Vor der Premiere am Theater Osnabrück Regieteam über Bertolt Brechts „Mutter Courage“

Von Christine Adam

Nachdenken über „Mutter Courage“ und unsere Gegenwart: Charlotte Sonja Willi (von links), Carolin Mittler und Shirin Khodadadian. Foto: Hermann PentermannNachdenken über „Mutter Courage“ und unsere Gegenwart: Charlotte Sonja Willi (von links), Carolin Mittler und Shirin Khodadadian. Foto: Hermann Pentermann

Osnabrück . Am Samstag, 17. Februar hat Bertolt Brechts „Mutter Courage“ im Theater am Domhof Premiere. Zum Inhalt des Stücks und ein Vorgespräch mit dem Regieteam um Regisseurin Shirin Khodadadian.

„Der Krieg hat auch seine friedlichen Seiten“, sagt der Feldprediger und bekennt sich damit zu jenen Figuren in Bertolt Brechts Drama „Mutter Courage und ihre Kinder“, die vom Krieg profitieren. Anna Fierling, genannt Mutter Courage, fürchtet sogar den Frieden, weil ohne Krieg ihre Truppenversorgung mit Waren aller Art nicht mehr blühen würde. Schließlich hat sie allein drei Kinder von unterschiedlichen Männern zu versorgen: Eilif, Schweizerkas und die stumme Kattrin.

Alle drei Kinder wird Mutter Courage verlieren, durch die Tugenden, die sie an ihnen fürchtet: Eilif, der Kühne, hat im Krieg wagemutig Vieh gestohlen. Doch einmal hat er eine Friedensphase in diesem Dreißigjährigen Krieg übersehen. Was Vorgesetzte lange gewähren ließen, wird nun mit dem Tod bestraft. Sein Bruder Schweizerkas wollte die ihm anvertraute Regimentskasse vor anrückenden Truppen verstecken – und wird als Dieb hingerichtet. Kattrin versucht, unschuldigen Kindern in einem Bauernhaus beizustehen, wird aber dabei von Soldaten erschossen.

Schicksalsschläge ändern nichts

Diese Schicksalsschläge ereilen Anna Fierling über mehrere Kriegsjahre hinweg – ohne ihre Einstellung zu ändern. Sie zieht mit ihrem Planwagen durch Europa, von Franken über Polen, Finnland zurück nach Ostdeutschland. Ganz gleich, was geschieht, ihre Devise lautet: „Ich muss wieder in den Handel kommen.“ Ähnliche Geschäftsideen, die den Krieg unverzichtbar machten, beobachtete der syrische Schauspieler Ahmad Kiki, der zu Zeit als Stipendiat am Osnabrücker Theater arbeitet und in „Mutter Courage“ mitspielt, in seiner vom Krieg gebeutelten Heimat. Das erzählt Shirin Khodadadian beim Vorgespräch im Theater. Sie führt im Brecht-Stück die Regie und widmet sich mit der Courage wieder einer starken Frau, wie schon in „Bernarda Albas Haus“ 2017 im Theater am Domhof.

Kein richtiges Leben im falschen

„Es gibt kein richtiges Leben im falschen“, kommentiert Schauspieldramaturg Sven Kleine mit Theodor W. Adorno den Kampf der Courage um ihre Familie. Regisseurin Khodadadian findet, dass das Stück „wahnsinnig gut“ zu unserem heutigen Lebensgefühl passt, einem, dem die Zukunftsperspektive fehle. Obwohl doch gerade Brecht so sehr an den Fortschritt geglaubt hatte. An Brecht fasziniert sie seine „situative Stärke“. „Er wirft seine Figuren in existenzielle Entscheidungsprozesse, verweigert aber jede Psychologisierung“.

Für ihre Inszenierung hat sie sich etwas Besonderes ausgedacht. Die Osnabrücker Schauspielerin Monika Vivell spielt zwar die Courage, aber ihr wird mit Christina Dom ein Double zu Seite gestellt. Sie verkörpere eine frühere Mutter Courage, eine aus der Rezeptionsgeschichte wie Helene Weigel und die trete mit der Spiellust und Lebensgier von Vivells Courage in Beziehung, in einen Dialog.

Wie schon in Khodadadians Inszenierung von „Bernarda Albas Haus“ im Osnabrücker Theater sind auch Carolin Mittler für die Bühne und Charlotte Sonja Willi für die Kostüme wieder mit von der Partie. Mittler will nicht den Krieg bebildern, aber sichtbar machen, wie sich ein Raum verkleinert, verengt. Die Kostüme Willis wollen mit wenig persönlichen Details das nicht Individualisierte der Figuren, die mehr Typen als Personen sind, aufnehmen.


Premiere von Bertolt Brechts „Mutter Courage und ihre Kinder“ ist am Samstag, 17. Februar um 19.30 Uhr im Theater am Domhof. Kartentel. 0541/7600076.