Es wird eng Osnabrück gehen Plätze in Unterkünften für Flüchtlinge aus

Von Sandra Dorn

Die beiden Flüchtlingsunterkünfte an der Landwehrstraße muss die Stadt Osnabrück bis Ende des Jahres räumen, Die Stadtwerke-Tochter Esos will die Gebäude im Zuge der Entwicklung des Landwehrviertels umbauen. Foto: Gert WestdörpDie beiden Flüchtlingsunterkünfte an der Landwehrstraße muss die Stadt Osnabrück bis Ende des Jahres räumen, Die Stadtwerke-Tochter Esos will die Gebäude im Zuge der Entwicklung des Landwehrviertels umbauen. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Es ist bereits eng in den Osnabrücker Gemeinschaftsunterkünften für Flüchtlinge, und es wird noch enger. Bis Ende des Jahres muss die Stadt die beiden gemieteten ehemaligen Kasernengebäude an der Landwehrstraße räumen – und der Zuzug reißt nicht ab.

Mit den beiden Häusern fallen 113 Plätze weg. Aktuell leben dort 127 Flüchtlinge – in Notfällen hätte die Stadt maximal 222 Menschen unterbringen können.

Eigentümerin der beiden Gebäude ist die hundertprozentige Stadtwerke-Tochter Esos, die das Kasernengelände derzeit zu Osnabrück größtem Neubaugebiet entwickelt. „Wir wollen die beiden Gebäude umbauen“, sagt Stadtwerke-Sprecher Marco Hörmeyer. Für welche Art der Nachnutzung sie vorgesehen sind, sagen die Stadtwerke noch nicht.

Klar ist nur: Die Flüchtlinge müssen raus. Doch wohin? „Derzeit sind wir auf der Suche nach angemessenem Ersatz“, sagt Klaus Rußwinkel. Der Fachdienstleiter ist derjenige, der sich im Osnabrücker Sozialamt um das Wohnungsmanagement kümmert. Und das ist momentan keine leichte Aufgabe.

Zehn Gemeinschaftsunterkünfte – alle voll

Zehn Gemeinschaftsunterkünfte für Flüchtlinge betreibt die Stadt – die beiden an der Landwehrstraße eingeschlossen. Und alle sind voll. Die Zahl der offiziellen Plätze beläuft sich nach Angaben der Stadt insgesamt auf 776 – belegt sind derzeit 722. Mit Überbelegungen können maximal 996 Flüchtlinge untergebracht werden. Als sozial verträglich erachtet die Stadt jedoch eine Belegung mit lediglich 549 Menschen – und von dieser eigenen Zielvorgabe ist Osnabrück weit entfernt. In einer Unterkunft in Eversburg mit 100 Plätzen beispielsweise leben aktuell 124 Flüchtlinge. Die größte Unterkunft befindet sich auf dem Gelände der ehemaligen Limbergkaserne. Von 289 Plätzen sind derzeit 245 belegt.

Wie viele Geflüchtete Osnabrück in diesem Jahr aufnehmen muss, wird die Stadt im März erfahren, für Anfang des Monats hat das Land die neuen Zuweisungsquoten angekündigt. „Wir erwarten nach derzeitigem Stand circa 400 weitere aufzunehmende Personen“, so Rußwinkel.

Mangel an günstigen Mietwohnungen

Wer einmal in einer Gemeinschaftsunterkunft angekommen ist, muss sich wegen des Mangels an günstigen Wohnungen auf einen langen Aufenthalt einstellen. Viele Bewohner, die als Flüchtlinge längst anerkannt sind und manchmal sogar schon einen Job haben, suchen, finden aber keine eigene Wohnung. Da es in Niedersachsen im Gegensatz zu fast allen anderen Bundesländern keine Wohnsitzauflage gibt, konkurrieren sie mit Flüchtlingen aus den ländlichen Regionen um den raren Wohnraum. Viele zieht es in die Oberzentren, „obwohl auf dem Land sehr viel mehr freier Wohnraum zur Verfügung steht“, gibt Rußwinkel zu bedenken. Ein weiterer Faktor: Abschiebungen, Rückführungen oder freiwillige Ausreisen würden kaum funktionieren, so Rußwinkel – also bleibt es in den Gemeinschaftsunterkünften voll.

Stadt muss Obdachlosenunterkunft räumen

Die ohnehin schon angespannte Lage wird zudem dadurch verschärft, dass auch das Mietverhältnis für eine der drei städtischen Obdachlosenunterkünfte im Juli endet, sagt Osnabrücks Sozialdezernent Wolfgang Beckermann. Betroffen ist das Haus in der Buerschen Straße 75 mit sieben Wohnungen. Es gehört den evangelischen Stiftungen Osnabrück, die es abreißen und an seiner Stelle ein neues Wohnhaus mit sechs Sozialwohnungen bauen wollen.

„Das Haus ist auf“, bringt der Vorstandsvorsitzende der Stiftungen, Johannes Andrews, es lapidar auf den Punkt. Seit 1993 war es als Obdachlosenunterkunft in Betrieb. 13 Menschen leben dort laut Stadt. Flüchtlinge bringt die Stadt dort zwar nicht unter, aber, so Beckermann: „Dafür brauchen wir auch Ersatz.“

Finanzamt Osnabrück-Land

Und was ist mit dem ehemaligen Finanzamt Osnabrück-Land an der Hannoverschen Straße, das von Februar 2016 bis Februar 2017 als Notunterkunft genutzt wurde? Die Stadt hat darauf keinen Zugriff. Das Land hält es weiterhin als stille Reserve, wie eine Sprecherin der Landesaufnahmebehörde bestätigte. 400 Menschen könnten dort kurzfristig untergebracht werden. Im Gebäude selbst gibt es jedoch kein heißes Leitungswasser, für eine längerfristige Unterbringung wäre es daher ungeeignet, sagt Rußwinkel. Vor zwei Jahren, auf dem Höhepunkt der Flüchtlingswelle, stellte das Land draußen Duschcontainer auf.

Es gibt auch noch mehrere Einzelwohnungen mit 420 Plätzen in 30 Häusern, die die Stadt nutzen kann, so Rußwinkel – aber das sind dann Wohnungen, in denen die Menschen langfristig bleiben – dezentral untergebracht, wie es das Ziel der Stadt ist, das jedoch nicht immer erreicht wird, wie das Beispiel Limberg zeigt.

„Von Grundsatz her ist eine dezentrale Unterbringung im Sinne der Integration am besten“, betont Stadtrat Wolfgang Beckermann und hofft auf weitere Angebote. „Wenn man aber keine Alternative findet, muss man das anders machen.“