ADAC: „Sicherheit geht vor“ Ärger über Tempolimits auf A1

Von Catharina Kronisch

Viele Menschen ärgern sich über frühe Tempolimits im Baustellenbereichen auf der A 1 vor der Dütebrücke bei Osnabrück-Atter. Symbolfoto: dpa/Daniel ReinhardtViele Menschen ärgern sich über frühe Tempolimits im Baustellenbereichen auf der A 1 vor der Dütebrücke bei Osnabrück-Atter. Symbolfoto: dpa/Daniel Reinhardt

Osnabrück. Der Unmut über Geschwindigkeitsbegrenzungen auf der Autobahn 1 in Höhe der Dütebrücke bei Osnabrück-Atter wächst. Viele Autofahrer erkennen dort den Sinn der Tempolimits nicht. Polizei, Straßenbaubehörde und ADAC halten diese aber für notwendig.

Die Straßen.NRW-Regionalniederlassung Münsterland baut momentan den Ersatzneubau der A1-Brücke über die Düte. Die Arbeiten sollen noch zwei Jahre dauern.

Keine Akzeptanz für Geschwindigkeitsbegrenzung

Für Vielfahrer und Pendler kann die Verkehrssituation auf der A1 bei Osnabrück-Atter besonders viel Stress bedeuten. So auch für Markus Stütze aus Wallenhorst. Er arbeitet als Produktmanager und ist oft in beiden Richtungen auf der A1 unterwegs. Ihn würden vor allem die frühen Geschwindigkeitsbegrenzungen aufgrund der Bauarbeiten stören. „Es ist völlig unnötig, schon vier bis fünf Kilometer vor der eigentlichen Baustelle ein Tempolimit auf 80 km/h einzurichten, eine Begrenzung auf 120 km/h und dann später, einen Kilometer vor der Baustelle, auf 80 km/h hätte vollkommen genügt,“ sagt er. Die Autofahrer seien darum „total genervt“ und würden die Begrenzungen missachten. Auch die Polizei meldet mehrere Verstöße gegen die Geschwindigkeitsbegrenzung. Sie weist darauf hin, dass manche Verkehrsteilnehmer statt 80 km/h bis zu 190 km/h fahren würden. Markus Stütze lastet das den zuständigen Behörden an: „Wenn die Limits mit mehr Praxisnähe hätten, nachvollziehbar und gut dosiert aufgestellt würden, gäbe es auch keine Probleme mit der Akzeptanz“, meint er.

Tempolimits für mehr Sicherheit

Cord Lüesse von der niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr sieht das allerdings anders: „Die Geschwindigkeitsbegrenzungen sind notwendig und niemals grundlos eingerichtet“, erklärt er. Grund dafür sei vor allem die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer: „Im Zuge der Baumaßnahme A1 Dütebrücke ist in beiden Fahrtrichtungen schon weit vor dem eigentlichen Baustellenbereich eine Geschwindigkeitsbeschränkung angeordnet. Während für die Fahrtrichtung Bremen ausschließlich die nordrhein-westfälischen Kollegen zuständig sind, erstreckt sich die Verkehrsführung in der Fahrtrichtung Dortmund naturgemäß auf niedersächsisches Betreuungsgebiet.“ In Abstimmung mit der Autobahnpolizei sei ganz bewusst die zulässige Höchstgeschwindigkeit schon kurz hinter der Anschlussstelle Osnabrück-Nord verringert und eine baldige Fahrstreifeneinziehung angeordnet worden, so Lüesse. Grund dafür sei, dass es dort eine hohe Verkehrsbelastung gebe. Das führe regelmäßig zu Rückstaus in Richtung Norden. Ein Sicherheitsproblem sei außerdem die lang gestreckte Kurve vor der Baustelle. Um eine Gefährdung durch unerwarteten Situationen auszuschließen, müsse die Fahrgeschwindigkeiten gedrosselt werden. Damit ist Lüesse der gleichen Meinung wie die Polizei, die in einer Pressemeldung anführt, dass nur eine sehr frühe Geschwindigkeitsbegrenzung das Unfallrisiko vor der Baustelle Dütebrücke reduzieren könne.

Fuß vom Gas

Der Leiter der ADAC Verkehrsabteilung Weser-Ems Dirk Matthies bestätigt die Aussage von Landesbehörde und Polizei: „Das Tempo auf den Autobahnen vor Baustellen wird mithilfe eines Geschwindigkeitstrichters gedrosselt, so soll der Autofahrer langsam von 120 km/h auf die 80 km/h vorbereitet werden und nicht abrupt abbremsen müssen. Da gibt es feste Richtlinien.“ Nicht nur vor, auch nach Baustellen könne es Geschwindigkeitsbegrenzungen aus Sicherheitsgründen geben, so der ADAC-Verkehrsleiter. „Vor der Baustelle können Rückstaus entstehen, aber auch danach kann der Verkehr noch ins Stocken geraten, was zu Unfällen führen kann.“ Dass die Drosselung bei vielen Autofahrern auf Unverständnis stößt, sei verständlich: „Besser wäre es, wenn die Gründe für die Geschwindigkeitsbegrenzung für den Verkehrsteilnehmer auf Autobahnen offensichtlicher wären, wenn zum Beispiel ein Hinweis unter dem Tempolimit steht, warum an der Stelle langsamer gefahren werden soll“, erklärt er. So lange das nicht der Fall sei, gebe es immer wieder Menschen, die sich über Tempolimits aufregen und diese nicht akzeptieren würden.

Der Ersatzbau für die Dütebrücke soll Ende 2020 fertig sein. Bis dahin werden Markus Stütze und alle anderen Autofahrer dort noch auf die Bremse treten müssen.