CDU diskutiert über Baustellenmanagement Drei Jahre Knollstraßensperrung in Osnabrück: Muss das denn sein?

Von Sandra Dorn

Zum Osnabrücker Baustellenmanagement nahmen in der öffentlichen Fraktionssitzung der CDU Fachbereichsleiter Jürgen Schmidt (links) und SWO-Geschäftsführer Heinz-Dieter Hölscher Stellung. Foto: Michael GründelZum Osnabrücker Baustellenmanagement nahmen in der öffentlichen Fraktionssitzung der CDU Fachbereichsleiter Jürgen Schmidt (links) und SWO-Geschäftsführer Heinz-Dieter Hölscher Stellung. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Warum dauern Straßenbaustellen in Osnabrück so lange? Was kann die Stadt tun, damit es schneller geht? Die CDU-Fraktion hat in einer öffentlichen Sitzung am Montagabend diese Fragen zum Baustellenmanagement gestellt – und keine befriedigenden Antworten bekommen.

Mehr als ein Jahr lang war die Römereschstraße bis Mai 2017 gesperrt, jetzt stelle die dreijährige Sperrung der Knollstraße ein Ärgernis dar, sagte Fraktionschef Fritz Brickwedde – und die Aussicht auf eine zweieinhalbjährige Sperrung der Rheiner Landstraße zwischen Rückert- und Mozartstraße zwecks Kanalsanierungen. „Das Oberzentrum Osnabrück droht an Attraktivität zu verlieren“, mahnte Brickwedde.

Warum gibt es überhaupt so viele Baustellen? Eingeladen hatte die CDU-Fraktion die zwei Herren, die für das Baustellenmanagement maßgeblich verantwortlich sind: Von der Stadtverwaltung Jürgen Schmidt, kommissarischer Fachbereichsleiter Geodaten und Verkehrsanlagen, sowie von den Stadtwerken SWO-Netz-Geschäftsführer Heinz-Werner Hölscher. „Wir müssen die Straßen erhalten, wir müssen die Versorgung aufrecht erhalten“, so Schmidt. Knapp 6500 Kilometer Leitungen liegen unter den 760 Kilometern Straßen und Gehwegen im Stadtgebiet, erläuterte Hölscher: Strom, Gas, Wasser, Abwasser, Beleuchtung und Telekommunkationsleitungen. Alles zusammen hätte einen Wiederbeschaffungswert in Höhe von rund zwei Milliarden Euro und müsse instand gehalten werden, so Hölscher. Allein im Jahr 2018 seien 180 Baumaßnahmen vorgesehen, 75 davon veranlasst durch Dritte.

Muss es denn gleich eine Vollsperrung sein? Ein Anwohner der Knollstraße berichtete, dass Bekannte aus Hamburg ihn schon gefragt hätten, ob die Stadt bei drei Jahren Sperrung dort eine U-Bahn baue. Die Stadt habe durchaus schon versucht, den Verkehr an Baustellen einspurig vorbeizuführen, sagte Jürgen Schmidt. Aber: „Wir sind bei Vollsperrungen schneller als bei halbseitigen Sperrungen“, und auch die Ausführungsqualität sei besser. Hinzu komme, dass die Sicherheitsvorgaben strenger geworden sind: „Wir brauchen für die Baustellen mehr Platz, als das in der Vergangenheit der Fall war.“

Warum werden Straßen kurz nach Ende einer Bauphase wieder aufgerissen? Egal ob Pappelgraben oder Meller Straße: Wohl jeder Osnabrücker kennt ein Beispiel, wo eine Straße aufgerissen, zugemacht und wieder aufgerissen wurde. „Wir streben bereits an, Maßnahmen nicht hintereinander durchzuführen“, so Schmidt. Heißt: nicht erst einen Kanal und wenige Monate bis Jahre später die Straße selbst zu sanieren, sondern beides möglichst zeitgleich. Stadt und Stadtwerke stimmten sich eng miteinander ab, so Schmidt. SWO-Netz-Chef Hölscher: „Alles ist planbar, Fehler und Rohrbrüche sind es nicht.“ Und auch, wenn Hauseigentümer neue Anschlüsse benötigten, könne die Stadt nicht sagen: „Warten Sie bitte noch fünf Jahre“, so Schmidt.

Warum wird nicht in mehreren Schichten gearbeitet? Die Leute hätten den Eindruck, es würde auf den Baustellen nie gearbeitet, kritisierte Brickwedde. Könnte man nicht Mehrschicht- und Samstagsarbeit einführen? „Wir haben das auf dem Schirm“, so Hölscher, „aber wir müssen auch auf die Anwohner Rücksicht nehmen.“ Durch die Arbeitsstättenverordnung gebe es zudem strikte Vorgaben, sagte Schmidt, so dürften die Arbeiter erst morgens um sieben Uhr starten, mehr sei nur mit Ausnahmegenehmigungen möglich. Und auch sämtliche Lieferanten müssten im Falle eines Mehrschichtbetriebes mitmachen. Kommentar aus dem Publikum: „Wenn es einfach wäre, würden wir hier nicht sitzen.“

Werden überhaupt Fertigstellungsdaten mit den Unternehmen vereinbart? „Wir haben in unseren Verträgen schon Bauzeiten drin“, so Schmidt. „Wir können das beschleunigen, indem wir Prämien aussetzen – mit den entsprechenden finanziellen Konsequenzen.“ Dazu bräuchte die Stadt dann aber wiederum einen Ratsbeschluss. Ansonsten gelte: „Wir zahlen nicht nach Stunden, wir zahlen nach Leistung.“ Und auch Vertragsstrafen seien im Standardausschreibungstext mit drin, deren Höhe sei aber rechtlich gedeckelt.

Wie kann es schneller und effizienter gehen? Die entscheidende Frage, die Brickwedde schon zu Beginn gestellt hatte, blieb offen. „Ich erwarte, dass Sie der Politik sagen: ‚Wir brauchen erstens, zweitens, drittens‘“, gab er den Herren von Stadt und Stadtwerken mit auf den Weg.