Stadtwerke bescheren Hochschule Mini-Elektrobus aus Osnabrück wird zum Studienobjekt

Von Sebastian Stricker


Osnabrück. Kaufen wollte den kleinen Italiener keiner mehr. Aber geschenkt nahm ihn die Westfälische Hochschule Recklinghausen mit Kusshand. Sie will den 2016 in Osnabrück ausgemusterten Mini-Elektrobus wieder aufpäppeln. Und so ihren Studenten ganz viel über Nutzfahrzeugtechnik beibringen.

Der Breda Menarinibus M200 E-Zeus – ein sechs Meter kurzes, aber vier Tonnen schweres Fahrzeug italienischer Bauart mit Platz für 22 Passagiere – war der erste akkubetriebene Linienbus in Deutschland. Er verband auf einem gut anderthalb Kilometer langen Rundkurs zunächst das Marienhospital und das Christliche Kinderhospital mit dem Neumarkt. Im Liniendienst erwies sich der Kleinserien-Wagen jedoch als äußerst unzuverlässig. Wegen dramatischer Reichweitenverluste und katastrophaler Ersatzteilversorgung war er mitunter monatelang außer Betrieb. Nach sechs Jahren hatten die Stadtwerke Osnabrück genug: Mit 56.190 Kilometern auf dem Tacho zogen sie den einst 220.000 Euro teuren Mini-Elektrobus im Herbst 2016 aus dem Verkehr. (Weiterlesen: Deutschlands größte E-Bus-Flotte entsteht in Osnabrück)

Transport per Tieflader

Anschließend verbrachte der in Wahrheit also gar nicht so göttliche E-Zeus geraume Zeit in der Garage. Und alle Versuche, den kleinen Italiener auf dem Gebrauchtmarkt loszuwerden, schlugen fehl. Bis einem Stadtwerke-Mitarbeiter der rettende Einfall kam: Verschenken statt verkaufen!

Valentin Wübbelsmann, Absolvent des Studiengangs Wirtschaftsingenieurwesen an der Westfälischen Hochschule (WH) in Recklinghausen, schlug seine Alma Mater als Empfängerin der Bus-Spende vor. Er hatte den Kontakt zu seinem damaligen Professor Guido Mihatsch nie abreißen lassen. Und der willigte dankbar ein. Ein Tieflader brachte das fahruntüchtige Vehikel daraufhin von Osnabrück ins Ruhrgebiet, wo ihm jetzt neues Leben eingehaucht wird.

Rollendes Aushängeschild

„Wir wollen den Bus nicht nur wieder flottmachen, sondern ihn auch noch ein wenig aufhübschen“, kündigte Mihatsch in der Hochschulzeitschrift „Trikon“ an. Angehende Wirtschaftsingenieure sollen an dem Fahrzeug mit Batterien und Strom experimentieren und elektrotechnische Bauteile untersuchen. Außerdem bekommt der Bus ein „schickes Design“ im Stil der Westfälischen Hochschule. Als rollendes Aushängeschild für den Campus Recklinghausen soll er dann auf den dortigen WH-Studienschwerpunkt von Automobilwirtschaft und Fahrzeugtechnik hinweisen. (Weiterlesen: Stadtwerke Osnabrück testen fahrerlosen Bus)