Angebliche Microsoft-Mitarbeiter Neue Computer-Abzockwelle rollt über Region Osnabrück

Von Mark Otten

Microsoft-Support Betrugsmasche: Die Täter haben in der Region Osnabrück teilweise bis zu 4.000 Euro erbeutet. Foto: Imago/Rüdiger WölkMicrosoft-Support Betrugsmasche: Die Täter haben in der Region Osnabrück teilweise bis zu 4.000 Euro erbeutet. Foto: Imago/Rüdiger Wölk

Osnabrück. In der Region Osnabrück gibt es derzeit einen deutlichen Anstieg bei einer Betrugsmasche, bei der sich Täter im Internet oder am Telefon als Microsoft-Mitarbeiter ausgeben. Betroffene haben teilweise tausende Euro verloren. Die Täter gehen in zwei Varianten vor.

Bei der Masche handelt es sich um ein bundesweites Phänomen, das derzeit verstärkt in der Region Osnabrück auftritt. Seit Anfang Dezember werde im Schnitt täglich ein Delikt dieser Art zur Anzeige gebracht, sagt Stefan Bramkamp von der Polizei Osnabrück. Er geht außerdem von einer hohen Dunkelziffer aus.

Bis zu 4.000 Euro Schaden

Die Täter haben den Opfern aller Altersklassen bereits Beträge zwischen 20 und 4.000 Euro abgenommen, berichtet der Kriminalhauptkommissar, der der Abteilung für Internetkriminalität der Polizeiinspektion Osnabrück angehört. Laut Bramkamp gibt es zwei Vorgehensweisen bei der Abzocke.

Bei Variante eins rufen die in der Regel im Ausland sitzenden Täter wahllos Menschen an. Beim Opfer wird oft sogar eine deutsche Nummer angezeigt, doch diese ist gekauft und verschleiert den wahren Anschluss in einem anderen Land, sagt der Kriminalhauptkommissar. Am Telefon geben sich die Täter als Microsoft-Mitarbeiter aus und sagen, dass man einen Fehler auf dem PC festgestellt habe, diesen aber beheben könne. Die Täter sprechen meist Englisch mit teilweise starkem Akzent, immer öfter jedoch auch gebrochenes Deutsch, sagt Bramkamp. Die angeblichen Microsoft-Mitarbeiter fordern die Opfer dazu auf, den Computer zu starten und ein Fernwartungsprogramm zu installieren, zum Beispiel das kostenlose und im Normalfall seriöse Programm „Teamviewer“. (Weiterlesen: Polizei Osnabrück warnt vor Abzockern bei Schlüsseldiensten)

Täter übernehmen PC der Opfer

Mit diesen Programmen übernehmen die Täter die Kontrolle über den Computer des Opfers. Entweder tun die Anrufer so, als hätten sie ihre Arbeit getan und müssten nun bezahlt werden, oder sie geben vor, mit angeblichen notwendigen Tests des Online-Bankings zu überprüfen, ob der vorgeschobene Fehler oder Virenbefall behoben ist. Dazu soll das Opfer eingehende SMS-Tan-Nummern oder die Nummer einer Tan-Liste vorlesen. Tatsächlich geben die Angerufenen damit Zahlungen frei. So kaufen die Täter digitale Gutscheinkarten oder Kryptowährungen. Diese sind kaum nachverfolgbar. Ist kein Onlinebanking vorhanden, sollen Opfer im Geschäft Gutscheinkarten kaufen und deren Codes übermitteln.

Bei der zweiten Variante erscheint beim Surfen im Internet ein sogenanntes „Pop-up“-Fenster. Darin heißt es, dass der Rechner gesperrt oder von Viren befallen ist und der Nutzer eine dort angezeigte Telefonnummer anrufen soll. Auch diese Nummer ist in der Regel gekauft und leitet auf einen Anschluss im Ausland um. Tatsächlich ist der PC gar nicht gesperrt. Um das Problem zu lösen, reiche es in der Regel aus, den Internet-Browser zu schließen und wieder zu starten.

Täter verwischen Spuren

Den Tätern auf die Schliche zu kommen sei schwierig, sagt Polizist Bramkamp. Die Spuren werden meist schnell und gründlich verwischt: Die verwendeten gekauften Telefonnummern werden regelmäßig gewechselt, die erbeuteten Geldbeträge wandern zu nahezu anonymen Zahlungsdiensten oder Währungen.

Microsoft-Betrug verhindern: Das rät die Polizei

Das Landeskriminalamt Niedersachsen hat eine eigene Seite zum Schutz vor Internetkriminalität eingerichtet. Kommissar Bramkamp gibt Tipps, die den Betrug verhindern sollen:

  • Am Telefon skeptisch gegenüber Unbekannten sein
  • niemals Tan-Nummern des Online-Bankings weitergeben
  • niemals fremde Programme auf Anweisung Unbekannter installieren
  • verdächtige Telefonnummern in einer Suchmaschine wie Google überprüfen
  • eine angezeigte Telefonnummer aus Deutschland ist keine Garantie für einen Anschluss in Deutschland
  • Geschädigte sollen sich an die Polizei wenden

Microsoft-Support: Unternehmen ist Problem bekannt

Diese Betrugsmasche ist in verschiedenen Abwandlungen so verbreitet, dass Microsoft eine eigene Webseite für derartige Fälle eingerichtet hat. Der Software-Hersteller rät allen Betroffen unter anderem, sofort aufzulegen, wenn sich jemand am Telefon als Mitarbeiter des Unternehmens ausgibt. „Ein Kontakt zum Microsoft-Support erfolgt ausschließlich auf Initiative der Nutzer, niemals umgekehrt“, heißt es auf der Seite. Dort können Betroffene auch Betrugsversuche melden. (Weiterlesen: Enkeltrick-Betrüger aktuell in Osnabrück aktiv)