Nur bei Netflix statt im Kino „The Cloverfield Paradox“ mit Daniel Brühl

Von Frank Jürgens


Osnabrück  Ein Teilchenbeschleuniger im Weltraum zerlegt die Realität. Und ein Streamingportal bringt die Vertriebswege von Kinofilmen durcheinander. Zwei disruptive Vorgänge, die beide mit dem Film „The Cloverfield Paradox“ zusammenhängen. Der ist nun statt im Kino weltweit bei Netflix zu sehen.

In einer gar nicht mehr so fernen Zukunft droht der Menschheit endgültig das Öl zur Neige zu gehen. Während auf der Erde immer mehr bewaffnete Konflikte um das Schwarze Gold drohen, arbeiten Wissenschaftler auf einer riesigen Raumstation im Orbit daran, die drohende Energiekrise doch noch in den Griff zu bekommen.

Ein dort betriebener Teilchenbeschleuniger soll der Schlüssel zur unbegrenzten Energieerzeugung sein. Aber den Wissenschaftlern um Physiker Schmidt ( Daniel Brühl) ist auch bewusst, dass das Experiment schwerwiegende Folgen haben könnte. Nichts Geringeres als die Realität unseres Raum-Zeit-Gefüges steht auf dem Spiel. Und tatsächlich gerät schon bald das All aus seinen Fugen. 

Höllentrip im Weltraum

Ursprünglich wurde dieser optisch opulent ausgestaltete Weltraum-Höllentrip von Regisseur Julius Onah für die große Leinwand inszeniert. Aber nachdem der ursprünglich geplante Kinostarttermin, der in den USA bereits vor rund einem Jahr hätte stattfinden sollen, mehrmals verschoben wurde, hat sich der globale Streaming-DienstNetflixalle Filmrechte unter Umgehung der Kinoauswertung unter den Nagel gerissen.

Beworben wurde dieser Überraschungscoup erst wenige Stunden vor der Freischaltung des Filmes am Montagmorgen in einem sündhaft teuren Werbeclip während der TV-Übertragung des Super-Bowl s. Damit ist nun auch die geplante Kinopremiere in Deutschland für den 20. April geplatzt. Stattdessen kann das „Cloverfield Paradox“ schon jetzt weltweit von allen Netflix-Nutzern zu Hause gestreamt werden.

Fernsehschreck wird Kinoschreck

Damit erteilt der Streaming-Primus Netflix auch gleich eine doppelbödige Lektion in Sachen Disruption. Einerseits rüttelt im Film ein Teilchenbeschleuniger an den Grundfesten der Realität. Anderseits rüttelt Netflix unter Umgehung der eigentlich fest eingeplanten Kinoauswertung die altbewährten Vertriebswege durcheinander. Wobei sich der Fernsehschreck Netflix schon seit längerer Zeit auch als Kinoschreck betätigt. Viele Filme werden direkt für Netflix produziert, ohne dass überhaupt noch daran gedacht wird, sie im Kino laufen zu lassen.

Was nun im Fall von „The Cloverfield Paradox“ wirklich schade ist. Dieser optisch überragende dritte Teil der „ Cloverfield „-Reihe, für den Erfinder und Produzent J.J. Abrams in der Postproduktionsphase bei Nachdreharbeiten sogar selber Hand angelegt hat, schreit geradezu nach der großen Leinwand. Aber vielleicht läuft dieser Prozess der Disruption schon bald auf eine neue Ordnung zwischen Streaming-Anbietern, Filmverleihern und Kinobetreibern hinaus. Was spricht schließlich dagegen, Filmfreunden endlich die Wahl zu lassen, wo und wie sie neue Filme schauen möchten?