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Angeklagter bereits auffällig Baby zu Tode geschüttelt: Vater vor Osnabrücker Landgericht

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<em>Im Kinderwagen</em> lag ein lebloses Baby. Symbolfoto: Archiv/dpaIm Kinderwagen lag ein lebloses Baby. Symbolfoto: Archiv/dpa

Osnabrück. Es war die traurige Nachricht, die den Ossensamstag in diesem Jahr überschattete: Ein vier Monate altes Baby starb nach einem Schütteltrauma. Ab Mittwoch muss sich der 35-jährige Vater vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts verantworten – wegen Totschlags.

Der kleine Junge starb am 20. Februar nach zweitägigem Todeskampf im Krankenhaus. Dem angeklagten Vater wirft die Staatsanwaltschaft vor, seinem kleinen Sohn die Verletzungen zugefügt zu haben. Am Nachmittag des Ossensamstags habe er das Baby in seiner Wohnung so heftig und so lange geschüttelt, dass sein Köpfchen hin und her geflogen sei.

Gegen 18 Uhr waren Passanten auf den Vater aufmerksam geworden, als er den leblos wirkenden Säugling im Kinderwagen durch die Große Straße schob. Er habe den Jungen so vorgefunden und sei auf dem Weg zum Kinderhospital, erklärte der Mann gegenüber einer herbeigerufenen Polizeistreife. Die Zeugen hatten bei ihm allerdings keine Eile festgestellt, sondern ihn als „seelenruhig spazierend“ beschrieben.

Von der Polizei wurden Vater und Sohn ins Krankenhaus gebracht. Doch die Ärzte konnten das Leben des Kindes nicht mehr retten. Eine Obduktion erbrachte den grausigen Befund: Die Misshandlungen waren ursächlich für den Tod des Babys. Gegenüber der Polizei hat der Angeklagte bestritten, seinen Sohn vorsätzlich getötet zu haben.

Vor sechs Jahren hatte der Mann schon einmal wegen eines ähnlichen Vorwurfs vor Gericht gestanden. Im Juli 2005 soll er den wenige Monate alten Sohn seiner Lebensgefährtin schwer misshandelt haben. Das Gutachten des Gerichtsmediziners wies aus, dass der Junge mehrere Minuten lang gewürgt wurde. Er habe sich eindeutig in Lebensgefahr befunden, urteilte der Sachverständige damals.

Aus Mangel an Beweisen wurde der Angeklagte im November 2006 aber nicht verurteilt. Widersprüche in den Zeugenaussagen bewogen das Landgericht Osnabrück damals, den Mann freizusprechen. „Aus unserer Sicht ist das Ergebnis sicherlich nicht befriedigend“, erklärte die Richterin in ihrer Urteilsbegründung.

Wenn die Schwurgerichtskammer den Angeklagten jetzt wegen Totschlags für schuldig befindet, droht ihm eine Freiheitsstrafe von bis zu 15 Jahren.

Am Mittwoch wird nur die Anklageschrift verlesen. Erst am Montag, dem zweiten Verhandlungstag, kann sich der Angeklagte zu den Vorwürfen äußern.


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