Stadtwerke reagieren zurückhaltend FDP und Grüne offen für Gratis-ÖPNV in Osnabrück

Von Sebastian Stricker

Kostenlosen Nahverkehr in Osnabrück und anderen deutschen Städten halten die Ratsfraktionen von FDP und Grünen grundsätzlich für eine gute Idee. Foto: David EbenerKostenlosen Nahverkehr in Osnabrück und anderen deutschen Städten halten die Ratsfraktionen von FDP und Grünen grundsätzlich für eine gute Idee. Foto: David Ebener

Osnabrück. Die Osnabrücker Ratsfraktionen von FDP und Grünen unterstützen die Idee der Bundesregierung von einem kostenlosen Nahverkehr in deutschen Städten. Zurückhaltend äußern sich hingegen die Stadtwerke Osnabrück als kommunaler Verkehrsbetrieb.

Das für den Stadtbusverkehr in Osnabrück zuständige Unternehmen zeigte sich am Mittwoch nach eigenen Angaben „überrascht“ vom Vorstoß der Bundesregierung, der Luftverschmutzung in deutschen Städten möglicherweise mit öffentlichem Nahverkehr zum Nulltarif zu begegnen. „Grundsätzlich begrüßen wir es, wenn öffentlich über die Möglichkeiten zur Attraktivierung des Nahverkehrs diskutiert wird“, teilten die Stadtwerke Osnabrück am Mittwoch auf Nachfrage unserer Redaktion mit. Im Übrigen schließe man sich „vollumfänglich“ den Stellungnahmen des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) sowie des Deutschen Städtetags an, die bereits am Dienstag auf eine ungeklärte Finanzierung hingewiesen und einen stärkeren Ausbau des Nahverkehrsangebots verlangt hatten.

Pilotprojekt in Osnabrück

Anklang findet der Vorschlag vom Gratis-ÖPNV hingegen bei der Grünen-Ratsfraktion. „Das ist grundsätzlich eine super Idee auch für Osnabrück und würde die lokale Verkehrswende beschleunigen“, heißt es in einer Mitteilung vom Mittwoch. Dazu bedürfe es allerdings hoher Investitionen durch den Bund. Um den täglich über 50.000 Einpendlern und 20.000 Auspendlern eine Alternative zum Auto zu bieten, würden mehr Busse und Bahnen benötigt, außerdem eine Straßenbahn. Dann könnten „erheblich mehr Teile der Stadt verkehrsberuhigt und der Durchgangsverkehr reduziert werden“.

Auch die FDP-Ratsfraktion ist für einen vom Bund finanzierten Nulltarif im Nahverkehr aufgeschlossen. „Abgase und Lärm könnten so dauerhaft verringert werden“, erklärten die Liberalen am Mittwoch. „Gern würden wir uns als Stadt für ein Pilotprojekt zur Verfügung stellen.“ Allerdings müsse die Förderung „auskömmlich“ sein und das Angebot auf einen Umkreis von „mindestens 20 Kilometer um Osnabrück“ ausgedehnt werden, um Pendler einzubeziehen.

Erinnerungen ans Bürgerticket

Sowohl die Grünen als auch die FDP erinnerten in ihren Stellungnahmen an die erst wenige Jahre zurückliegende Diskussion über die Einführung eines Bürgertickets in Osnabrück. Dieser Vorschlag hatte einen beitragsfinanzierten Nahverkehr zum Ziel, bei dem die Kosten pauschal auf alle Einwohner umgelegt werden. Bis auf die CDU stimmten damals alle Ratsfraktionen für eine Machbarkeitsstudie. In Auftrag gegeben wurde das Gutachten aber nie. Der aktuelle Vorstoß der Bundesregierung für einen kostenlosen ÖPNV beschere der Osnabrücker CDU nun ein „Glaubwürdigkeitsproblem“, meint die FDP. „Wir sind gespannt, wie sie mit der Idee ihrer Bundestagskollegen jetzt umgeht.“