Zwischen Traum und Wirklichkeit Susan Weinert Rainbow Trio mit bezauberndem Jazz im Lutherhaus

Von Tom Bullmann

Gefühlvoll an der Gitarre: Musikerin Susan Weinert spielt mit ihren Kollegen im Lutherhaus. Foto: Hermann PentermannGefühlvoll an der Gitarre: Musikerin Susan Weinert spielt mit ihren Kollegen im Lutherhaus. Foto: Hermann Pentermann

Osnabrück. Ohne Perkussionisten kommt das Susan Weinert Rainbow Trio aus. Gitarre, Piano und Bass genügen den Musikern, um eine Stimmung zwischen Traum und Wirklichkeit zu zaubern.

Eine Gitarristin kratzt mit einem Plektron an den Saiten ihrer akustischen Gitarre herum und schickt die Signale in ein Effektboard. So generiert sie Klänge, die sich anhören wie die Schreie von Kranichen, die hoch am Himmel übers Land in Richtung Süden ziehen. Susan Weinert heißt die Gitarristin, die sich vom Flug der Zugvögel zu einem Stück mit dem Titel „Die Kraniche“ inspirieren ließ. Die leisen Schreie macht sie per Echobox zu einer dezenten Grundlage eines Stücks, das man in die Abteilung Kammerjazz mit Klassik- und Ethno-Einflüssen einordnen darf.

Das Lutherhaus wird am Sonntagnachmittag Schauplatz eines Konzerts mit dem Susan Weinert Rainbow Trio. Neben der Gitarristin erscheint ihr Ehemann Martin auf der Bühne und bringt sich mit dem Kontrabass in Position, derweil am Konzertflügel Sebastian Voltz Platz nimmt. Der klassisch ausgebildete Pianist bringt neue Impulse in die Kompositionen von Weinert. Sie dagegen, aus deren Feder die meisten Stücke stammen, räumt ihm ausreichend Platz für Improvisationen ein. In Kombination mit dem oftmals sanft singenden Bass von Martin Weinert entsteht eine ruhige, oft träumerische Atmosphäre.

Das scheint auch das Ziel des Trios zu sein. Sonst hätten die Musiker aus dem Saarland nicht ein Album herausgebracht, das den Titel „Tomorrow´s Dream“ trägt. Daraus stammt der Song „Deep Blue Sky“, mit dem das Rainbow Trio ihr Konzert eröffnet. Klangimpressionen verdichten sich nach und nach zu einem rhythmischen Geflecht, in das alle drei Musiker Soli betten, die eindeutige Signale aussenden: Hier sind ausgezeichnete Musiker am Werk, die sehr gut miteinander harmonieren. Und Voltz zeigt darüber hinaus eine dezente Lust am Experiment, wenn er sich im Innenleben des Flügels zu schaffen macht. Ansonsten ist es Susan Weinert, die mit ihrer Gitarre für Aufsehen sorgt. Denn eigentlich ist der Sound des Trios akustisch. Doch bisweilen setzt die Musikerin ein Effektgerät ein, das nicht dazu gedacht ist, Vogelstimmen zu imitieren, sondern um, ähnlich wie ihr amerikanischer Kollege Al Di Meola, an manchen Stellen einen orchestralen Harmoniesound zu erzeugen.

Besonderen Applaus erntet die Band allerdings nach dem Song „A Day Like This“, der bezüglich des Tempos aus dem sonst eher sinnlichen Rahmen fällt. Auf einem flirrenden Bassthema toben sich Susan Weinert und Voltz lustvoll aus. Es entsteht ein enorm groovender, moderner Jazz, bei dem sich die Protagonisten die Melodie-Bälle zuwerfen und bei starken Soli glänzen.

Mit dem „Tanz der Schmetterlinge“ verabschiedet sich das Rainbow Trio im Lutherhaus. Der Song wurde von Martin Weinert für seine Frau geschrieben, nachdem sie zusammen in Algerien Urlaub gemacht hatten. Dementsprechend basiert er auf arabischen Melodien, die von geklopften und gestrichenen Basstönen ein Fundament verpasst bekommen. Nach und nach entwickelt er sich von einer sphärischen zu einer sehr behänden Jazz-Nummer, die in virtuosen Gitarren- und Basssoli gipfelt. Begeistert fordert das Publikum Zugaben – und bekommt schlussendlich einen relaxten neuen Song im dahingetupften Jazz-Modus.