Krise im Teutoburger-Wald-Netz Osnabrücker Fahrgastbeirat „bestürzt“ über Eurobahn

Von Sebastian Stricker

Wegen anhaltend schlechter Leistungen hat sich die Eurobahn im Teutoburger-Wald-Netz den Ruf eines unzuverlässigen Anbieters erworben. Foto: Eurobahn/Christian KösterWegen anhaltend schlechter Leistungen hat sich die Eurobahn im Teutoburger-Wald-Netz den Ruf eines unzuverlässigen Anbieters erworben. Foto: Eurobahn/Christian Köster

Osnabrück. Die schlechten Leistungen der Eurobahn im Teutoburger-Wald-Netz haben den Fahrgastbeirat der Planungsgesellschaft Nahverkehr Osnabrück (Planos) alarmiert. Das Gremium fürchtet einen Imageverlust für den gesamten regionalen Bahnverkehr und rät zu mehr Strenge bei künftigen Auftragsvergaben.

„Mit großer Bestürzung“ nehme der von ÖPNV-Lobbygruppen besetzte Planos-Fahrgastbeirat II zur Kenntnis, dass der Betrieb auf dem Teutoburger-Wald-Netz durch die Eurobahn seit dem Fahrplanwechsel am 10. Dezember 2017 durch Verspätungen und Ausfälle von Fahrten „in größtem Ausmaß beeinträchtigt“ ist, heißt es in einem Schreiben die beiden Aufgabenträger, die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG) und der Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL). An vielen Tagen sei das planmäßige Angebot stundenlang ausgefallen. Reisende hätten deswegen Anschlüsse zum Fernverkehr verpasst, Pendler ihr Ziel nur mit großer Verspätung oder gar nicht erreicht. Das alles habe „Verdienstausfälle in beträchtlicher Höhe“ verursacht. (Weiterlesen: Eurobahn entschuldigt sich bei Fahrgästen im Teutoburger-Wald-Netz)

Bessere Vorkehrungen treffen

„Der Fahrgastbeirat II rügt aufs Schärfste diese Mängel, auf Grund derer Tausende von Fahrgästen über Tage und Wochen das Nachsehen hatten“, erklärt der Vorsitzende Karl-Heinz Bittner. Das Ansehen des öffentlichen Schienenpersonennahverkehrs (SPNV) werde dadurch nachhaltig geschädigt.

Das Gremium gehe davon aus, dass NWL und LNVG „unverzüglich“ für eine Beseitigung der Mängel im Teutoburger-Wald-Netz sorgen. „Außerdem sollten die Aufgabenträger prüfen, ob die Ausschreibungskriterien dahingehend zu präzisieren sind, dass jeder Anbieter seine personellen und sachlichen Ressourcen auch tatsächlich vorhalten kann.“ So könnten Ausfälle in einem Ausmaß, wie es derzeit bei der Eurobahn vorzufinden sei, künftig vermieden werden.

Krisensitzung beim Aufgabenträger

Am 10. Dezember 2017 übernahm die Eurobahn das bislang von Westfalenbahn und DB Regio gemeinsam betriebene Teutoburger-Wald-Netz (TWN). Dieses umfasst fünf Linien: RB61 „Wiehengebirgsbahn“ (Bielefeld–Osnabrück–Hengelo), RB65 „Ems-Bahn“ (Münster–Rheine), RB66 „Teuto-Bahn“ (Osnabrück–Münster), RB72 „Ostwestfalen-Bahn“ (Herford–Paderborn) und RE78 „Porta-Express“ (Bielefeld–Minden–Nienburg). Foto: Eurobahn / Grafik: Neue OZ/Langer

Hinter der Marke „Eurobahn“ steckt der größte Anbieter im nordrhein-westfälischen SPNV, Keolis Deutschland. Am Mittwoch muss sich der nationale Ableger einer französischen Staatsbahn-Tochter wegen fortschreitender Vertragsverletzungen offiziell vor seinen Auftraggebern verantworten. Der federführende NWL hat dazu eine außerordentliche Verbandsversammlung in Unna anberaumt. Erwartet wird, dass das politische Aufsichtsgremium Keolis Deutschland bei diesem Treffen eine Abmahnung erteilt. Bereits am Dienstag kündigte das Unternehmen an, seine Probleme bis Ende Februar in den Griff bekommen zu wollen. (Weiterlesen: Eurobahn verspricht: Alles wird gut im Teutoburger-Wald-Netz)


Wissenswertes über die Eurobahn

Das Eisenbahnunternehmen Keolis Deutschland mit Sitz in Düsseldorf ist seit 2000 mit seiner Marke Eurobahn im öffentlichen Schienenpersonennahverkehr unterwegs. In Nordrhein-Westfalen betreibt es das Ostwestfalen-Lippe-Netz (vier Linien bis 2025), das Hellwegnetz (vier Linien bis 2030) sowie das Maas-Rhein-Lippe-Netz (zwei Linien bis 2025). Von 2019 bis 2031 kommt das S-Bahn-Netz Rhein-Ruhr mit zwei weiteren Linien hinzu.

Am 10. Dezember 2017 übernahm die Eurobahn das bislang von Westfalenbahn und DB Regio gemeinsam betriebene Teutoburger-Wald-Netz (TWN). Dieses umfasst fünf Linien: RB61 „Wiehengebirgsbahn“ (Bielefeld–Osnabrück–Hengelo), RB65 „Ems-Bahn“ (Münster–Rheine), RB66 „Teuto-Bahn“ (Osnabrück–Münster), RB72 „Ostwestfalen-Bahn“ (Herford–Paderborn) und RE78 „Porta-Express“ (Bielefeld–Minden–Nienburg). Mit 5,3 Millionen Zugkilometern jährlich ist das TWN das Netz mit den zweitmeisten Fahrten im Eurobahn-Portfolio.

Allen Fahrgästen steht rund um die Uhr das Eurobahn-Kundencenter unter einer Hotline zur Verfügung. Die Nummer 00800 387 622 46 ist laut Keolis sowohl innerhalb Deutschlands als auch aus dem Ausland kostenlos mobil und aus dem Festnetz zu erreichen. Auf seiner Internetseite sowie auf Twitter (@eurobahn_info) informiert das Unternehmen nach eigenen Angaben durchgängig zur aktuellen Verkehrslage in Echtzeit.

Fahrgäste, die mit den Leistungen der Eurobahn im Teutoburger-Wald-Netz unzufrieden sind, können sich mit ihren Beschwerden an die Eurobahn unter Telefon 00800/387 622 46 oder auch direkt an die Aufgabenträger wenden. Diese sind auf deutscher Seite der Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) in Unna, Telefon 02303/95263-0 , E-Mail info@nwl-info.de, und die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG) in Hannover, Telefon 0511/53333-0, E-Mail info@lnvg.de.