Krise im Teutoburger-Wald-Netz Eurobahn nach Abmahnung unter Zugzwang

Von Sebastian Stricker


Osnabrück. Denkzettel für die Eurobahn: Keine zwei Monate nach Übernahme des Teutoburger-Wald-Netzes ist der neue Betreiber wegen schlechter Leistungen abgemahnt worden. Bis Ende März muss das Unternehmen alle Mängel abstellen. Doch die Auftraggeber verlangen noch mehr.

Nach einer Krisensitzung des federführenden Zweckverbands Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) am Mittwoch in Unna steht die Eurobahn mehr denn je unter Zugzwang. Einstimmig beschloss die NWL-Verbandsversammlung als politisches Aufsichtsgremium, das Unternehmen wegen Vertragsbruchs abzumahnen. Damit wurde eine mögliche spätere Kündigung des 15-Jahres-Kontrakts vorbereitet.

Umfassender Forderungskatalog

Die Eurobahn hat nun bis zum 31. März 2018 Zeit, die Zugausfälle im Teutoburger-Wald-Netz (TWN) weitgehend abzustellen, den grenzüberschreitenden Verkehr bis Hengelo (Niederlande) sicherzustellen und die Fahrgastinformation entscheidend zu verbessern. Außerdem ist das Unternehmen aufgefordert, einen dritten Geschäftsführer zu benennen, der künftig den Kundenbereich verantwortet. Die auf den fünf Linien im TWN eingesetzten Fahrzeuge des Betreibers sollen extern begutachtet und von Störungen betroffene Fahrgäste „angemessen“ entschädigt werden. Mit Blick auf eine weitere, im Dezember 2018 bevorstehende Betriebsaufnahme im Ruhrgebiet (Hellweg-Netz 2), verlangt der Aufgabenträger zudem eine „engmaschige Information“ über den Stand der Vorbereitungen.

Auftraggeber „ziemlich angefressen“

„Wir sind ziemlich angefressen“, sagte Frank Beckehoff, Vorsitzender der NWL-Verbandsversammlung. Andere Mitglieder nannten die Eurobahn einen „Wiederholungstäter“, erkannten beim Betreiber ein „deutliches Eigenverschulden auf vielen Gebieten“ und beklagten einen „kapitalen Vertrauensverlust“ vor allem bei den Fahrgästen. Die Auftraggeber der Eurobahn, zu denen neben dem NWL auch die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG) und die niederländische Provinz Overijssel gehören, kündigten an, die weitere Entwicklung „mit großer Aufmerksamkeit“ zu verfolgen. Sollten die Probleme anhalten, würden „alle denkbaren rechtlichen Schritte geprüft“ und zur nächsten NWL-Verbandsversammlung am 14. April auch ein Vertreter des Keolis-Mutterkonzerns einbestellt. (Weiterlesen: Eurobahn entschuldigt sich bei Fahrgästen im Teutoburger-Wald-Netz)

Eurobahn-Chefin entschuldigt sich

Die Eurobahn, hinter der ein deutscher Ableger der französischen Staatsbahn-Tochter Keolis steckt, bedauerte ihr bisheriges Versagen im TWN und versprach, sämtliche Probleme noch vor Ablauf der vom Auftraggeber gesetzten Frist zu beheben. Spätestens ab dem 26. Februar sollen genügend Fahrzeuge und Lokführer zur Verfügung stehen, um einen störungsfreien Betrieb zu gewährleisten. „Ich möchte mich im Namen von Keolis Deutschland für unsere bisher gezeigten Leistungen im Teutoburger-Wald-Netz entschuldigen. Wir haben unsere Fahrgäste und Auftraggeber bitter enttäuscht und noch nicht die Qualität gezeigt, die wir liefern wollen und können“, sagte Geschäftsführerin Magali Euverte. Was passiert ist, sei „inakzeptabel“. Sie sei sich auch des Risikos bewusst, den Auftrag für das TWN bei wiederholter Vertragsverletzung zu verlieren. „Ich nehme diese Gefahr sehr ernst.“ (Weiterlesen: Eurobahn verspricht: Alles wird gut im Teutoburger-Wald-Netz)

1250 Fahrtausfälle seit Mitte Dezember

Das Teutoburger-Wald-Netz umfasst fünf Linien: RB61 „Wiehengebirgsbahn“ (Bielefeld–Osnabrück–Hengelo), RB65 „Ems-Bahn“ (Münster–Rheine), RB66 „Teuto-Bahn“ (Osnabrück–Münster), RB72 „Ostwestfalen-Bahn“ (Herford–Paderborn) und RE78 „Porta-Express“ (Bielefeld–Minden–Nienburg).

Einer Statistik des NWL zufolge hat die Eurobahn zwischen 10. Dezember 2017 und 5. Februar 2018 im TWN den kompletten oder teilweisen Ausfall von 1250 Fahrten verschuldet. Bei mehr als 1750 Fahrten seien die Züge kürzer gewesen als bestellt. Das Teutoburger-Wald-Netz besteht aus fünf Linien, darunter wichtige Pendlerverbindungen von und nach Osnabrück, Münster und Bielefeld. Mit 5,3 Millionen Zugkilometern jährlich ist es das Netz mit den zweitmeisten Fahrten im Eurobahn-Portfolio. (Weiterlesen: Osnabrücker Fahrgastbeirat „bestürzt“ über Eurobahn)