Verneigung vor dem Humoristen Musiktheater würdigt Loriot in der Osnabrück-Halle

Von Matthias Liedtke

Vom Fernsehen 
              
              von gestern auf die Bühnen von heute: Die Kammeroper Köln gastierte mit ihrem „großen Loriot-Abend“, der an der „Opernkasse“ startete, in der Osnabrück-Halle. Foto: Jörn MartensVom Fernsehen von gestern auf die Bühnen von heute: Die Kammeroper Köln gastierte mit ihrem „großen Loriot-Abend“, der an der „Opernkasse“ startete, in der Osnabrück-Halle. Foto: Jörn Martens

OSNABRÜCK. Über viele altbekannte Loriot-Sketche konnte das Publikum am Montag in der gut gefüllten Osnabrück-Halle lachen. Die Kammeroper Köln versuchte sie vornehmlich mit den Mitteln der Operette und des Chansons musikalisch zu illustrieren.

Das gelang mal mehr und mal weniger. Als etwa nach dem eskalierenden Ehestreit um das von der Gattin „nach Gefühl“ zu hart gekochte Ei der Zwanzigerjahre-Schlager „Mein Papagei frisst keine harten Eier“ angestimmt wird, wirkte das naheliegend. Das galt auch für das „Mein Gott, jetzt hat sie´s“ aus My Fair Lady, das der zungenbrechenden Anmoderation einer englischen Fernsehserie folgte.  Und auch Franz Lehárs mehrstimmig vorgetragenes, zum Mitklatschen animierende „Das Studium der Weiber ist schwer“ passte, nachdem ein Paar vor dem Aufbruch zur Essenseinladung konsequent aneinander vorbeigeredet hatte. Eher unvermittelt und willkürlich platziert wirkten dagegen Intermezzi wie das Papageno-Duett aus Mozarts Zauberflöte, die Verwandlung der Putzfrau in die „fesche Lola“ oder das Lied der Dame vom „vierten Stock“.  

Ente wird zum Schwan

Der berühmte, ursprünglich gezeichnete und zunehmend unentspannt werdende Badewannendialog zwischen den Herren Dr. Kloebner und Müller-Lüdenscheid mündete doch recht überraschend in Wagners Lohengrin-Arie vom „lieben Schwan“. Als sich dann dem lachenden und singenden Dritten vom Streit um die böse Ente noch eine weibliche Wannengefährtin dazugesellte, kannte der Operettenkitsch in Form „Dein ist mein ganzes Herz“ kein Halten mehr. Manche Sketch-Klassiker durften indes auch ganz ohne musikalische Aufhübschung für sich stehen. Darunter etwa das „Jodeldiplom“ oder auch der, der für das Motto des Abends sorgte, wobei in „Ein Klavier! Ein Klavier“ das Instrument zwecks „Video-Aufnahme“ für die Mutter in den „Staaten“ lediglich hin und her geschoben wurde. Es war ebenso aus Pappmaché wie alle anderen Requisiten bis hin zum Mikrofon jenes Fernsehreporters, der den „Schweifträgern“ auf den Zahn fühlt. Real war dagegen das Klavier, mit dem der musikalische Leiter Thomas Aydintan gemeinsam mit seinem sechsköpfigen Kammerorchester der Kölner Symphoniker auch für stets beschwingte Umbaupausen sorgte. Beim Sketch über den Preisausschreiben-Gewinner, der sich fremdelnd in einer Kulturveranstaltung wiederfindet, durfte er gar eine kleine Rolle bekleiden.

Spiegel in neuer Form

Auch wenn die meisten Zuschauer das alles wahrscheinlich schon zigmal gesehen haben, gelang es der Inszenierung von Volker Hein doch, den Szenen von Vicco von Bülow alias Loriot eine neue Form zu geben, die nicht nur die Violinistin durchweg prächtig zu amüsieren schien. Die mehr als zweistündige theatralisch-musikalische Verneigung vor dem großen, vor sieben Jahren verstorbenen Humoristen, der es wie kein anderer verstand, der mutmaßlichen deutschen Mentalität den Spiegel vorzuhalten, endete mit dem Aufgalopp aller sieben Darsteller zur „Kalbshaxe Florida“, die auch dem Publikum „geschmeckt“ hat. Dabei war es im Gegensatz zum am Ende sogar von den Musikern umzingelten Restaurantbesucher nicht erzürnt, sondern erheitert. Als mächtiges musikalisches Desert wurde zum Abgang schließlich noch ein „echt russisches“ Lied aufgetischt – inklusive bunter Ballett-Einlage.