Was sagt uns der Familienname? Umzäuntes Grundstück führte zum Namen Bünte

Von Winfried Breidbach

Ein umzäuntes Stück Ackerland ist der Ursprung des Familiennamens Bünte. Foto: dpaEin umzäuntes Stück Ackerland ist der Ursprung des Familiennamens Bünte. Foto: dpa

Osnabrück. Roswitha Bünte aus Georgsmarienhütte vermutet, dass ihr Familienname aus Norddeutschland stammen und mit einer Flurbezeichnung zu tun haben könnte.

Etwa 1100 Personen tragen den Nachnamen Bünte, der überwiegend in Nordwestdeutschland zu finden ist: Fast vier Fünftel der Namensträger leben in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Die vier stärksten Nester des Namens Bünte zeichnen sich in den Landkreisen Lippe, Osnabrück, Diepholz und Minden-Lübbecke ab.

Die Recherchen zum Ursprung des Familiennamens Bünte werden durch den Umstand erschwert, dass der Umlautvokal -ü- erst in der Neuzeit vom nicht umgelauteten Vokal -u- in der Schrift unterschieden wurde. Das heißt erstens, dass es wirklich alte Belege der Schreibung „Bünte“ nicht geben kann, und zweitens, dass bei alten Belegen von „Bunte“ nicht zu entscheiden ist, ob „Bunte“ oder „Bünte“ gemeint war.

Der Name Bünte konnte auf drei verschiedenen Wegen entstehen. Zunächst kann, wie auch von unserer Leserin angenommen, ein Lokalname dahinterstehen. Im hochdeutschen Gebiet gab es ein Wort „Beunde“ (älter biunta, biunte), das „eingehegtes Grundstück, Eigengut“ bedeutete und ein umzäuntes Stück Ackerland in Privatbesitz bezeichnete. In alten niederdeutschen Texten wurde dieses Wort nicht verwendet, und auch die modernen plattdeutschen Mundarten scheinen das Wort nicht zu kennen. Dennoch ist das Wort in der Form „Bünte“ im niederdeutschen Gebiet seit dem 14. Jahrhundert vielfach als Flurname bezeugt, wobei die Bedeutung mit hochdeutsch Beunde übereinstimmt. Man vermutet, dass das Wort als technischer Begriff ins Niederdeutsche übernommen wurde. Historische Belege wie „up der Bunte“ (1467 bei Hildesheim), „boven der Bunthe“ (1508 Salzdetfurth) und „Joannes Auff der Bundt“ (1654 Mönchengladbach) sowie heutige Familiennamen wie Verbünt (= van der Bünt) und Büntemeyer erweisen die Existenz des Wortes im plattdeutschen Gebiet.

Zweitens ist für die Region Lippe ein Fall historisch bezeugt, der die Umformung des Ortsnamens Bünde zu Bunte zeigt: Der Nachkomme von „Evert van Bünde“ (1507 in Laßbruch) erscheint 1538 als „Hans Bunte“. Diese Umgestaltung erfolgte möglicherweise auch andernorts.

Drittens kann der Familienname im ostfriesischen Gebiet zu männlichen Rufnamen wie Bundt, Buntje gehören, deren Herkunft ungeklärt ist. Ältere Belege des Namens: 1165 „Thidricus Bunte“ (Köln), 1287 „Gerwin Bunte“ (Rostock), 1350 „Bunte“ (als Träger eines Lehens in Engter genannt), mit Kennzeichnung des Umlauts: 1601 „Johann Buenthe“ (Rinteln-Exten).