Einigung bei einem neuen Namen Stadt Osnabrück benennt historisch belastete Straßen um

Die Stadt Osnabrück benennt drei Straßen um. Sie seien auf „unterschiedliche Weise durch den Nationalsozialismus belastet“, teilte die Stadt mit. Auf einen neuen Straßennamen einigten sich Verwaltung und Anwohner bereits. Archivfoto: Klaus LindemannDie Stadt Osnabrück benennt drei Straßen um. Sie seien auf „unterschiedliche Weise durch den Nationalsozialismus belastet“, teilte die Stadt mit. Auf einen neuen Straßennamen einigten sich Verwaltung und Anwohner bereits. Archivfoto: Klaus Lindemann

pm/yjs Osnabrück. Die Stadt Osnabrück benennt drei Straßen um. Sie seien auf „unterschiedliche Weise durch den Nationalsozialismus belastet“, teilte die Stadt mit. Auf einen neuen Straßennamen für eine Straße einigten sich Verwaltung und Anwohner bereits, der Rat muss noch entscheiden.

Es handelt sich um die Carl-Diem-Straße im Stadtteil Wüste, die Giesbert-Bergerhoff-Straße im Stadtteil Atter und den Heinrich-Röper-Weg im Stadtteil Schölerberg. Dass die Straßen umbenannt werden, geht auf einen Beschluss des Rates vom 30. Mai 2017 zurück. Zuvor hatte der Arbeitskreis Erinnerungskultur sich mit dem Thema befasst und den politischen Gremien aus diversen Gründen empfohlen, die Straßennamen zu ändern.

Carl Diem: Diem war Mitbegründer der Deutschen Hochschule für Leibesübungen. In der NS-Zeit leitete er das Olympische Institut in Berlin. Immer wieder stellte Diem Zusammenhänge zwischen einer sportlichen Ausbildung und der Wehrfähigkeit her. Bei einer Rede auf dem Olympiagelände in Berlin forderte er die Hitlerjugend im März 1945 zum „finalen Opfergang für den Führer“ auf. In den folgenden Tagen kamen in Berlin hunderte Jugendliche bei dem Versuch um, sowjetische Panzerverbände aufzuhalten.

Für die Carl-Diem-Straße gab es aus Sicht der Verwaltung zwei geeignete Vorschläge. Der Osnabrücker Sportclub (OSC) schlug Heinrich-Schucht-Straße vor. Schucht war der Gründervater des republikanischen Männer-Turnvereins, aus dem der OSC hervorging. Alternativ dazu plädierten 33 Anwohner wegen des moorigen Bodens in der Wüste schriftlich für den Namen An der Moorweide. Einige Anwohner hatten ihren Straßennamen behalten wollen.

Giesbert Bergerhoff: Bergerhoff war von 1952 bis 1956 Bürgermeister von Atter. In der Zeit des Nationalsozialismus war er NSDAP-Funktionär und ab 1936 Ortsgruppenleiter der Partei. Zudem war er Mitglied in zahlreichen NS-Organisationen wie der Deutschen Arbeitsfront, der National-Sozialistischen Volkswohlfahrt, dem NS-Reichskriegerbund, der Deutschen Jägerschaft und dem Reichsluftschutzbund.

Ebenfalls zwei geeignete Vorschläge wurden für die Giesbert-Bergerhoff-Straße gemacht. Die Straße könnte entweder Hermann-Siegert-Straße oder Frida-Schröer-Straße heißen. Der 2016 verstorbene Siegert setzte sich für das Gemeinwohl des Stadtteils sowie den SV Atter ein. Schröer war eine Atteranerin, die 1943 Opfer der NS-Krankenmorde wurde. Ihren Namen schlug das Bürgerforum Atter vor. Auch einige Anwohner dieser Straße waren gegen die Umbenennung.

Heinrich Röper: Röper war seit 1934 SA-Sturmbannführer und wurde ein Jahr später zum SA-Obersturmbannführer befördert. Außerdem war er Mitglied der NSDAP und des Stadtrates.

Für den Heinrich-Röper-Weg schlug die Verwaltung eine Umbenennung in Färberweg vor, den die Anwohner mehrheitlich befürworteten. Hintergrund ist, dass die Straße in der ehemaligen Werkssiedlung der Textilfirma Hammersen liegt, deren Ursprung im Färberhandwerk liegt.

Das weitere Verfahren sieht nun vor, den politischen Gremien noch vor der Sommerpause eine Beschlussvorlage zu dem Thema vorzulegen.

Beteiligung der Bürgerforen

Vereine, Institutionen und Bürgerforen hatte die Stadt in die Debatte eingebunden. Strittig war für die Fraktionen, wie viel Mitspracherecht man den Anwohnern geben wollte.

Bereits 2002 hatte das Thema auf der Ratsagenda gestanden. Die Grünen wollten die Carl-Diem-Straße umbenennen, sie seit 1967 so heißt. Die Anwohner waren gegen die Umbenennung, der Stadtrat ruderte letztlich zurück. Auch 2012 versandete eine entsprechende Debatte. Die Osnabrücker Friedensinitiative beharrte aber weiterhin auf die Umbenennung der Straßen.

Die Kosten übernimmt die Verwaltung, das hatte die Stadt zumindest vor einem Jahr versichert. 3100 Euro waren damals kalkuliert für alle drei Straßen. Die Anwohner müssen Dokumente wie Pässe und Fahrzeugscheine ändern lassen. Für die Anwohner soll das kostenlos sein.


Der Hintergrund

Am 30. Mai dieses Jahres hat der Stadtrat beschlossen, das Verfahren für die Umbenennung von drei Straßen in Osnabrück zu eröffnen. Er folgte dabei Empfehlungen des Arbeitskreises Erinnerungskultur. In ihm sitzen Vereine und Initiativen aus dem Bereich Erinnerungskultur, Schulen und die Universität sowie Kirchen und Gewerkschaften. Dem voraus ging 2012 ein Auftrag des Rates an die Verwaltung, Straßen und Plätze auf jene Namensgeber abzuklopfen, die einer historisch-politischen Bildung entgegenstehen. Der Arbeitskreis Erinnerungskultur identifizierte schließlich drei Namensgeber von Osnabrücker Straßen: Giesbert Bergerhoff (Atter), Heinrich Röper (Schölerberg) und Carl Diem (Wüste). Alle drei hätten das nationalsozialistische Regime aktiv gestützt und getragen.