22-Jähriger vor dem Landgericht Legte Osnabrücker aus Geltungsdrang immer wieder Feuer?

Von Markus Strothmann

Wenn sich ein 22-jähriger Osnabrücker unter Druck gesetzt fühlte, legte er Feuer. Symbolfoto: colourbox.deWenn sich ein 22-jähriger Osnabrücker unter Druck gesetzt fühlte, legte er Feuer. Symbolfoto: colourbox.de

Osnabrück. Vor dem Landgericht Osnabrück muss sich derzeit ein 22-Jähriger verantworten. Dem jungen Mann wird vorgeworfen, über einen Zeitraum von mehreren Monaten in Osnabrück insgesamt sechs Feuer gelegt zu haben.

Mitte April 2017 entzündete der Osnabrücker den Inhalt einer Papiermülltonne, die in einem Anbau des Mehrfamilienhauses stand, in dem er selbst wohnte. Anschließend rief er die Feuerwehr. Die traf schnell ein. Ein nennenswerter Schaden entstand nicht.

Im Juni setzte er denn auf der Herrentoilette eines Supermarktes den Unterschrank eines Waschbeckens in Brand. Eine Mitarbeiterin nahm den starken „Schmorkelgeruch“ wahr – und rief ausgerechnet den Angeklagten zu Hilfe. Der stand nämlich vor dem Laden, wo er, wie so oft, gemeinsam mit Bekannten ein „Feierabendbier“ trank. Mit einem Feuerlöscher erstickte er den von ihm selbst gelegten kleinen Brand. Weil ihm von dem Rauch schlecht geworden war, rief die Verkäuferin einen Krankenwagen.

Nur eine Woche später brannte es wieder in dem Supermarkt, dieses Mal auf der Damentoilette. Während der 22-Jährige die anderen ihm zur Last gelegten Taten gestanden hat, bestritt er vor Gericht, auch mit diesem Vorfall etwas zu tun zu haben. Als der Richter anmerkte, das sei aber doch ein ziemlich großer Zufall, pflichtete der Angeklagte bei, wich aber nicht davon ab, es nicht gewesen zu sein.

Er wählte den Notruf

Im Juli entflammte der 22-jährige erneut einen Papiermüllcontainer, diesmal auf dem Parkplatz eines anderen Supermarktes. Auch in diesem Fall war er es, der den Notruf wählte.

Später am selben Tag legte er außerdem Feuer im Radkasten eines am Straßenrand geparkten VW Golfs. Der Wagen brannte teilweise aus – Totalschaden. „Brennt’s da schon wieder?“, habe seine damalige Freundin gefragt, berichtete der Angeklagte. Wieder rief er selbst die Feuerwehr. Der Polizei erzählte er, zwei Personen gesehen zu haben, die weggelaufen seien – dabei habe er ziemlich hektisch und nervös gewirkt, berichtete ein Polizist dem Gericht.

Bis dahin hatte noch niemand Lunte gerochen, aber nun wurde es langsam brenzlig: „Ein Polizist hat mir gesagt, wenn sie mich noch einmal in der Nähe eines Brandortes treffen, nehmen sie mich fest“, erinnerte sich der Angeklagte.

Sporttasche angesteckt

Knapp zwei Wochen später war es dann so weit: Der 22-Jährige entzündete im Waschraum des Mietshauses, in dem seine damalige Freundin wohnt, eine Sporttasche. Wie bei allen Taten hatte er zuvor Alkohol getrunken. Das Feuer griff auf die Einrichtung über. Dieses Mal kam der Angeklagte nicht dazu, selbst die Feuerwehr zu rufen, ein anderer Mieter war schneller. Wieder entstand Sachschaden, den die Polizei auf rund 6000 Euro bezifferte. Nach dieser Tat floh der Angeklagte auf einen nahe gelegenen Friedhof: „Da bin ich zusammengebrochen. Ich wusste: Das war’s jetzt.“ Wenig später klickten die Handschellen.

Warum er die Feuer gelegt hat, wollte das Gericht wissen. „Ich habe Anerkennung gesucht. Ich wollte niemandem etwas Böses“, sagte der 22-Jährige. Das sei ihm in Gesprächen mit einem Gefängnispsychologen klar geworden. So habe er, nachdem er den Brand im Supermarkt gelöscht hatte, Lob bekommen für sein „gutes und richtiges Verhalten“. Einem Polizisten gegenüber, der ihn nach seinem Motiv gefragt hatte, hatte er nach seiner Festnahme aber auch gesagt: „Es setzt dann bei mir was aus, ich kann das nicht erklären.“

„Hatten Sie denn keine Vorstellung, wie gefährlich das ist?“, wollte der Staatsanwalt wissen. Doch diese Einsicht schien ihm tatsächlich abgegangen zu sein, zumindest in den Momenten, in denen es zu den Brandstiftungen kam.

Diese dienten ihm möglicherweise auch als Ventil für Frust und Beziehungsstress. Seine damalige Partnerin war zum Tatzeitpunkt schwanger. Der Angeklagte beschrieb sie in der Rückschau als stark eifersüchtig. Ständig habe sie versucht, ihn zu kontrollieren.

„Sie hat ihm überhaupt nicht gutgetan“, sagte auch die Mutter des Angeklagten über dessen Ex-Freundin. „Er hat sogar einen Kredit aufgenommen, um ihr schöne Sachen zu kaufen und mit ihr zu verreisen.“ Der 22-Jährige, der als Gerüstbauer arbeitet und dementsprechend nicht über ein sonderlich hohes Einkommen verfügt, habe über seine Verhältnisse gelebt und schließlich einige Tausend Euro Schulden angehäuft.

Eifersüchtige Freundin

Die Ex-Freundin erschien mit einer ambulanten Betreuerin vor Gericht. Ziemlich widerwillig bestätigte die 25-Jährige, dass es oft Streit gegeben hatte. „Wegen anderen Frauen und weil ich oft allein war.“ Sie gab außerdem an, gelegentlich das Handy des 22-Jährigen kontrolliert zu haben. Dabei habe sie auch einmal Bilder vom Intimbereich einer anderen Frau gefunden.

Erst nach mehrfacher Nachfrage gab die 25-Jährige zu, während der Beziehung mit dem Angeklagten eine andere Beziehung unterhalten zu haben. Sie sei aber trotzdem sicher, dass der Angeklagte der Vater ihrer kleinen Tochter sei. Warum, wollte der Verteidiger wissen. „Weil ich es weiß.“