Tristan, Romeo und Rosamunde Furios: Das Nodelmann Quartett in Bad Iburg

Von Jan Kampmeier

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Das Nodelmann Quartett in Bad Iburg. Foto: Egmont SeilerDas Nodelmann Quartett in Bad Iburg. Foto: Egmont Seiler

Bad Iburg. Das Nodelmann Quartett spielte im Iburger Schloss Werke von Anton Webern, Ludwig van Beethoven und Franz Schubert.

Mehrfach war das Nodelmann Quartett in den letzten Jahren in Osnabrück und Umgebung zu hören, und den Iburger Rittersaal, den die Musiker am Sonntag bereits zum dritten Mal bespielten, bezeichnet Andreas Kosinski schon als ihr Wohnzimmer. Der Bratscher übernimmt gekonnt locker die Moderation des Konzerts, das ungewöhnlicherweise mit einem Werk Anton Weberns beginnt.

Sein Satz für Streichquartett ist allerdings ein Frühwerk und keineswegs atonal. „Tristan in neun Minuten“, sagt Andreas Kosinski und spielt damit natürlich auf die Harmonik an. Andererseits sei diese Länge für Weberns Verhältnisse geradezu ein Epos, sind doch seine späteren Werke oft von extremer Kürze. „Webern war verliebt“, merkt der Bratscher außerdem an, und in der Interpretation des Nodelmann Quartetts scheinen denn auch die Emotionen zu kochen, in direktem Kontrast freilich zu sehr zart gestalteten Abschnitten.

Der Schritt zu Beethovens op. 18/1 sei der Übergang von Tristan und Isolde zu Romeo und Julia, so Andreas Kosinski. So wird denn auch im zweiten Satz, zu weiten Teilen in aufgewühltem Moll, die Tiefe des Ausdrucks besonders hervorgekehrt. Zuvor bereits, in der Durchführung des ersten Satzes, begegnet man Klängen, die ungewöhnlich harsch sind für einen frühen Beethoven. Das Nodelmann Quartett zeigt damit sehr deutlich, wie Beethoven das Ausdrucksspektrum gegenüber Haydn und Mozart erweiterte.

Insgesamt gelingt den Musikern eine furiose Interpretation. Nach der Pause erwartet die Zuhörer das Rosamunde Quartett von Franz Schubert, und auch hier spielen die Musiker ziemlich kraftvoll, setzen Stimmungsumschwünge hart und abrupt um. Eine sehr individuelle Perspektive bieten sie zum Beispiel im Rosamunde-Thema des zweiten Satzes, das über wohlklingende Lieblichkeit weit hinaus geht und eher fahl und verloren wirkt, sich später aber mächtig aufbäumt. Ein Quartettsatz in c-moll von Schubert bildet die erste Zugabe, gefolgt von einem Klezmer-Medley, das beim Publikum Begeisterung auslöst.


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