Sechs Tote bei Überfahrt In Osnabrück verhafteter mutmaßlicher Schleuser bleibt vorerst in Haft

Von Jörg Sanders

Der verhaftete Afghane soll für den Tod von sechs Menschen verantwortlich sein. Zwei Frauen und vier Kinder, die er begleitet hatte, ertranken 2016 im Mittelmeer. Das Foto zeigt nicht dieses Unglück. Symbolfoto: dpa/Laurin Schmid/SOS MediterraneeDer verhaftete Afghane soll für den Tod von sechs Menschen verantwortlich sein. Zwei Frauen und vier Kinder, die er begleitet hatte, ertranken 2016 im Mittelmeer. Das Foto zeigt nicht dieses Unglück. Symbolfoto: dpa/Laurin Schmid/SOS Mediterranee

Osnabrück. Der Verdacht gegen einen Afghanen, als mutmaßlicher Schleuser für den Tod von sechs Menschen verantwortlich zu sein, hat sich der Staatsanwaltschaft Osnabrück zufolge weiter verdichtet. Der Asylbewerber bleibt vorerst in Haft, über seinen Asylantrag wurde noch nicht entschieden.

Während der Ermittlungen habe sich der Tatverdacht weiter verdichtet, sagte Staatsanwalt Christian Bagung auf Anfrage unserer Redaktion. Weiterhin verweigert der Verdächtige die Aussage.

Afghane soll für mindestens sechs Tote verantwortlich sein

Anfang Dezember hatte die Bundespolizei den damals 27-Jährigen Asylbewerber aus Afghanistan in Osnabrück verhaftet. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, Teil einer Schleuserband gewesen zu sein. Bei der Überfahrt von der Türkei nach Griechenland im Januar 2016 soll er zwei Frauen und vier Kinder für 16.200 Euro begleitet haben. Das Boot mit 90 Personen kenterte, 35 Leichen fand die Küstenwache, 24 Personen rettete sie – die anderen blieben vermisst. Auch die zwei Frauen und vier Kinder starben, die der Mann begleitet haben soll.

Überlebende hatten ihn beschrieben und angegeben, dass er Teil der Schleuserbande sei. So waren die Ermittler dem Mann auf die Schliche gekommen. In Deutschland hatte der Afghane Asyl beantragt, nachdem er sich in Griechenland als Flüchtling ausgegeben hatte.

Das Asylverfahren sei noch nicht abgeschlossen, sagte Bagung. In Deutschland sei der Mann bis zu seiner Verhaftung einer Helfertätigkeit nachgegangen.

Ermittlungen dauern an

Bagung konnte nicht sagen, wann die Ermittlungen abgeschlossen sind, wann die Staatsanwaltschaft gegebenenfalls Anklage erhebt und wann es dann zur Hauptverhandlung kommt. „Die Ermittlungen sind noch in vollem Gange“, sagte Bagung.

Sollte sich der Afghane vor Gericht verantworten müssen, drohen ihm bei einer Verurteilung wegen der Einschleusung von Ausländern mit Todesfolge in sechs Fällen mindestens drei und bis zu 15 Jahre Haft.

Sechs Monate Zeit – vorerst

Vorerst dürfen Verdächtige nicht länger als sechs Monate in Untersuchungshaft verbringen. Bis dahin müssen die Ermittlungen abgeschlossen sein, die Hauptverhandlung muss begonnen haben. Ist das nicht möglich, entscheidet das Oberlandesgericht Oldenburg jeweils über drei weitere Monate. Daher müsse dieser Fall beschleunigt behandelt werden, so Bagung. Am Gericht haben Haftsachen ebenfalls Priorität.