Landvolktag in Osnabrück Wie sicher sind deutsche Lebensmittel?

Über gefühlte und echte Risiken im Lebensmittelbereich referierte Professor Andreas Hensel (links)  beim Osnabrücker Landvolktag, hier im Gespräch mit Niedersachsens Bauernpräsidenten Albert Schulte to Brinke. Foto: Gert WestdörpÜber gefühlte und echte Risiken im Lebensmittelbereich referierte Professor Andreas Hensel (links) beim Osnabrücker Landvolktag, hier im Gespräch mit Niedersachsens Bauernpräsidenten Albert Schulte to Brinke. Foto: Gert Westdörp

awen Osnabrück. „Deutsche Lebensmittel sind so sicher wie noch nie. Damit könnte ich meinen Vortrag beenden“, eröffnete der Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung, Professor Andreas Hensel sein Referat beim Osnabrücker Landvolktag. Die anwesenden Landwirte schienen damit besänftigt, nachdem Ihnen die Grünen Johannes Bartelt und Holger Fuchs-Bodde-Gottwald am Eingang zum Hotel Rahenkamp einen vermeintlichen Schluck Glyphosat angeboten hatten.

Die beiden spielten damit auf eine Aussage des Landvolkvorsitzenden und neuen niedersächsischen Bauernpräsidenten Albert Schulte to Brinke an. Den zitierten sie auf einem Plakat mit dem Satz, der Unkrautvernichter sei so harmlos, dass man davon trinken könne und hatten ein Honig-Wasser-Gemisch in ihre Roundup-Flasche gefüllt. (Weiterlesen: Glyphosat und Co: Die entmündigte Gesellschaft)

Unwissenschaftliche Diskussion

Hart ging Hensel mit den Medien ins Gericht. Die seien oftmals mehr an Aufmerksamkeit als an Aufklärung interessiert. In seinem Vortrag über „Tatsächliche und gefühlte Gefahren und Risiken im Lebensmittelbereich“ nannte er zahlreiche Beispiele dafür, wie sehr insbesondere Deutsche die Gefahren im Zusammenhang mit Nahrungsmitteln überschätzen und andere Risiken systematisch vernachlässigen. „Wer sich in Bangkok ein Moped ausleiht, der muss sich über Rückstände in Nahrungsmitteln keine Sorgen machen.“ Mit solch launigen Äußerungen erntete er weitgehend zustimmende Heiterkeit im Saal. Wer erwartet hatte, mit Belegen für die Harmlosigkeit von Unkrautvernichtern gewappnet zu werden, wurde womöglich enttäuscht. „Das Thema ist wissenschaftlich durch“, so Hensel. Einen Großteil der Aufregung führte der Veterinärmediziner und Mikrobiologe auf eine zunehmend unwissenschaftliche Diskussion zurück. Schließlich seien Nahrungsmittel für jedermann elementar und nach ein paar Klicks bei „Dr. Google“ fühlten sich viele Menschen bereits als Experten. Dabei spielten Gefühle eine wichtige Rolle. Das Schnitzel mit Erregern der afrikanischen Schweinepest schmecke ebenso lecker wie ein unbelastetes, so Hensel.

Höhere Wachsamkeit gefordert

Dem Thema hatte Landrat Michael Lübbersmann bereits in seinem Grußwort vorgegriffen. Der rief die Landwirte zu erhöhter Wachsamkeit in Bezug auf Hygiene und die Lagerung von Futtermitteln auf. Zugleich hatte er ihnen versichert, dass Hausschweine nicht allein deshalb gekeult würden, sobald infizierte Wildscheine entdeckt würden. Glyphosat, so Lübbersmann, sei ein Musterbeispiel für einen gesellschaftlich bedingten Diskurs.

Probleme mit Gülle

Selbstkritisch erklärte Schulte to Brinke dazu, die Landwirte seien dadurch ins Rahmenlicht gerückt worden, hätten es aber bislang nicht verstanden, die Aufmerksamkeit für sich zu nutzen. Probleme räumte er aktuell bei organischem Dünger ein, also bei Gülle. Hier fehlten Lagerkapazitäten. Zudem werde das Zeitfenster zum Ausbringen immer kleiner. Wie Geschäftsführer Martin Andrees appellierte er an die Landwirte, sich generell bei Problemen frühzeitig zu melden und nicht erst, wenn Ordnungsbehörden einschreiten. Trotz vereinzelt gerechtfertigter Probleme rief er die Landwirte dazu auf, „wir müssen offensiver werden und Kritik aushalten.“