Plötzlich sind Fördergelder da 2,5 Millionen Euro für Bypass der Hase in Osnabrück?

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Osnabrück. Bekommt die Hase in Osnabrück einen Bypass, damit Fische und Krebse den Fluss hinaufschwimmen können? Über zwei Millionen Euro Zuschuss aus Brüssel stehen für den Eingriff am Herrenteichswall bereit. Die Stadt müsste allerdings schnell reagieren.

Die ökologische Durchlässigkeit der Hase auf ihrer ganzen Länge ist ein Projekt, an dem viele Ämter bis hinauf nach Brüssel seit über einem Jahrzehnt arbeiten. Weil die Umsetzung aufwendig und teuer ist, geht das Programm nur schrittweise voran. Im Juni vergangenen Jahres teilte das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) der Stadt Osnabrück überraschend mit, das Geld aus dem Europäischen Meeres- und Fischereifonds (EMFF) bereitsteht, um Projekte zur ökologischen Entwicklung von Fließgewässern in urbanen Räumen zu fördern. Die Laves-Mitarbeiter kannten die elf Jahre alten Pläne für die Hase zwischen Pernickelmühle und Herrenteichswall und schalteten schnell.

Chancen auf volle Förderung stehen gut

Wenn Osnabrück in der ersten Jahreshälfte einen Förderantrag stellt, stehen die Chancen sehr gut, dass 90 Prozent der Bau- und Baunebenkosten aus dem Fördertopf bezahlt werden. Einer Schätzung aus dem Jahr 2009 zufolge dürfte die ökologische Aufwertung der Hase an dieser empfindlichen Stelle rund 2,5 Millionen Euro kosten. 2,25 Millionen Euro könnten aus dem Brüsseler Fördertopf über Hannover nach Osnabrück fließen, die Stadt müsste einen Eigenanteil von 250000 Euro aufbringen – und erhielte eine gänzlich neue Öko-Landschaft mitten in der Stadt am Fuße des Iduna-Hochhauses. Weil es bislang keine weiteren Anträge aus anderen niedersächsischen Städten vorlägen, bestehe „die einmalige Chance, die gesamte Fördersumme zu erhalten“, heißt es in der Vorlage des Umweltamtes für den Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt.

Um einen Förderantrag stellen zu können, braucht die Stadt eine halbwegs verlässliche Planung und Kostenkalkulation. Stadtbaurat Frank Otte machte die Dringlichkeit deutlich: „Wir brauchen die Pläne jetzt, um mit dem Bischof und der OPG reden zu können.“ Der Ausschuss stimmte einhellig zu, ein Osnabrücker Ingenieurbüro mit den Vorplanungen zu beauftragen. 55000 Euro wird das etwa kosten.

Hase-Umleitung über den Parkplatz

Die Planer stehen vor einer komplexen Aufgabe. Sie müssen das ökologische Ziel mit dem Denkmal- und Hochwasserschutz in Einklang bringen und die Bedürfnisse der Anlieger berücksichtigen. Bei einem Ortstermin im Oktober 2017 kamen Vertreter des Landesamtes Laves und der Stadtverwaltung überein, eine Art Bypass für die Hase entlang des Herrenteichswalls ins Auge zu fassen. Pate stand eine Abbildung aus dem Jahr 1802, die einen Arm der Hase zeigt, der außerhalb der Stadtmauer von der damals noch existierenden Herrenteichsmühle bis zur Vitischanze floss. Diesen Gedanken griffen die Planer auf, um Fischen, Krebsen und anderen Wassernbewohnern einen Weg an der Wehranlage der Pernickelmühle vorbei zu öffnen. Die Staustufe muss erhalten bleiben, weil sonst der Grundwasserspiegel sinken würde, was die Standfestigkeit der Gebäude rundherum gefährdete.

Naturnahes Fließgewässer

Etwa auf Höhe der Herz-Jesu-Kirche soll eine Haseabzweigung durch eine Röhre auf die andere Seite des Herrenteichswalls geführt werden. Die Lindenallee, die als Naturdenkmal besonders geschützt ist, würde laut Umweltamt nicht beeinträchtigt. Der Hase-Bypass soll vor der historischen Stadtmauer als „naturnahes Fließgewässer“ gestaltet werden, wie es in der Vorlage heißt, und an der Pernickelmühle in den Unterlauf zurückfließen. Am Wehr sieht der Plan eine Fischaufstiegsanlage vor. Auch an dieser Stelle ist die Umsetzung anspruchsvoll, denn die Aufstiegshilfe muss denkmalgerecht sein und in das Wegesystem sowie die Grünanlagen passen. Wahrscheinlich müssten dort einige Großbäume weichen, sagt das Umweltamt.

50 Parkplätze fielen weg

Bevor die Stadt einen Förderantrag stellen kann, muss sie mit dem Bischöflichen Stuhl und der Parkstätten-Gesellschaft (OPG) ins Reine kommen. Denn der Hase-Umgehung würden etwa 50 Parkplätze an der Domschule unterhalb der alten Stadtmauer zum Opfer fallen. Die Fläche gehört zum Parkplatz Haarmannsbrunnen mit insgesamt 104 Stellplätzen. Die OPG hat erklärt, dass ein wirtschaftlicher Betrieb der Reststellplätze kaum noch möglich wäre. Der Wegfall der 50 Stellplätze würde den Ertrag jährlich um 230000 Euro schmälern. Die OPG weist darauf hin, dass es eine Vereinbarung mit dem Bistum gibt, der Kirche 64 Stellplätze zur Verfügung zu stellen. Außerdem dürfen Gottesdienstbesucher sonntags den gesamten Parkplatz unentgeltlich nutzen. Das 3500 Quadratmeter große Grundstück gehört der OPG. Die Stadt müsste der Parkgesellschaft die Fläche abkaufen, um den Haseumlauf zu realisieren.

Barrierefrei bis zur Mündung

Die Barrierefreiheit in Fließgewässern habe eine „außerordentlich wichtige Bedeutung für die Vernetzung, Ausbreitung und Wiederansiedlung von Tierpopulationen“, schreibt das Umweltamt in der Vorlage. In den vergangenen Jahren ist die Hase im Landkreis durchlässiger geworden. Mit Zuschüssen des Landes wurden die Wehre in Bersenbrück (1996) und Quakenbrück (2013) umgebaut. An der Neuen Mühle in Osnabrück (beim Alando Palais) ist 2009 ein Fisch-Kanu-Pass eingebaut worden. Auch im Schinkel ist die Hase mit dem Bau des Haseuferweges durchlässiger geworden. Eine Barriere besteht noch auf dem Gelände der Papierfabrik Kämmerer.


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