Interview zum Morgenland-Konzert am Sonntag Jazz-Hoffnung Anna-Lena Schnabel und die Musik Syriens

Von Ralf Döring

Die Saxofon-Hoffnung des deutschen Jazz: Anna-Lena Schnabel. Am Sonntag spielt sie in der Kleinen Kirche zusammen mit Rabih Lahoud (Gesang) Moslem Rahal (Ney) und Florian Weber (Klavier). Foto: Steven HaberlandDie Saxofon-Hoffnung des deutschen Jazz: Anna-Lena Schnabel. Am Sonntag spielt sie in der Kleinen Kirche zusammen mit Rabih Lahoud (Gesang) Moslem Rahal (Ney) und Florian Weber (Klavier). Foto: Steven Haberland

Osnabrück. Anna-Lena Schnabel gilt als die Saxofon-Hoffnung des deutschen Jazz, und Anna-Lena Schnabel lebt in Osnabrück. Am Sonntag spielt sie beim Konzert der Gesellschaft der Freunde des Morgenland Festivals. Darüber haben wir mit ihr gesprochen.

Frau Schnabel, Sie spielen am Sonntag in der gleichen Besetzung wie bei der Eröffnung des Morgenland Festivals im vergangenen Jahr. Wann haben Sie begonnen, sich mit Musik aus dem arabischen Raum zu beschäftigen?

Das ging vor fünf, sechs Jahren los: Damals habe ich in einer türkischen Popband gespielt. Das ging schon mal in eine ähnliche Richtung. Syrische Musik, wie wir sie am Sonntag spielen, kenne ich seit ich als Vertretung in ein Projekt der NDR Big Band eingestiegen bin. Damals war auch der Ney-Spieler Moslem Rahal dabei, und von ihm habe ich damals ein Stück einstudiert. Damit ging das los, vor ziemlich genau einem Jahr. Weiterlesen: Bericht vom Eröffnungskonzert des Morgenland Festivals 2017

Sie haben sich damals aufs „Salam Syriah“-Festival in der Elbphilharmonie vorbereitet.

Genau.

Jazzmusikerinnen und -musiker sind ja immer auf der Suche nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten. Wie sehr bereichert die syrische Musik Ihr persönliches Spiel?

Sehr. Es gibt da verschiedene musikalische Parameter, die im Jazz noch nicht all zu lange verwendet werden, in der syrischen Musik hingegen schon seit jeher. Ein Beispiel sind Mikrotöne: Es ist sehr spannend zu erleben, wie diese Kultur sich damit beschäftigt, wie sie diese Mittel verwendet, und welches feine Gespür für Viertel- oder Achteltöne, für Mikrotöne generell, es da gibt. Auch die Art, wie in dieser Art von Musik phrasiert wird, finde ich sehr spannend und inspirierend.

Vor einem Jahr haben Sie die Stücke von Moslem Rahal sehr akribisch transkripiert, um in diese Musik hineinzufinden. Haben Sie mittlerweile eine Form von Selbstverständlichkeit erreicht, oder dauert der Prozess noch an?

Das kommt darauf an. Jedes Stück ist anders, und eigentlich kann man Selbstverständlichkeit in keiner Musik erreichen. Auch im Jazz fängt man mit jedem Stück wieder von vorne an. Klar bin ich mit bestimmten Sachen vertrauter, finde einen schnelleren Zugang. Aber für die nächsten Stücke von Moslem werden wir sicher wieder viel Zeit brauchen, um sie anzuhören, und aufzuschreiben, und um zu verstehen, was da vor sich geht. Das ist bei so einer Musik, die ich noch nicht so oft gemacht habe, natürlich aufwändiger als bei Musik, mit der ich vertrauter bin. Aber es fällt jedes Mal leichter. Man übt das ja auch.

Werden Sie also irgendwann arabische Tonfolgen, die sogenannten Maqamat, mit der gleichen Routine einsetzen wie die Zwei-Fünf-Eins-Akkordfolgen des Jazz?

Die syrische Musik ist, was Melodieführung und ihren spezifischen Klang mit den Achteltönen angeht, sehr intuitiv. Ich finde die Musik weder komisch noch widersinnig, sondern in ihrem Klang sehr schlüssig. Deshalb hilft Erfahrung nur bis zu einem bestimmten Punkt weiter. Im Jazz ist das ja ganz ähnlich: Da hilft es auch wenig, Zwei-Fünf-Eins-Verbindungen zu beherrschen, weil sich doch immer wieder völlig neue Spielerfahrungen ergeben. Man will ja mit den anderen kommunizieren und weiß noch nicht, was kommt. Deshalb kann man sich weder auf syrische Musik, noch auf Jazz hundertprozentig vorbereiten oder gar sagen, jetzt kenne ich das, jetzt kann ich alles spielen.

Spielen Sie am Sonntag neue Stücke?

Ja, wir versuchen das zumindest. Wir haben nicht soviel Probenzeit, weil wir alle aus sehr unterschiedlichen Ecken kommen, aber wir wollen in jedem Fall neue Stücke erarbeiten. Wir sind sehr neugierig, wie das wird: Florian Weber und ich schreiben neue Stücke, und Moslem Rahal und der Sänger Rabih Lahoud bringen ebenfalls neue Kompositionen mit.

Sie leben seit geraumer Zeit in Osnabrück. Wie sind Sie hier angekommen?

Ich fühle mich wohl hier. Ich unterrichte an der Musik- und Kunstschule, das finde ich ganz cool. Die Luft hier ist sauberer als in Hamburg, und außerdem gibt es mehr Natur. Das ist ja auch nicht zu verachten.

Ihnen ist ein gewisser Starruhm zugewachsen. Wie lebt es sich damit?

Ich würde nicht sagen, dass ich Starruhm habe, und daher weiß ich nicht, wie es sich damit lebt. Jazz ist ja eh eine Spartenmusik, und es ist nicht mein Ziel, berühmt zu werden. Ich bin glücklich, wenn ich mit meiner Musik über die Runden komme. Weiterlesen: Anna-Lena Schnabel gewinnt den Jazz-Echo als beste Nachwuchskünstlerin


Konzert der Freunde des Morgenland-Festivals: Sonntag, 18. Februar, 18 Uhr in der Kleinen Kirche, Große Domsfreiheit. Tickets in der Lagerhalle, 0541/338740. Hier geht‘s zur Online-Reservierung