Dreieinhalb Jahre Gefängnis Hartes Urteil gegen Osnabrücker Serienbrandstifter

Von Heiko Kluge

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Wegen Brandstiftung muss ein 22-jähriger Osnabrücker ins Gefängnis. Symbolfoto: colourbox.deWegen Brandstiftung muss ein 22-jähriger Osnabrücker ins Gefängnis. Symbolfoto: colourbox.de

Osnabrück. Mit einer harten Strafe ist vor dem Landgericht Osnabrück der Prozess gegen einen 22-jährigen Brandstifter zu Ende gegangen: Der junge Mann wurde zu einer dreieinhalbjährigen Freiheitsstrafe verurteilt. Er hatte im vergangenen Jahr im Osnabrücker Stadtgebiet über einen Zeitraum von mehreren Monaten immer wieder Brände gelegt.

Zu den Brandorten gehörten der Supermarkt, vor dem der junge Mann abends gerne mit Bekannten ein Feierabendbier trank, ein Anbau des Hauses, in dem er selbst lebte – und das Mehrfamilienhaus, in dem seine damalige Freundin wohnt. Außerdem brannte ein am Fahrbahnrand abgestelltes Auto aus, nachdem der 22-Jährige Feuer im Radkasten gelegt hatte.

Zum Vorgehen des Angeklagten gehörte es, nach der Brandstiftung jeweils selbst die Feuerwehr zu rufen – was der Polizei irgendwann auffiel und schließlich zu seiner Enttarnung und Festnahme führte.

„Ich habe Anerkennung gesucht, ich wollte niemandem etwas Böses“, hatte der geständige Angeklagte zu Prozessauftakt erklärt. Der Staatsanwalt vermutete, dass die Taten unter anderem als Ventil zum Stressabbau gedient haben könnten, denn der Mann hatte angeben, vor jeder Tat Streit mit seiner damals schwangeren Freundin gehabt zu haben.

Einer als Gutachterin bestellten Psychiaterin gegenüber hatte er außerdem betont, bei den Taten betrunken gewesen zu sein. Die Expertin fand allerdings keine hinreichenden Anhaltspunkte dafür, dass der 22-Jährige einen Hang dazu hat, im Übermaß Alkohol zu konsumieren. Die Frage nach dem Tatmotiv konnte auch sie nicht beantworten. „Ich sehe einen Zusammenhang mit Geltungsbedürfnis, aber das ist nur eine Vermutung.“

Hohes Strafmaß

Mit der Freiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten lag das Gericht schließlich sogar noch einmal drei Monate über der von der Staatsanwaltschaft geforderten Strafe. Der Verteidiger hatte sich für ein Strafmaß von „bis zu zwei Jahren“ ausgesprochen und dafür plädiert, seinem Mandanten eine Bewährungschance einzuräumen. Immerhin habe der 22-Jährige schon sechseinhalb Monate in Untersuchungshaft verbracht. „Ich glaube, dass er nichts mehr anstellt“, betonte der Rechtsanwalt.

Schnelles Geständnis

Die Auffassung der Richter war eine grundlegend andere. Strafmildernd berücksichtigt wurde von ihnen das schnelle Geständnis des 22-Jährigen, der die Taten schon gegenüber der Polizei eingeräumt hatte. Auch dass er jeweils die Feuerwehr gerufen und in einem Falle sogar selbst beim Löschen geholfen habe, habe sich zu seinen Gunsten ausgewirkt, hieß es bei der Urteilsbegründung.

Allerdings bezog die Kammer auch strafschärfende Umstände in ihr Urteil ein. So habe sich der 22-Jährige bei seinen Taten allmählich gesteigert. Insbesondere bei dem letzten Feuer, das er in dem Mietshaus entzündet hatte, in dem seine damalige Freundin lebt, habe es sich um eine besonders gefährliche Art der Brandstiftung gehandelt. Denn bei einem nächtlichen Brand seien Menschen besonders hilflos. „Es geht zu Ihren Lasten, dass Sie sogar positiv wussten, dass sich dort Menschen aufhielten, vermutlich viele Menschen“, betonte der Vorsitzende.

(Weiterlesen: Legte Osnabrücker aus Geltungsdrang immer wieder Feuer?)

Brandstiftung gehöre rechtlich gesehen zu den sogenannten „gemeingefährlichen Straftaten“, führte der Jurist weiter aus, und um dem 22-Jährigen vor Augen zu führen, in welcher Gesellschaft sich Brandstiftung im Strafgesetzbuch befindet, las er weitere Delikte vor, die darin als „gemeingefährlich“ aufgelistet sind: Herbeiführen einer Explosion durch Kernenergie, Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion, Missbrauch ionisierender Strahlen oder auch Vorbereitung eines Explosions- oder Strahlungsverbrechens.

„Der Gesetzgeber sieht Feuer als etwas so Gefährliches, das so wenig kontrollierbar ist, dass es mit diesen Straftaten in einen Topf geworfen wird“, erklärte der Vorsitzende. „Deswegen ist die Strafandrohung auch entsprechend hoch.“

Nach dem Urteil wurde der 22-Jährige zurück ins Gefängnis gebracht, wo er bis zur Rechtskraft des Urteils zunächst weiter in Untersuchungshaft bleibt. Die Kammer erhielt den Haftbefehl gegen ihn aufrecht. Es bestehe Wiederholungsgefahr.


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