Unterstützung fürs Symphonieorchester Klasse 5f der Gesamtschule Schinkel spielt beim Schulkonzert

Von Ralf Döring


Osnabrück. Keine Selbstverständlichkeit: Bei einem Konzert des Osnabrücker Symphonieorchesters ist das Parkett im Europasaal der Osnabrückerhalle vollbesetzt. Des Rätsels Lösung: Das Orchester spielt für Schüler.

Am Ende sprechen die jungen Künstler wie die Profis. „In der Probe lief‘s besser“, sagt einer aus der Klasse 5f der Gesamtschule Schinkel. Musikerbefindlichkeiten: Das Publikum hat‘s nicht gemerkt und den Auftritt euphorisch beklatscht. Und es war nicht irgendein Auftritt vor Eltern und Verwandten: Die Klasse nimmt beim Schulkonzert im Europasaal die Rolle des „Special Guest“ ein. Das Osnabrücker Symphonieorchester hat in der Zeit Pause, und so gilt der Klasse mit ihrem Perkussionsstück die ungeteilte Aufmerksamkeit der rund 1000 anderen Schülerinnen und Schüler im Saal. Weiterlesen: Musikpreisträgerin Juliana Koch erklärt Kindern die Oboe

„Ei-ne Tas-se Kaf-fee bit-te!“

„Rhythmus!“ steht über diesem Konzert, und dazu passt natürlich, dass die Fünftklässler aus der Gesamtschule ein Stück einstudiert haben, das den Rhythmus zum Prinzip erhebt. Knappe sechs Wochen haben sie dafür geübt, unter Anleitung dreier Musiker vom Theater Osnabrück. Kontrabassist Matthias Wernecke leitet die Übungsstunden: „Ei-ne Tas-se Kaf-fee bit-te“, gibt er vor, und die rund 20 Schülerinnen und Schüler klopfen und klatschen im Rhythmus des Satzes, um sich für eine Stunde praktischen Musikunterrichts aufzuwärmen. Das ähnelt verblüffend einer Einheit im Konzert, die die vier Schlagzeuger des Orchesters gestalten. Sie machen ihrer Zuhörerschaft dabei „Ku-ka Ilimoku“ für Schlagzeugensemble des amerikanischen Komponisten Christopher Rouse schmackhaft – im konventionellen klassischen Konzert rangiert so ein Stück unter dem wenig schmeichelhaften Begriff „Kassengift“. Hier führt Solopauker Marco Liechti sein junges Publikum einfühlsam an das fünfminütige Stück heran, und zwar, indem er aus passiven Zuhörern für ein paar Minuten aktive Musiker macht. So weckt man Aufnahmebereitschaft.

An Schülerinnen und Schüler der fünften und sechsten Jahrgangsstufe wendet sich dieses Schulkonzert des Osnabrücker Symphonieorchesters unter der Leitung von An-Hoon Song. Die Lehrer der Osnabrücker Schulen nehmen das Angebot gern an –und sie vertrauen der Institution Theater dabei völlig. „Das Theater moderiert die Konzerte sehr schön“, sagt eine Lehrerin des Emma-Gymnasiums. Das macht die Vorbereitung im Unterricht überflüssig.

Wo bleibt die Einladung ins „richtige“ Konzert?

Die Moderation übernimmt Marie-Louise Tralle, die Musiktheater- und Konzertpädagogin des Theaters. Sie spricht mit Musikern, holt Schüler zum Zuhören auf die Bühne, erläutert die Stücke. Das kommt an: Fast alle Schüler würden gern ein weiteres Konzert mit dem Osnabrücker Symphonieorchester besuchen. Leider knüpfen sich keine weitergehenden Angebote ans Schulkonzert: keine Einladung, mal das „richtige“ Sinfoniekonzert zu besuchen, womöglich zu vergünstigen Eintrittspreisen. Weiterlesen: Das Musikpreisträgerkonzert mit Juliana Koch

Umgekehrt würden sich das Musikprogramm des Schulkonzerts im regulären Abo-Konzert gut machen. „Ku-ka Ilimoku“ zündet gewiss bei einer erwachsenen Zuhörerschaft genauso wie der Witz der „Carmen“-Suite des russischen Komponisten Rodion Shchedrin: Der russische Komponist verzichtet zugunsten des Schlagwerks auf Bläser und verlegt zum Beispiel den Torero-Marsch ins vierhändig gespielte Marimbaphon. So aber steht das Schulkonzert wie ein Solitär: wertvoll für den Nachwuchs, funkelt es ein bisschen einsam. Dabei könnten die Erwachsenen von den Schülern genau so profitieren, wie umgekehrt. Die Schüler sind auf jeden Fall neugierig aufs „richtige“ Konzert: Da schlummert Potenzial.