Sanierer stellt Konzept vor Paracelsus-Konzern baut in Osnabrück 50 Stellen ab

Von Wilfried Hinrichs

Paracelsus-Klinik Osnabrück. Foto: Gert WestdörpParacelsus-Klinik Osnabrück. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. In der Osnabrücker Paracelsus-Klinik werden 30 Stellen abgebaut, 20 weitere Arbeitsplätze entfallen in der Konzern-Zentrale. Das teilte Sanierer Reinhard Wichels am Dienstag nach einer Mitarbeiterversammlung mit.

Die Paracelsus-Klinik am Natruper Holz verfügt zurzeit über 330 Vollzeitstellen. 25 sollen nach Angaben des Generalbevollmächtigten Wichels im klinischen Bereich entfallen, fünf Stellen in der Verwaltung. Pflegepersonal soll nicht betroffen sein. Darüber hinaus werden in der Konzernzentrale 20 der knapp 80 Stellen gestrichen. Der Abbau werde zum Teil über natürliche Fluktuation, zum Teil über betriebsbedingte Kündigungen erfolgen, so Wichels. Fünf Mitarbeiter hätten bereits von sich aus gekündigt.

Der Sanierer hatte vor zwei Wochen an selber Stelle den Abbau von 400 der 5200 Arbeitsplätze im Konzern angekündigt. 190 Stellen sind durch die Schließung der Paracelsus-Klinik in Karlsruhe bereits weggefallen. Weitere Stellenstreichungen wird es in den defizitären Krankenhäusern in Henstedt-Ulzburg, Zwickau und Reichenbach geben. Details will Wichels in den kommenden Tagen an den jeweiligen Standorten mitteilen.

Stärkere ambulant-stationäre Verzahnung angestrebt

Das Stammhaus der Paracelsus-Gruppe in Osnabrück gehört zu den größten Verlustbringern im Konzern. „Wir wollen Patienten zurückgewinnen und das alte Leistungsniveau wieder erreichen“, sagte Wichels während einer Pressekonferenz nach der Mitarbeiterversammlung. Erreichen will der Sanierungsexperte das durch eine „stärkere ambulant-stationäre Verzahnung“. Dieses Betriebskonzept habe Paracelsus stark gemacht. „Wir wollen die Patienten ambulant heranholen und dann stationär weiterbehandeln“. Das Stammhaus habe nach Angaben des Sanierers zuletzt vier Millionen Euro Verlust gemacht, davon je zwei Millionen im ambulanten und stationären Sektor.

Profil schärfen

Wichels will das Profil der Paracelsus-Klinik am Natruper Holz stärker schärfen: „Kopf, Hals, Nervensystem“ – das sollen in Zukunft die ineinander greifenden medizinischen Schwerpunkte sein. Neurologie, Neurochirurgie, Hals-Nasen-Ohren (HNO), Orthopädie und Augenheilkunde sollen gestärkt werden. Interessant: Die Augenklinik „Visual eins“ hat das Paracelsus-Haus erst im vergangenen Jahr verlassen und am Klinikum einen Neubau bezogen. Wichels will diese Disziplin wieder am Natruper Holz etablieren. Die Frage, wer die Augenheilkunde betreiben soll, beantwortete Wichels nicht.

Wichels erwartet schwarze Zahlen in zweiter Jahreshälfte

Der Chefsanierer ließ durchblicken, dass ein Investor den gesamten Konzern übernehmen wird. Er führe intensive Gespräche mit einer ganzen Reihe von Investoren. „Wir sind überrascht von der Ernsthaftigkeit der Anfragen“, so Wichels, der bis Mitte des Jahres einen Käufer präsentieren will. Dieser wird dann, wenn das Konzept des Sanierers aufgeht, einen wirtschaftlich tragfähigen Konzern übernehmen. Wichels: „Ich erwarte, dass wir in der zweiten Jahreshälfte wieder schwarze Zahlen haben.“

Die Stimmung in der Betriebsversammlung sei „positiv“ gewesen, sagte Geschäftsführer Michael Schlickum. Die Beschäftigten blickten trotz des Stellenabbaus „erwartungsvoll“ nach vorn, denn das Sanierungskonzept sei auf Wachstum ausgerichtet. Die Stellenstreichung im Krankenhaus betreffe auch Ärzte, aber aller Voraussicht nach keine Pflegekräfte.

Die Paracelsus-Gruppe hatte vier Tage vor Weihnachten Antrag auf Insolvenz in Eigenverantwortung gestellt. Das bedeutet, dass die Geschäftsführung zusammen mit dem Generalbevollmächtigten Reinhard Wichels von der Beratungsgesellschaft WMC Healthcare in München drei Monate Zeit hat, den Gläubigern ein Sanierungskonzept vorzulegen. In dieser Zeit trägt die Arbeitsagentur die Personalkosten als Insolvenzausfallgeld. Ende März soll das Rettungspaket stehen.