Bielefelder Kammerpuppenspiele Stinkfaul und anarchisch: „Die Olchis“ in Osnabrück

Von Christoph Beyer

Starkes Solospiel: Peter Kühnel hauchte den grünen Wesen Leben ein. Foto: Jörn MartensStarkes Solospiel: Peter Kühnel hauchte den grünen Wesen Leben ein. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Sie rülpsen eifrig um die Wette und nennen eine Müllkippe ihr Zuhause. Die Olchis pfeifen auf Anstandsregeln. Davon konnten sich die Zuschauer auch im Haus der Jugend überzeugen, wo die Bielefelder Kammerspiele die anarchischen Gesellen auf die Bühne brachten.

Mit über drei Millionen verkauften Exemplaren zählen die Olchi-Geschichten des Autors und Illustrators Erhard Dietl zu den erfolgreichsten Kinderbuchreihen überhaupt. Neben den Büchern sind zahlreiche weitere Produkte auf dem Markt, die sich um das Leben der kleinen grünen Wesen drehen. Eine Adaption für die Bühne ist da nur folgerichtig, zumindest wenn die Beliebtheit des Stoffs den Maßstab bildet.

Das Erfolgsrezept der Olchi-Geschichten ist dabei aufs engste mit deren ungewöhnlichem Verhaltensweisen und Konsummustern verknüpft. In konsequenter Umkehr allgemeingültiger Maßstäbe gilt bei den Olchis gerade das Geächtete und Gemiedene als Genussmittel. So gehören etwa gammelige Fischreste, streng riechende Schuhsolen oder ranziges Öl zum Speiseplan. Zu den bevorzugten Aktivitäten der in ihrer Selbstbeschreibung „stinkfaulen“ Familienmitglieder zählen Müllbäder oder Wettpupsereien, von denen Fliegen tot zu Boden fallen.

Allein diese Aufzählung verdeutlicht den Spaßfaktor für ein junges Publikum, setzten die Olchis doch das um, was im familiären Miteinander ansonsten gut begründbaren Restriktionen unterliegt. Ein gefundenes Fressen für eine Puppenspielumsetzung, will man meinen, und tatsächlich schlachtete Puppenspieler Stefan Kühnel die unappetitlichen Steilvorlagen aus den Büchern leidlich aus.

Nur auf den ersten Blick sauber geht es zu, als der Bürgermeister Schmudelfings auf den Plan tritt, um die gutgläubige Olchi-Schar vor seinen Karren zu spannen. Kosteneinsparungen bei der städtischen Müllabfuhr zur eigenen Autofinanzierung ist sein Ziel und dafür kommen ihm die müllschluckenden Olchis gerade recht. Unter dem Vorwand ihnen feinsten Hochgebirgsmüll zu überlassen, lockt das Stadtoberhaupt Papa Olchi, Stinke-Peter und Pupse-Liese in die blauen Berge, wo die drei einige Abenteuer zu bestehen haben. Zurück in der Stadt setzt der Bürgermeister sein Ränkespiel fort, hat seine Rechnung aber ohne die Gefräßigkeit der Olchis gemacht, die das Stadtsäckel verputzen.

Das ist amüsant anzuschauen, entlarvt es doch auf für Kinder nachvollziehbare Weise den schönen Schein und lässt den Zusammenhalt innerhalb der drei Generationen umfassenden Olchi-Familie umso stärker deutlich werden. Durchweg gelungen gerieten auch die musikalischen Einlagen, die zum Mitsingen einluden. Das zweifellos starke Solospiel von Peter Kühnel wäre allerdings bei einer Ergänzung durch einen weiteren Puppenspieler noch besser zur Geltung gekommen.