Trinkwasser nicht belastet Multiresistente Keime in Hase: Stadtwerke fordern Verhaltensänderung

Von Nadine Grunewald

In mehreren Gewässern – auch in der Hase in Osnabrück – sind multiresistente Keime nachgewiesen worden. Foto: dpaIn mehreren Gewässern – auch in der Hase in Osnabrück – sind multiresistente Keime nachgewiesen worden. Foto: dpa

Osnabrück. Der Fund von multiresistenten Erregern in der Osnabrücker Hase sorgt bei Bürgern für Unsicherheit. Die Stadtwerke beruhigen: Mit dem Trinkwasser ist alles in Ordnung. Aber: Wir alle tragen unseren Teil zur Wasserqualität bei und sollten unser Verhalten und den Medikamentenkonsum hinterfragen.

Der NDR hat an mehreren Orten in Niedersachsen Wasserproben genommen und diese analysieren lassen. Das Ergebnis: In allen Proben – ganz gleich, ob aus dem Abwasser oder Badesee – fanden sich multiresistente Bakterien. Auch in der aus der Hase in Osnabrück. Dass das so sein wird, damit hätten die Experten der Osnabrücker Stadtwerke bereits gerechnet, wie Sprecher Marco Hörmeyer sagt. „Das Problem gibt es, das kann man nicht abstreiten“, sagt er. Es müsse etwas passieren, doch die bislang laut gewordenen Forderungen nach einem Gesetz, dass eine weitere Reinigungsstufe bei Klärwerken vorschreibt, gehen ihm nicht weit genug.

Medikamentenkonsum hinterfragen

„Damit würden wir das Problem nur verlagern. Wir alle sind schuld daran“, sagt Hörmeyer. Antibiotika-resistente Keime stammen aus Abwässern unter anderem aus Krankenhäusern, aber auch aus der Tiermast. Hörmeyer fordert deshalb eine Verhaltensänderung – beim Bürger, bei Landwirten, Ärzten und Pharmaherstellern. Jeder müsse sich fragen, wie viele Medikamente er wirklich nehmen beziehungsweise anderen geben müsse. Denn: Teile von Arzneien werden ausgeschieden und gelangen so ins Abwasser – genau wie Medikamente, die unsachgemäß die Toilette runtergespült werden. Laut der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) werden in Deutschland jährlich 450 bis 600 Tonnen Antibiotika ausgegeben. In der Veterinärmedizin sind es drei Mal so viele. (Lesen Sie auch: Antibiotike-resistente Keime in Gewässern gefunden – wichtige Fragen und Antworten)

Weitere Reinigungsstufe in Klärwerken notwendig

Im Osnabrücker Klärwerk werden aus dem Abwasser in drei verschiedenen Reinigungsstufen größere Schmutzstoffe, Sand, Fette, Mikroorganismen sowie Phosphate herausgefiltert, bevor es in die Hase gelangt. Dann fließt das Wasser weiter in die Ems und schließlich in die Nordsee. Auf dieser Reise reichern sich die multiresistenten Keime in der Umwelt an – ähnlich wie bei Mikroplastik.

„Je länger wir uns so verhalten wie bisher, desto mehr verlagern wir das Problem in die Zukunft“, sagt Hörmeyer. Auch wenn es seiner Meinung nach nicht die einzige Maßnahme sein dürfe, sei eine weitere vorgeschriebene Reinigungsstufe im Klärwerk sinnvoll. Diese soll weitere Spurenstoffe aus dem Wasser filtern. Der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) zufolge könnten die dafür in Betracht gezogenen Verfahren jedoch auch Nachteile mit sich bringen.

Woher kommt das Trinkwasser?

Angst, dass die Keime auch im Trinkwasser sind, muss laut Hörmeyer niemand haben. „Das ist unser bestkontrolliertes Lebensmittel.“ Das Trinkwasser gewinnen die Stadtwerke aus Grundwasser – die Probe aus der Hase wurde in Oberflächenwasser genommen. Die landwirtschaftlichen Flächen in der Nähe der drei Wasserwerke Düstrup, Thiene und Wittefeld, von denen die Osnabrücker ihr Trinkwasser bekommen, dürfen nur grundwasserschonend bewirtschaftet werden. (Lesen Sie auch: So kommt das Wasser aus den Osnabrücker Hähnen)

Wie nehmen wir Keime auf?

Menschen nehmen viele Keime in erster Linie über Lebensmittel und Wasser auf, die dann in den Magen-Darm-Trakt gelangen. Auch beim Baden in Gewässern kann man mit den Keimen in Kontakt kommen – aber die Gefahr ist bei gesunden Menschen mit einem stabilen, intakten Immunsystem relativ gering, sagt Martin Exner von der Universität Bonn, Leiter des bundesweiten Forschungsprojekts Hyreka, bei dem es um die Verbreitung antibiotika-resistenter Erreger geht. Wer auf Hygiene achte, könne sich selbst gut schützen, erklärt der Mediziner: Gemüse und Obst vor dem Essen gut waschen oder kochen, sich selbst nach dem Baden mit sauberem Wasser gut abduschen. Generell sollte man darauf achten, dass sich kein Wasser in den Gehörgängen sammelt.

Osnabrücker Grüne wollen Thema im Ausschuss ansprechen

Wie der NDR schreibt, sind Ärzte und Wissenschaftler der Ansicht, dass sich die multiresistenten Bakterien in den Gewässern anreichern und weiter verbreiten könnten. Insbesondere Abwässer von Kliniken und Altenheimen sollten deshalb stärker überwacht werden. Auch sei es dringend erforderlich, Klärschlamm und Gülle auf das Vorkommen von Antibiotika und resistenten Keimen zu untersuchen, sagte die Präsidentin des Umweltbundesamts, Maria Krautzberger, dem NDR.

In Osnabrück wollen die Grünen das Thema am Donnerstag im Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt besprechen.

(Mit dpa)