Erste Renovierung nach 30 Jahren Osnabrücker Friedenssaaal sechs Wochen gesperrt

Von Dietmar Kröger


Osnabrück. Nach 30 Jahren wird es mal wieder Zeit: Der Friedenssaal im Osnabrücker Rathaus bekommt eine Auffrischung. Sechs Wochen haben Maler, Tischler und Techniker dort das Sagen, wo vor fast 370 Jahren Gesandte aus Europa den Westfälischen Frieden besiegelten.

Im Gegensatz zu seinem Pendant in Münster ist der Osnabrücker Friedenssaal nahezu ganzjährig sieben Tage in der Woche geöffnet. Es gibt keine Einschränkungen für Besucher. Das Mobiliar, namentlich die umlaufenden Sitzbänke können heute genau so genutzt werden wie schon vor fast 400 Jahren. Keine Kordel hindert die Gäste der Stadt und Besucher des Saales daran, auf den Bänken Platz zu nehmen und die Porträts der 42 Delegierten, die zwischen 1643 und 1648 in Osnabrück den Westfälischen Frieden ausgehandelt haben, zu betrachten.

„Der Friedenssaal im historischen Rathaus ist die ‚gute Stube‘ der Stadt Osnabrück“, so Oberbürgermeister Wolfgang Griesert bei einer Baustellenbesichtigung. Der Raum gehöre zum Image der Stadt. Die Entscheidung, den Friedenssaal jederzeit begehbar zu machen, sei bewusst getroffen worden, betonte der OB. Allerdings hätten unzählige Besucher in den vergangenen Jahrzehnten ihre Spuren hinterlassen, „sodass es nach über 30 Jahren wieder Zeit wird für einen ‚Frühjahrsputz‘“.

Vor allem die Maler haben in den kommenden Wochen das Sagen. Sie werden Risse spachteln und die Wände nicht nur im Friedenssaal, sondern auch in der benachbarten kleinen Ratskammer streichen. Um den Fußboden zu schonen, wurden die Steinplatten mit Holzplatten abgedeckt. Sind die Malerarbeiten beendet, werden die Steinböden der beiden Räume mit einem Spezialreiniger behandelt, ebenso der in der Kleinen Ratskammer liegende Teppich. Kronleuchter und Holzbänke werden während dieser Arbeiten geschützt, da ihre Renovierung für einen zweiten Schritt am Ende des Jahres geplant ist.

Aber auch die Technik bedarf der Überarbeitung. Um modernen Ansprüchen gerecht zu werden, wird die Mikrofonanlage erneuert. Mit drahtloser Technik können sich Redner zukünftig frei im Friedenssaal bewegen. Auch lassen sich externe Musikquellen wie MP3-Player für zum Beispiel Musikuntermalung anschließen. Ein per App steuerbares Mischpult sorgt für optimale Akustik. Statt Mono nun Stereo: Zukünftig beschallen zwei Mehrweglautsprecher den Friedenssaal.

Die Delegierten-Porträts werden abgehängt und vorsichtig gereinigt. Gleiches gilt auch für die zehn Bilder der Osnabrücker Fürstbischöfe und das Gemälde von Ernst August und Sophie Charlotte in der Kleinen Ratskammer. Dr. Thorsten Heese, Kurator für Stadtgeschichte des Kulturgeschichtlichen Museums, begleitet diese Arbeiten.

Weil der Friedenssaal stark frequentiert ist, sei es nicht ganz einfach gewesen, einen Termin für die Renovierungsarbeiten zu finden, sagt Osnabrücks Protokollchef Jens Koopmann. Empfänge finden während der Renovierungszeit im Ratssitzungssaal oder im Empfangsraum statt. Für die Führungen stehen das Foyer, der Empfangsraum sowie die Schatzkammer zur Verfügung. Etwa 80000 Euro wird die Stadt ausgegeben haben, wenn der Friedenssaal Ende März in neuem Glanz erstrahlt.