Osnabrücker Friedensgespräche Gesellschaft ist bei Regulierung digitaler Medien gefordert

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Osnabrück. Wer beherrscht die digitalen Medien und wie können sie reguliert werden? Mit diesem komplexen Thema setzten sich die Diskutanten im ersten Osnabrücker Friedensgespräch des Jahres auseinander. Gefordert sind ihrer Meinung nach nicht nur die Unternehmen und Gesetzgeber, sondern auch die Gesellschaft.

Digitale Medien eröffnen neue Möglichkeiten, bergen aber auch Gefahren. Der Medienwissenschaftler Professor Bernhard Pörksen von der Universität Tübingen hob drei Trenddiagnosen hervor: „Es gibt neue Enthüllungen, neue Sichtbarkeiten und neue Formen der Gemeinschaftsbildung.“ Der klassische Journalismus habe Gesellschaft bekommen. Nichts bleibe der Öffentlichkeit mehr verborgen.

Für die Linkspartei-Bundestagsabgeordnete und Publizistin Anke Domscheit-Berg ist das Internet „ein Sprachrohr für Minderheiten“ geworden. Kampagnen würden zuerst im Internet verbreitet werden. So kann auf unbekanntere Krankheiten (Ice Bucket Challenge) oder Missstände in der Gesellschaft (#MeToo und #TimesUp) einfach und schnell aufmerksam gemacht werden.

Jeder Einzelne hat viel Macht

Auf der anderen Seite würden soziale Plattformen ebenso Möglichkeiten für Hass-Nachrichten und Fake News bieten. Als Politikerin erfahre sie das immer wieder am eigenen Leib. „Noch nie hatte ein einzelner Mensch so viel Macht wie heutzutage im Internet“, sagte Domscheit-Berg am Mittwochabend in der Osnabrücker Schlossaula.

Hinzu kommt nach Angaben von Julia Krüger, freie Autorin des Webportals netzpolitik.org, dass die Plattformen Inhalte stark zentralisieren und selektieren. Dabei ginge es nicht um Ausgewogenheit, Diversität und Wichtigkeit, sondern um gezielte Personalisierung der Informationen.

Gesellschaft ist gefordert

Wie lässt sich das regulieren, wollte Moderator Volker Lüdemann von der Hochschule Osnabrück von den Diskutanten wissen. Und gegen wen sollte man vorgehen? Gegen die Nutzer oder die Unternehmen? Für Pörksen sind Gesetze und Regulierungen wichtig, aber die Debatte dürfe nicht auf das juristische verengt werden. „Wir sind gefordert, als Bürger mit Zivilcourage, als Menschen, die Einschätzungen entwickeln, in unserer ethischen und moralischen Sensibilität“, so der Medienwissenschaftler. Er stellte klar: „Das juristische Recht als zentrales Element der Regulierung von Meinungsströmen ist einer liberalen Demokratie unwürdig.“

Auch Domscheit-Berg sieht es als Aufgabe der Gesellschaft und nicht der Gesetzgeber oder Unternehmen mit den Hass-Nachrichten und Fake News umzugehen. „Wenn wir nicht mehr reden dürfen, auch über unangenehme Dinge, dann sind wir nicht mehr frei“, sagte die Politikerin. Die liberale Gesellschaft sei sonst in Gefahr. Es ginge um Konstruktivität und Respekt. Das müsse gelebt werden. „Es braucht lebenslanges Lernen um mit solchen Dingen umzugehen.“


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