Zwischen Fantasie und Illusion Farbe im Raum: Neue Ausstellung im Kunstraum Hase 29

Von Tom Bullmann

Loten sie die raumbildende Eigenschaft von Farbe aus: die Künstler Susanne Ackermann, Christoph P. Seidel und Karin Kopka-Musch (von links). Foto: David EbenerLoten sie die raumbildende Eigenschaft von Farbe aus: die Künstler Susanne Ackermann, Christoph P. Seidel und Karin Kopka-Musch (von links). Foto: David Ebener

Osnabrück. Drei verschiedene künstlerische Positionen zum Thema „raumbildende Eigenschaften von Farbe“ sind in der Ausstellung „Null Illusion“ zu erleben, die am Freitag, den 16. Februar, im Kunstraum Hase 29 eröffnet wird.

Keine Illusionen? Sollte es etwa keine Illusion sein, dass man beim Eintauchen in ein Bild von Susanne Ackermann durch dreidimensionale Räume geführt wird? Sollte es keine Illusion sein, dass Christoph P. Seidel seine Farbe auf ein vorgefertigtes Gerüst aus Draht oder Gewebe aufträgt? Doch, es ist die Fantasie des Betrachters, die von den Kunstwerken in höchstem Maße angeregt wird, die im Kunstraum Hase 29 zu sehen sind. Aber es ist der Blick in die Kunstgeschichte, der der Ausstellung zu dem Titel „Null Illusion“ verhalf.

Schon in Urzeiten konnte und wollte Malerei den Eindruck vermitteln, ein Abbild der Realität zu sein. Jahrhunderte lang gaben sich die Menschen der Illusion hin, auf Ölgemälden einen erlauchten Adligen so im Kreis seiner Familie zu sehen, wie er auch wirklich lebte. Erst mit der Moderne schwand das Bedürfnis der Künstler, die Welt abzubilden, in der sie lebten. Sie schufen eigene Bildwelten. So wie Susanne Ackermann, Karin Kopka-Musch und Christoph P. Seidel, die jetzt vom Kuratorengremium der Gesellschaft für Zeitgenössische Kunst als Betreiber von Hase 29 zu einer Gemeinschaftsausstellung zusammengeführt wurden.

Gemeinsam haben die beteiligten Künstler und Künstlerinnen, dass sie sich auf ihre eigene Art den Raum aneignen - mit Farbe. Karin Kopka-Musch brachte Zeichnungen, Grafiken und gemalte Bilder mit nach Osnabrück, die sie stets auf ihren Ausstellungsreisen begleiten. Diese bilden ein Gerüst für die Arbeiten, die vor Ort entstehen. Sie sprüht an die Wand, collagiert auf Leinwand, malt und klebt „um die Ecke“, erzeugt räumliche Bezüge zwischen den Bildelementen.

Die Grenze zwischen Malerei und Objektkunst bricht Christoph P. Seidel auf, indem er Farbe zu einem autonomen Gestaltungsmittel ernennt. Filigran schichtet er stark mit Bindemittel manipulierten Acryllack zu dreidimensionaler Malerei. Oder er häuft auf der Leinwand pastose Kringel und Schlaufen zu einer speziellen Matrix.

Regelrecht in Bewegung kommt das Auge bei der Betrachtung der auf großformatigen Leinwänden platzierten, breiten, lasierenden Pinselstriche von Susanne Ackermann. Der Fokus springt vor und zurück, weil sich der Blick in den verschiedenen Schichten des Bildes verirrt und doch wieder an die Oberfläche schnellt. Was sich wie ein gestisches „All Over“ gibt, erweist sich als durchkalkuliertes Konstrukt, das sowohl in der Nahsicht als auch aus der Distanz einen enormen Reiz entwickelt. Ebenso spannend erweist sich eine großformatige Schwarzweiß-Zeichnung der Künstlerin, bei der sich die großzügigen Raumverhältnisse in Hase 29 als äußerst vorteilhaft erweisen.


hase 29 – Kunstraum der Gesellschaft für zeitgenössische Kunst Osnabrück (Hasestraße 29): „Null Illusion. Von Farbe – über Malerei“.

Arbeiten von Susanne Ackermann, Karin Kopka-Musch und Christoph P. Seidel. 16. Februar (Eröffnung um 19 Uhr) bis 7. April, Di., Mi., Fr. und Sa. 14-18 Uhr, Do. 16-20 Uhr. Eintritt frei.

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