Birgit Beylich übernimmt LAB-Standort Osnabrücker Flüchtlingshaus hat eine neue Leiterin

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Birgit Beylich hat den Osnabrücker Standort der Landesaufnahmebehörde ab Herbst 2015 mit aufgebaut – jetzt leitet sie ihn auch. Foto: Jörn MartensBirgit Beylich hat den Osnabrücker Standort der Landesaufnahmebehörde ab Herbst 2015 mit aufgebaut – jetzt leitet sie ihn auch. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Birgit Beylich möchte nie wieder erleben, dass Flüchtlinge auf den Fluren schlafen müssen. Die neue Leiterin des Osnabrücker Standorts der Landesaufnahmebehörde (LAB) am Natruper Holz war im Lager Bramsche-Hesepe tätig, als es im Spätsommer 2015 durch den Zuzug Tausender Flüchtlinge kurz vor dem Kollaps stand. Den LAB-Standort Osnabrück baute sie kurz darauf zusammen mit ihrem Vorgänger Conrad Bramm auf.

Ein halbes Jahr nach dessen planmäßiger Pensionierung ist Beylich seit Ende Januar nun auch offiziell Leiterin des Flüchtlingshauses. So lange hatte es gedauert, bis das Land die Stellenausschreibung und das Bewerbungsverfahren über die Bühne brachte – bis dahin hatte Beylich, die zuvor Stellvertreterin war, die kommissarische Leitung inne.

Die 42-Jährige kennt den Standort Osnabrück wie wohl kein anderer. Zwei Wochen nach Bramm wechselte die LAB-Mitarbeiterin im Herbst 2015 von Hesepe ins ehemalige Bundeswehrkrankenhaus nach Osnabrück, das unter Leitung der Diakonie schon seit Dezember 2014 Flüchtlinge aufgenommen hatte. Es war Beylich, die dann vor Ort die Vorstellungsgespräche mit den rund 35 LAB-Mitarbeitern führte, blickt sie zurück. Mit ihnen und den Bewohnern durchlebte sie dann die lange Umbauphase vom Krankenhaus zur Asylunterkunft.

Haus voll belegt

Seit Dezember ist nur noch ganz vereinzelt eine Bohrmaschine zu hören. Die Container auf dem Parkplatz, in denen bis vor Kurzem noch Geflüchtete lebten, sind verschwunden, das Bettenhaus ist bezogen – und mit 540 Menschen auch voll belegt. 150 davon sind Kinder. 600 Betten hält das Haus vor; damit es nicht zu Konflikten kommt, werden Mehrbettzimmer nach Möglichkeit aber nur jeweils einer Familie zugeteilt, auch wenn dann einzelne Betten darin leer bleiben. (Weiterlesen: Ein Rundgang im Lager Bramsche-Hesepe)

Die meisten Bewohner der Erstaufnahmeeinrichtung seien zurzeit Syrer, Iraker und Menschen aus dem Westbalkan, sagt Beylich. Insgesamt beherberge die Erstaufnahmeeinrichtung, die im August 2017 in „Erich-Maria-Remarque-Haus“ benannt wurde, momentan Flüchtlinge aus 40 Nationen.

Sehr wichtig sei ihr der Zusammenhalt im Team, sagt sie, „und eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe mit der Diakonie und den Bewohnern.“ Die Diakonie ist für den laufenden Betrieb des Hauses inklusive Flüchtlingssozialarbeit mit 65 Mitarbeitern zuständig. Im April soll Baustart für einen Fußballplatz auf dem Gelände sein, so Beylich über die weiteren Pläne. „Wir sind außerdem dabei, unser Beratungszentrum für freiwillige Rückkehr auszubauen.“ Ab der kommenden Woche sollen zudem Erstorientierungskurse vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) für die Bewohner starten.

Im Landkreis aufgewachsen

Birgit Beylich stammt aus Georgsmarienhütte und ist im Osnabrücker Land aufgewachsen. Dann zog sie nach Berlin, um Verwaltung und Recht zu studieren – inklusive Praxissemester beim brandenburgischen Arbeitsministerium in Potsdam und einer Station in Brüssel. Nach ihrem Abschluss arbeitete sie zunächst in der Verwaltung im Enzkreis im Schwarzwald. Beylichs Schwerpunkte seien stets Arbeit und Soziales gewesen, sagt sie – „zum Ausländeramt war es daher nicht so weit.“

2008 kehrte Beylich in die Heimat zurück und nahm ihre Arbeit für die Landesaufnahmebehörde in Hesepe auf – erst als Sachbearbeiterin in der Ausländerbehörde, dann als stellvertretende Leiterin des Fachbereichs Ausländerrecht. Als sie in Hesepe anfing, lebten dort 500 bis 600 Menschen. Dann kam das Jahr 2015. „Als wir die 1000er-Marke geknackt haben, hätten wir uns nicht vorstellen können, dass es noch mehr werden würden. Dann wurden es 5000“, blickt sie zurück. „Das war eine prägende Erfahrung.“


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN