mögliche Verfügbarkeit für über 20 Mannschaften (Männer und Jugend) steigt.

Der Praxistest zeigt aber: Rasen nach DIN-Norm bleibt Rasen – und der leidet unter Belastung, Regen, Schnee und Frost. Regelmäßiges Training an der Kokschen Straße? Aktuell unmöglich. Ein eigener Kunstrasenplatz war und ist für Raspo aus Eigenmitteln nicht zu finanzieren – daher wird nun improvisiert. Über den Spieler Daniel Dreier entstand der Kontakt zum ebenfalls grün-weißen TuS Borgloh – der Südkreis-Klub gewährt nun der ersten Fußballmannschaft des Stadtvereins einmal pro Woche fußballerisches Asyl auf seinem Kunstrasenplatz.

30 Kilometer – nur für eine Trainingseinheit

Ein Vorgehen, das mit erheblichem Zeit- und Organisationsaufwand sowie Kosten für die Kicker verbunden ist. Weniger wegen des Obolus, den der TuS Borgloh für die Nutzung erhält. Davon wird nach Abzug der Kosten für Nutzung von Flutlicht, Kabinen, Duschen und Platz nicht viel übrig bleiben. Sondern wegen des Transports einer Fußballelf samt Ausrüstung (Bälle, Leibchen, Pylonen) über mehr als 30 Kilometer – nur für eine Trainingseinheit.

Damit aber geübt werden kann, nehmen die Raspo-Kicker das auf sich und sind damit in der Stadt keinesfalls allein. Der VfR Voxtrup schickt seine Bezirksliga-Kicker zu den Sportfreunden Schledehausen auf den neuen Kunstrasen (25 Kilometer pro Einheit). Die Kreisliga-Elf des VfR übt auf dem Kunstrasen des FC Bissendorf am Sonnensee.

Das Muster ist stets gleich: Stadtfußballer fahren in den Landkreis, wo die Infrastruktur besser ist. In der 168000-Einwohner-Stadt Osnabrück gibt es derzeit nur drei fußballtaugliche Kunstrasenplätze von akzeptabler Qualität: Auf der Illoshöhe übt der VfL mit seinen Profi- und Juniorenteams – und auch die Plätze des SSC Dodesheide und des Osnabrücker SC sind mit den vielen Teams der großen Vereine schon weitestgehend ausgelastet – wobei der SV Eintracht noch eine späte Trainingszeit an der Hiärm-Grupe-Straße ergattert hat.

Sonst? Hat der TuS Haste einen uralten Betonplatz, der aus wenig nachvollziehbaren Gründen zwar für Punktspiele zugelassen ist, aber nach heutigen Maßstäben nicht ernsthaft als Kunstrasen bezeichnet werden kann. Und nach dem Abriss des Feldes in den früheren britischen Kaserne an der Landwehrstraße gibt es noch den alten Kunstrasenplatz in der ebenso aufgegebenen Kaserne auf dem Limberg, den der Stadtsportbund verwaltet. Dessen ungedämpfter Unterbau ist aber für die Sportart Hockey konzipiert – und weil der rutschige Platz inzwischen abgespielt ist, birgt er für Fußballer ein großes Verletzungsrisiko, was nicht zuletzt die Kicker des Spielvereins 16 leidvoll erfahren mussten.

„Bei uns müssen teilnehmende Spieler immer einen Eigenanteil leisten“

„Bei unserer ersten Einheit auf dem Limberg habe ich zwei Spieler längerfristig verloren: Muskelfaserriss, Verletzung am Sprunggelenk. Ich gehe jetzt lieber laufen mit den Jungs oder in die Soccerhalle“, sagt 16-Trainer Ali Göl – und wirft mit Letzterem eine Alternative auf, die viele Teams nutzen, die aber auf Dauer richtig ins Geld geht. Die Soccerhalle Sutthausen etwa nimmt in den Abendstunden bei Vereinsteams 75 Euro Platzmiete für 90 Minuten auf dem Kleinfeld. „Bei uns müssen teilnehmende Spieler immer einen Eigenanteil leisten – sonst wäre das für den Verein nicht finanzierbar“, sagt Markus Mohnhaupt als Fußballobmann von RW Sutthausen.

Hört man den Stadtfußballern zu, spürt man den Ärger, der angesichts der Zustände mitschwingt, wenn sie ihre Blicke nach Georgsmarienhütte richten. In der 31000-Einwohner-Stadt gibt es sechs Kunstrasenplätze im allerfeinsten Zustand: Jeder Fußballklub hat seinen eigenen (Viktoria GMHütte, BSV Holzhausen, SF Oesede, VfL Kloster Oesede, SV Harderberg), dazu kommt das Hockeyfeld des HC GMHütte. Die nach Einwohnern mehr als fünfmal größere Stadt Osnabrück verfügt also über viel weniger Kunstrasenplätze für Fußballer als GMHütte – ein krasses Missverhältnis, das sich sogar vergrößert, bezieht man die sich stetig verbessernde Infrastruktur im Rest-Südkreis (TuS Glane, SV Bad Laer, SV Bad Rothenfelde, Viktoria Gesmold) ein.

„Ich hasse diesen Zustand. Seit Jahren herrscht Stillstand in der Stadt beim Thema Kunstrasen. Osnabrück muss hier endlich bessere Lösungen finden“, sagt Ali Göl – und spricht den Stadtfußballern aus der Seele. Ein Modell kann seiner Meinung nach sein, dass mehrere benachbarte Klubs die Finanzierung eines gemeinsam zu nutzenden Spielfeldes auch gemeinsam stemmen. Auch eine bessere Förderung aus öffentlichen Mitteln ist angesichts nicht mehr komplett leerer Stadtkassen keine totale Utopie mehr. Frank Schmidt als Vorsitzender des Fußballkreises Osnabrück-Stadt will das Thema in den nächsten Jahren verstärkt angehen und dazu das Gespräch mit dem Stadtsportbund suchen.