Achterbahnfahrt der Gefühle Tim Fischer singt die alten, schönen Lieder

Von Tom Bullmann

Ausgezeichnetes Team: Sänger Tim Fischer und Pianist Thomas Dörschel. Foto: Swaantje HehmannAusgezeichnetes Team: Sänger Tim Fischer und Pianist Thomas Dörschel. Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. Mit einem frisch zusammen gestellten Liederzyklus begeisterte der Chansonnier Tim Fischer das Publikum in der Lagerhalle

Lange nicht gehört: „Oh Mond, kieke man nicht so doof, wenn ick abends nach hause loof…“, singt Tim Fischer, begleitet von Thomas Dörschel am Flügel. Das Lied von Friedrich Hollaender, im breiten Berliner Dialekt vorgetragen, gehört zu den tragischen Nummern im aktuellen Programm des Chansonniers. Aber für die Kunst, vom heiteren Kabarettlied zu den tragischen Songs über Einsamkeit und Tod zu switchen und so beim Publikum eine Achterbahnfahrt der Gefühle hervorzurufen, ist Fischer bekannt.

„Die alten schönen Lieder“ heißt der Titel der Abendveranstaltung in der Lagerhalle. Man könnte meinen, es handele sich bei dem Programm um eine Art „Best Of“ des gebürtigen Delmenhorsters. Doch er meint nicht die alten Lieder, die ihn durch seine mehr als 25-jährige Karriere begleiten, sondern er meint diese Lieder von Kreisler und Hollaender, von Brecht und Fassbinder, die man lange nicht gehört hat. Oder noch nie.

Großartig, wie er sich bei „Freitag im Hotel“ auf dem Flügel räkelt, wie ihm bei Kreislers „Der Furz“ die Mimik entgleitet und wie er die „Capri Fischer“ gekonnt persifliert. Sogar einen „Salon-HipHop“ hat Fischer auf Lager. Es ist das Lied „Was willste denn in Wien“ von dem begnadeten Songwriter-Duo Pigor und Eichhorn, bei dem Fischer seine Stimme scratcht, als würde sie von Vinyl abgespielt.

Zwei Klassiker präsentiert der Mann mit der ausdrucksstarken Stimme dann aber doch. Das traurige Lied „Komm, großer schwarzer Vogel“ und die „Rinnsteinprinzessin“ gehören offenbar zu Fischers ganz besonderen Favoriten. Die Musik zur „Prinzessin“ stammt übrigens von Rainer Bielfeldt, seinem langjährigen Begleiter am Flügel. Weil der ein Ruhejahr eingelegt hat, griff Fischer mit Thomas Dörschel auf den Pianisten zurück, mit dem er in den 90er Jahren bereits zusammen gearbeitet hat. Ein ausgezeichnetes Team.