77 Wagen beim Karnevalsumzug Ossensamstag 2018 in Osnabrück: Eine riesengroße Party

Von Claudia Sarrazin


Osnabrück. 12.000 bis 15.000 Besucher machten sich laut Polizeischätzungen am Ossensamstag auf den Weg, um den Karnevalszug live mitzuerleben. Die Stimmung war gut, das Wetter hielt: Es war zwar kalt, aber letztendlich doch trocken. Und am Ziel des Umzugs nahmen die Narren erwartungsgemäß Oberbürgermeister Wolfgang Griesert den Rathausschlüssel ab.

Startpunkt des diesjährigen Karnevalsumzugs am Ossensamstag war wie immer an der Johanniskirche. Im Schneeregen kam der Wagen der diesjährigen Stadtprinzessin Gaby I. (Rittmeister) vor der Kirche an. Doch bereits vor dem Start des 42. Osnabrücker Karnevalsumzug ebbte der Regen ab und es blieb auch trocken.

Vorprogramm in der Familienzone

Gegen 13 Uhr startete das Vorprogramm in der Familienzone an der Johanniskirche mit „De Muggenblazers“ aus der niederländischen Partnerstadt Haarlem sowie Kindersänger Frank Acker („Frank und seine Freunde“). Letzterer feierte eine kleine Party mit den Zappeltieren und vielen Maskottchen. Die Hexe Fenka (6), die Katze Emmy (6) und das Rotkäppchen Johanna (5), verfolgten genau, was sich auf der Straße vor ihnen tat.

Kurze Unterbrechung, dann ging es weiter

Dann ging es nach einem Countdown von René Herring los. Herring ist der Präsident des Bürgerausschusses Osnabrücker Karneval, kurz: BOK. Doch nach wenigen Metern stoppte der Zug schon wieder. Der Wagen von „Frank und seinen Freunden“, der für die Tanzmusik der Maskottchen sorgte, wollte nicht mehr. Wie gut, dass genügend Helfer vom Technischen Hilfswerk (THW) in der Nähe standen und Starthilfe per Muskelkraft geben konnten.

Einhörner nicht mehr so beliebt

Die Schwestern Saskia Ortmann und Wiebke Brinkmann waren als Einhörner verkleidet und überrascht, dass diese Verkleidung in diesem Jahr offensichtlich nicht mehr so beliebt war wie 2017. Stattdessen gab es viele Erdbeeren, wie zum Beispiel Wenke (2), ihren Bruder Paul (7) und Mutter Susanne. Aber auch so mancher Clown, wandelnde Biergläser, Raubkatzen und Mickey Mäuse waren unterwegs (Zur Galerie: Die schönsten Fotos vom Ossensamstag).

Kamelle und weitere Pläne für den Abend

Zu den jüngsten Zuschauern des Zuges gehörte Stella (2). Im Tigerkostüm und mit Ohrschützern gegen die laute Musik gewappnet, verfolgte sie gebannt das Geschehen. Ihre Mutter Sara erklärte: „Ich komme schon alleine deshalb, um ihre Reaktionen zu sehen und zu beobachten, wie sie guckt.“ Auch Paul (8), Mattes (5), Lennox (6) und Lara (14) schauten gebannt dem Zug zu. Sie hatten allerdings ein besonderes Augenmerk auf die Kamelle. Jeder der Vier hatte einen Stoffbeutel in der Hand, und ihre Ausbeute konnte sich sehen lassen. Nach dem Umzug gab es für sie zu Hause noch Berliner – ihre Mütter Martina und Sabine kamen allerdings nicht mit. Die beiden zogen noch in die Altstadt. „Das wird nicht langweilig“, freuten sie sich schon.

Tricks gegen die Kälte und ein Lob

Auch Clemens und Jean-Paul wollten nach dem Umzug noch weiterziehen. „Aber ganz gesittet“, so Jean-Paul, der sonst in Köln feiert. Für den Ossensamstag hatte er nur Lob: „Das ist klasse hier, sehr abwechslungsreich. Alles ist sehr friedlich, und ich sehe nur fröhliche Menschen.“Jean-Paul hatte sein Förster-Kostüm aufgrund der kalten Temperaturen daheim gelassen. Clemens war trotzdem im Clownskostüm unterwegs: „Das habe ich seit zehn Jahren, aber jetzt gibt es seinen Geist auf“, erklärte er mit Blick auf seine ramponierten Clownsschuhe. Kalt war ihm offensichtlich nicht. Carolin Behn, Tänzerin der Grün-Weißen-Garde, hatte noch einen Tipp gegen den Frost: „Ich habe beheizbare Sohlen in meinen Schuhen.“ Zudem trug sie zwei Strumpfhosen übereinander und darüber lange Stulpen.

Trump Freunde setzen auf „Me first“

Behn gehörte zu einer den knapp ein Dutzend Tanzgarden des 42. Ossensamstagsumzugs. Ebenfalls mit dabei waren 77 Gruppen, darunter 36 Motivwagen, sowie fünf Spielmannszüge. Der Mottowagen der „wahren Trump-Freunde“ war der einzige wirklich politische Wagen in diesem Jahr. Ihm vorweg lief „Präsident Trump“ mit einer Fahne in der Hand, auf der stand: „Me First“. Mit einem T1-Bulli von 1964 folgte weiter hinten Schüssel-Schorse, der Comedy-Klempner von NDR 1. Er musste zwischendurch Gas geben, um den Anschluss nicht zu verpassen.

Griesert muss den Schlüssel abgeben

Traditionell endete der Zug vor dem Osnabrücker Rathausmarkt auf dem Jeckenmarkt. Dort bereiteten sich die Karnevalisten singend und schunkelnd auf den Rathaus-Sturm vor. Der Osnabrücker Finanzvorstand Thomas Fillep und Bürgermeister Wolfgang Griesert fühlten sich von der Osnabrücker Stadtwache gut beschützt. Doch wenig später musste Griesert kapitulieren. In diesem Jahr sei die Niederlage besonders bitter, stellte der Oberbürgermeister fest: „Die Stadtwache hatte den Auftrag mindestens zwei Stunden durchzuhalten, aber es gab zwei Überläufer.“

Die Stadtprinzessin an der Macht

Glück für die Stadtprinzessin, der Griesert sogar erlaubte, im Friedensaal zu randalieren: „Denn den werden wir sowieso renovieren.“ Gaby I. wiederum kündigte „Frauenpower“ im Rathaus an. Und sie wurde politisch, als sie androhte, „die Afd zu verbieten“. Mit Blick auf die Regierungsbildung in Berlin mokierte sie, „die kriegen nix gebacken“. Und den Osnabrücker Ratsherren warf sie beim „Neumarkt hin und her“ vor, Steuergeld zu verschwenden. Allerdings war sie optimistisch, was den VfL Osnabrück angeht: „Die Rückrunde wird famos, Lotte, Preußen und Meppen, lassen wir hinter uns, die Deppen.“

Die Party geht weiter

Die Narren feierten auf dem Jeckenmarkt vor dem Rathaus und in den Kneipen der Altstadt weiter. Und Polizeisprecherin Anke Hamker zog am späten Nachmittag eine vorläufige Bilanz unter den Ossensamstag: „Keine besonderen Vorkommnisse.“