Seit 2010 ohne Führerschein Bewährungsstrafe: Geisterfahrer mit 180 auf der Bundesstraße 68

Von Markus Strothmann

Mehrfach entzog sich ein 31-Jähriger, der keinen Führerschein mehr besitzt, Verkehrskontrollen durch die Polizei. Das Amtsgericht Osnabrück verurteilte ihn zu einer Bewährungsstrafe. Symbolfoto: dpaMehrfach entzog sich ein 31-Jähriger, der keinen Führerschein mehr besitzt, Verkehrskontrollen durch die Polizei. Das Amtsgericht Osnabrück verurteilte ihn zu einer Bewährungsstrafe. Symbolfoto: dpa

Osnabrück. Ein heute 31-Jähriger entzog sich zwei Verkehrskontrollen durch Flucht: Einmal rammte er dabei absichtlich einen Streifenwagen, einmal floh er mit 180 Sachen als Geisterfahrer auf der B68. Trotz dieser und weiterer Vergehen gibt es noch einmal Bewährung.

Einen Führerschein hat der Mann schon seit 2010 nicht mehr, weil er sich unter Einfluss von Alkohol und Amphetaminen ans Steuer gesetzt hatte. Gefahren sei er seitdem trotzdem, sagte er in der Verhandlung: „Anfangs war ich noch sehr nervös, aber die Hemmschwelle sank immer mehr.“ Als er und seine Freundin mit deren Kind ins ländliche Pente bei Bramsche zogen – beide Erwachsene ohne Führerschein – habe er erst recht keine andere Möglichkeit mehr gesehen, als weiterhin ohne Lappen zu fahren.

Taten voll eingeräumt

Der 31-jährige räumte seine Taten vollständig ein, darum konnte das Amtsgericht Osnabrück darauf verzichten, die reichlich vorhandenen Zeugen zu hören. Im Oktober 2016 fuhr er auf der Mindener Straße zu schnell. Im Januar 2017 schraubte er die Kennzeichen von einem VW Golf ab und montierte sie an seinem Daimler, weil er sich von der Polizei beobachtet wähnte. Diese Einschätzung war so weit korrekt. Der folgenden Kontrolle am Abend auf der Bramscher Heinrichstraße entzog er sich aber, in dem er trotz Eisglätte mit hoher Geschwindigkeit die Biege machte. Mit 180 Kilometern pro Stunde floh er dann als Geisterfahrer über die B68. Glücklicherweise herrschte dort genau zu diesem Zeitpunkt kein Verkehr – dem 31-jährigen kam kein einziges Fahrzeug entgegen. Er schaltete bei Hesepe das Licht aus, fuhr ab und entkam über Nebenstraßen.

Staatsanwalt: „Erinnert an Actionfilme“

Wenige Tage später fuhr der 31-jährige auf der Stettiner Straße in Belm zu schnell und entschied sich auch hier für die Option, die Kurve zu kratzen. Als er mit hoher Geschwindigkeit abbog, konnte eine Mutter mit Kind nur knapp ausweichen, indem sie zur Seite sprang. Auf der Bremer Straße Richtung Belm bremste der Angeklagte abrupt, sodass der verfolgende Streifenwagen auffuhr. Als die Streife auf gleicher Höhe war, rammte er deren Fahrzeug, um sie von der Straße zu drängen. Am Streifenwagen entstand ein Schaden von rund 5000 Euro.

Fahren ohne Fahrerlaubnis, Fahren mit überhöhter Geschwindigkeit, gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr, Fahrerflucht, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Urkundenfälschung. „Was da passiert ist, kann man nur als filmreif bezeichnen. Sie haben alle Hemmungen fallengelassen, das sind schwere Straftaten“, sagte der Staatsanwalt im Plädoyer. Was man dem Angeklagten zugute halten müsse, sei sein umfassendes Geständnis. Da der 31-jährige mittlerweile eine neue Arbeit angetreten hat, Vater geworden ist und es also insgesamt so aussehe, als hätte er sein Leben in den Griff bekommen, sei außerdem eine günstige Sozialprognose vertretbar. Der Staatsanwalt kam für alle Vergehen auf die Forderung einer Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren, die zur vierjährigen Bewährung ausgesetzt werden könne. „Aber damit ist das Ende der Fahnenstange erreicht. Jetzt darf wirklich gar nichts mehr passieren“, so der Staatsanwalt.

Günstige Sozialprognose, milde Strafe

Der Richter folgte beim Urteil weitestgehend der Forderung des Staatsanwalts: vier Jahre Bewährung und eine Geldstrafe über 1500 Euro. Dazu kommen 750 Euro aus einer Vorstrafe wegen Körperverletzung. Die geforderte Führerscheinsperre von zwei Jahren verkürzte das Gericht auf eineinhalb – „das absolute Minimum“, so der Richter. „Wenn Sie jemand verletzt oder gar getötet hätten, sähe das hier ganz anders aus.“

Da der Angeklagte nicht gerade viel verdient, müsse er sich darüber im Klaren sein, dass trotz des milden Urteils noch schwierige Zeiten auf ihn zukommen. Die Geldstrafen, die Kosten es Verfahrens und nicht zuletzt das Wiedererlangen des Führerscheins – da muss der 31-Jährige in den kommenden Jahren für seine Verhältnisse kräftig aus der Tasche. „Aber wir gehen ganz stark davon aus, dass Sie das schaffen“, sagte der Richter.