Zeichner und Fußballfan Andrea Mastrovito in der Kunsthalle Osnabrück

Von Thomas Hitzemann

Starke Bilder prägten die Ausstellungseröffnung „Symphonie eines Jahrhunderts“ von Andrea Mastrovito in der Kunsthalle Dominikanerkirche. Foto: Hermann PentermannStarke Bilder prägten die Ausstellungseröffnung „Symphonie eines Jahrhunderts“ von Andrea Mastrovito in der Kunsthalle Dominikanerkirche. Foto: Hermann Pentermann

Unter dem Oberbegriff „Symphonie eines Jahrhunderts“ vereint die Osnabrücker Kunsthalle Andrea Mastrovitos gezeichneten Animationsfilm „NYsferatu“ mit Bezug auf den Filmklassiker „Nosferatu“, eine 30 Meter lange Assemblage (Fries) von 400 Zeichnungen und Fotos, sowie Einzelgraphiken, welche Nosferatu in verschiedenen Kontexten zeigen.

Im Kirchenschiff des ehemaligen Gotteshauses empfängt den Besucher zur rechten Hand jener Fries, der zugleich einen Rückblick auf das 20. Jahrhundert als auch einen Vorausblick in das 21. Jahrhundert bietet. Da sieht man etwa Pablo Picassos „Guernica“ und den Terrorchef Bin Laden in Großaufnahme nebst umstrittenen Persönlichkeiten wie John Lennon, Ernesto Che Guevara oder Edward Snowdon. Daneben finden sich verschiedene Päpste und natürlich zahlreiche Politiker von gestern und heute.

Zur linken Hand läuft der besagte Film auf einer ungewöhnlichen Projektionsfläche. Diese besteht aus einem Bücherregal mit 5000 Bänden. Auf der Hinterseite lassen sich die Buchrücken von lauter Büchern betrachten, deren Inhalt die Leser in irgendeiner Weise beunruhigt hatte. Mehrfach fällt der Titel „Islam“ ins Auge. Erwartungsgemäß finden sich Exemplare, wie „Politik der Vernichtung“ oder „Gewalt“, überraschenderweise aber auch „Moderne Kunst“. Eher ein Schmunzeln rufen Titel hervor wie, „Männer über 50“ oder „Wildschweine“.

Durch die Gänge des ehemaligen Klosters schlendernd, stößt man auf Zeichnungen in gekonnter Gegenständlichkeit und in verschiedenen Trockentechniken. Auch hier zeigt sich Nosferatu bisweilen von der humorigen Seite.

Im Auditorium des Museums ertönen vier kurze Vernissagevorträge direkt nacheinander. Zunächst stellt Wolfgang Beckermann eine grundsätzlich auf Überraschungen für die Besucher ausgerichtete Arbeit der Kunsthalle vor. Hausherrin Julia Draganovic verrät manches über den Lebenslauf und die Schaffensweise des kaum 40 jährigen Mastrovito. Besonders betont sie, welch große Anstrengung die Aufstellung des Bücherregals für die Teams von Museum und Stadtbücherei gewesen sei. Christel Schulte erklärt die „Aktiv-tischchen“, wo man eigenhändig sichtbare oder nur fühlbare Motive zeichnen könne, was an diesem Morgen allerdings nur wenig in Anspruch genommen wird.

Schließlich stellt sich Andrea Mastrovito in flüssigem Englisch selbst vor. Dabei gibt er sich als echter Fußballfan zu erkennen. Im Stadion lege er gerne den Künstler vollständig ab und verwandele sich mit Vergnügen in einen Hooligan.