Guthaben in Bitcoins getauscht Osnabrücker Ermittler decken Betrug mit Handycodes auf

Von Wilfried Hinrichs

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pm/hin Osnabrück. Die Staatsanwaltschaft Osnabrück hat einen groß angelegten Betrug mit Handyguthaben aufgedeckt und einen Mann und eine Frau aus Neuss angeklagt.

Die Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität der Staatsanwaltschaft Osnabrück habe nach langwierigen und umfangreichen Ermittlungen Anklage gegen zwei 25-jährige Angeschuldigte wegen des Verdachts des gewerbsmäßigen und bandenmäßigen Betruges in 112 Fällen zum Landgericht Osnabrück erhoben, teilte der Sprecher der Anklagebehörde, Christian Bagung, am Mittwoch mit.

Die mutmaßliche Betrügerbande agierte nach seinen Angaben zwischen August und Dezember 2015 von der Türkei aus. Ziel war es, die Aufladecodes von Mobiltelefonen bei Ausgabestellen wie Tchibo, Edeka, bei Tankstellen oder Kiosken zu ergaunern und zu Geld zu machen. Das gelang der Bande offenbar in mindestens 112 Fällen. Den Schaden beziffert die Staatsanwaltschaft auf 90000 Euro.

Die Gauner riefen unter gefälschten Rufnummern bei den Ausgabestellen an, gaben sich als Mitarbeiter von E-Plus, Edeka oder anderen mit dem Vertrieb solcher Codes befassten Firmen an und und brachten Mitarbeiter in den Ausgabestellen dazu, ihnen die Aufladecodes durchzugeben. Um ihre Scheinidentität zu untermauern, manipulierten die Anrufer die übertragene Rufnummer. Im Telefondisplay der angerufenen Ausgabestelle erschien jeweils die Rufnummer der angeblichen Anrufstelle wie der Hotlines von E-Plus, Tchibo oder Edeka. Aufkommende Zweifel bei den Angestellten sollen die Anrufer durch ihr selbstbewusstes Auftreten, detaillierte Kenntnisse über die internen Abläufe im Umgang mit Aufladecodes sowie den Verweis auf die im Display ersichtliche Rufnummer zum Verstummen gebracht haben, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Komplizen kümmerten sich im zweiten Schritt darum, die ergaunerten Handyguthaben zu Geld zu machen. Sie luden SIM-Karten mit den Codes auf und kauften ein oder tauschten das Guthaben in Bitcoins.

Die Staatsanwaltschaft Osnabrück ist eine von drei Schwerpunktstaatsanwaltschen für Internetkriminalität in Niedersachsen. Sie wird eingeschaltet, wenn die Fälle besondere Fachkenntnisse erfordern oder besonders umfangreich sind.