Interview mit Jacobus North Ska-Punk-Band Feine Sahne Fischfilet zeigt Zähne

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Bad in der Menge: Jacobus North, Trompeter der Band Feine Sahne Fischfilet, geht während des Festivals „Rock am Ring“ zu den Fans auf Tuchfühlung. Foto: imago/ManngoldBad in der Menge: Jacobus North, Trompeter der Band Feine Sahne Fischfilet, geht während des Festivals „Rock am Ring“ zu den Fans auf Tuchfühlung. Foto: imago/Manngold

Osnabrück. Die Geschichte der Ska-Punk-Band Feine Sahne Fischfilet begann 2007 in Mecklenburg-Vorpommern und ist ziemlich bewegt. Anlässlich ihrer aktuellen Tournee unterhielten wir uns mit Trompete-Spieler Jacobus North über den Verfassungsschutz, ausgeschlagene Zähne, über den Schauspieler Charlie Hübner und einen kaputten Tourbus.

Herr North, auf Ihrem neuem Album „Sturm und Dreck“ befindet sich ein Song, der den Titel „Angst frisst Seele auf“ trägt. Offenbar wollen Sie jemandem mit dem Lied Mut machen. Wem?

Unser Sänger Monchi hat das für eine Freundin der Band geschrieben, Katharina König. Sie ist eine linke Politikerin in Thüringen, die im NSU-Untersuchungsausschuss sitzt. Daher ist sie ein Feindbild für alle Neonazis. Eine Nazi-Band hat einen Song geschrieben, in dem offen dazu aufgerufen wurde, Katharina König umzubringen. Solchen Anfeindungen sind wir und andere, die sich gegen Neonazis aussprechen, ständig ausgesetzt. Daher ist unser Song quasi eine Antwort. Er soll ihr und Menschen, die wie sie denken, ein bisschen Mut machen. Katharina hat sich sehr über das Lied gefreut.

 

Sie stammen alle aus Mecklenburg-Vorpommern und haben zusammen die Schule besucht?

Einige von uns sind in Greifswald zur Schule gegangen, andere im Landkreis Vorpommern. Wir waren nicht alle auf derselben Schule, aber schon in Schulen in einem Umkreis von 20 km.

 

Was halten Sie denn von dem Vorschlag eines Politikers, Schüleraustauschprogramme nicht mit Polen oder Frankreich zu organisieren, sondern zwischen Ost- und Westdeutschland?

Ich habe von der Idee gehört und mich gefragt, ob das sinnvoll wäre. Ich gehöre ja zu der Generation, die zur oder nach der Wende geboren wurde, daher ich bin dagegen, dieses Ost-West-Denken immer wieder neu zu manifestieren. Wir sollten nicht permanent Unterschiede benennen, sondern Gemeinsamkeiten. Grundsätzlich fände ich es daher toll, wenn Schüler sich innerhalb Deutschlands annäherten, auch mit solchen Austauschprojekten. Denn die Unterschiede zwischen Nordrhein-Westfalen und Bayern oder Sachsen und Schleswig-Holstein sind sicherlich genauso groß wie zwischen Deutschland und Frankreich.

 

Ihre Musik hört sich an, als sei eine junge Ausgabe der Toten Hosen auf dem Ska-Trip. Können Sie mit dem Vergleich leben?

Klar, wir haben ein gutes Verhältnis zu den Toten Hosen. Ich selbst bin stark beeindruckt von deren Lebenswerk. Also: Es wurden schon schlechtere Vergleiche gezogen.

 

Am 12. April wird der Film „Wildes Herz“ in die Kinos kommen. Es ist ein Dokumentarfilm des Schauspielers Charlie Hübner über ihre Band. Wie ist es dazu gekommen?

Charlie hat mal eine Folge von „Polizeiruf 110“ in Rostock gedreht. Auf witzigen Umwegen hat er dort unseren Sänger Monchi kennengelernt. Irgendwann kam er mit der Idee an, einen Film über uns machen zu wollen. Dann hat er uns über mehrere Jahre immer mal wieder mit seinem Filmteam besucht, sodass man sich diese Zeit jetzt quasi wie im Zeitraffer angucken kann. Ein spannendes Dokument.

 

Auf dem Cover Ihres neuen Albums ist ein Menschenzahn abgebildet. Warum?

Nun, den Zahn darf man symbolisch sehen, als Resultat eines Schlags in die Fresse. Sicherlich, das ist ein bisschen abstoßend und provokant, aber er soll dafür stehen, dass man sich von dem Schlag, den man sich einhandelt, nicht einschüchtern lässt, sondern weitermacht. Aber im Grunde ist es wie beim ganzen Album: Jeder soll sich seine eigenen Geschichten dazu denken.

 

Sie sind schon einmal im Osnabrücker Hyde Park aufgetreten. Haben Sie besondere Erinnerungen an Osnabrück?

Oh ja, damals ist unser Tourbus kaputtgegangen. Daher kenne ich von Osnabrück nur den Hyde Park und die Reparaturwerkstatt. Vielleicht komme ich ja diesmal dazu, mir mehr anzuschauen.


Feine Sahne Fischfilet live: 22. Februar, Hyde Park (ausverkauft)

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