Neue Rechtslage hin oder her Osnabrück gibt grünes Licht für Kunsthandwerkermarkt am Sonntag

Von Sandra Dorn

Bei Besuchern wie Ausstellern ist der Kunsthandwerkermarkt in der Halle Gartlage beliebt. Foto: Archiv/Robert SchäferBei Besuchern wie Ausstellern ist der Kunsthandwerkermarkt in der Halle Gartlage beliebt. Foto: Archiv/Robert Schäfer

Osnabrück. Wo Wallenhorst „Nein“ sagte, sagt Osnabrück „Ja“: Die Stadt hat grünes Licht für den Kunsthandwerkermarkt am Sonntag, 18. Februar, in der Halle Gartlage gegeben – obwohl das Oberverwaltungsgericht Lüneburg gewerbliche Floh- und Trödelmärkte für unzulässig erklärt hat.

Der Kunsthandwerkermarkt mit oft mehr als 100 Ausstellern hat sich in den vergangenen Jahren zu einer festen Größe in der Region entwickelt und fand regelmäßig in der Osnabrücker Halle Gartlage sowie in der Haselandhalle in Wallenhorst-Hollage statt. Veranstaltet wird der Markt vom Lengericher Büro Grawe und Osterbrink – und zwar stets an Sonntagen.

Mit dem OVG-Urteil von April 2017 drohte dem Markt wie vielen anderen das Aus – zumindest in Niedersachsen. Die Lüneburger Richter sind der Auffassung, dass gewerbliche Sonntagsflohmärkte gegen das niedersächsische Feiertagsgesetz verstoßen. 2018 erteilen die niedersächsischen Kommunen daher kaum noch Genehmigungen für Märkte an Sonntagen.

Stadt: „Ein schmaler Grat“

Aber ist der Kunsthandwerkermarkt überhaupt ein Floh- oder Trödelmarkt? Die Stadt Osnabrück meint: Nein. Der Kunsthandwerkermarkt „hebt sich ab von den allgemeinen Flohmärkten“, sagt Jürgen Wiethäuper vom städtischen Ordnungsamt. Der Markt sei nicht offen für alle, die etwas verkaufen wollen, außerdem erheben die Veranstalter ein Eintrittsgeld. Also darf er an diesem Sonntag stattfinden, von 11 bis 18 Uhr mit mehr als 150 Ausstellern in der Halle Gartlage. Der Eintritt kostet vier Euro, Kinder bis 14 Jahre zahlen nichts. „Es ist natürlich ein schmaler Grat, auf dem man sich bewegt“, sagt Wiethäuper. „Wir versuchen, den goldenen Mittelweg zu finden.“

Die Nachbargemeinde Wallenhorst schätzt die Lage ganz anders ein. In Hollage musste die für vorigen Sonntag geplante Veranstaltung ausfallen. „Das hat mit Hobbymarkt nichts mehr zu tun“, hatte Rüdiger Mittmann, Fachbereichsleiter Bürgerservice und Soziales in Wallenhorst, Anfang Januar unserer Redaktion gesagt. Der Markt sei klar gewerblich und falle unter die Kriterien dessen, was das OVG für unzulässig erklärt habe. Eine formelle Absage erteilte die Gemeinde laut Mittmann nicht – die Veranstalter (in diesem Fall der Verein Heimathaus Hollager Hof) stellten nach einem Gespräch mit der Verwaltung gar nicht erst einen Antrag, weil die Gemeinde den ohnehin abgelehnt hätte. Stattdessen wich der Kunsthandwerkermarkt kurzfristig aus ins westfälische Westerkappeln. In Nordrhein-Westfalen gelten andere Gesetze.

Wichtig für die Halle Gartlage

Nicht nur für die Veranstalter, auch für die Osnabrücker Herdbuch-Genossenschaft, der die Halle Gartlage gehört, geht es um viel. „Ich bin froh über jede Zusage, die ich bekomme – gerade auch sonntags“, sagt Ferdinand Hartmann, der für die Herdbuch die Halle betreut. Flohmärkte sind für die Halle eine feste Größe, so ziemlich jeden Samstag finden Märkte des gewerblichen Veranstalters DHD statt – und zwar schon seit 1993. DHD hatte stets auch regelmäßig an Sonntagen Märkte organisiert. Um die Zeit bis zu einer möglichen Gesetzesänderung zu überbrücken, hat DHD-Geschäftsführer Hans-Eckhard Nahrwold eine gemeinnützige GmbH namens „DHD hilft Kindern“ gegründet. Seine Märkte sind nun nicht mehr gewerblich, die Einnahmen will er spenden. Zwei solcher Sonntagsmärkte fanden in der Halle Gartlage bereits statt.

Warten auf Hannover

Ob gewerbliche Floh- und Trödelmärkte in Niedersachsen wieder erlaubt werden, muss in Hannover entschieden werden. Die FDP-Fraktion im Landtag hat im Dezember einen entsprechenden Entwurf zur Änderung des Niedersächsischen Feiertagsgesetzes eingebracht. Voraussichtlich im April wird sich der Ausschuss für Inneres und Sport damit befassen.