Bestand Tötungsabsicht? Axtangriff in Osnabrück: Vage Aussagen und unklares Gutachten

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Landgericht Osnabrück. Symbolfoto: Michael GründelLandgericht Osnabrück. Symbolfoto: Michael Gründel

awen Osnabrück. „Das Beweismittel scheint ausgeschöpft zu sein“, so der Vorsitzende Richter am Landgericht im Prozess um die Axtattacke auf dem Flohmarkt in der Halle Gartlage im vergangenen März. Mit „Beweismittel“ war der Geschädigte gemeint, der jetzt vor Gericht als Zeuge ausgesagt hat, dabei aber kaum dazu beitrug, den Sachverhalt zu klären.

Angeklagt ist ein Mann aus dem Südkreis. Er soll sein Opfer im März 2017mit einem Beil angegriffen haben und muss sich derzeit wegen versuchten Totschlages verantworten. Dass der gebürtige Albaner dabei schwere Verletzungen erlitten hatte, eine Narbe im Gesicht behält und einen Zahn verloren hat, davon konnte sich das Gericht noch einmal vor dem Richtertisch überzeugen. Hinzu kamen ein medizinisches Gutachten, das aber wenig Auskunft darüber geben konnte, ob die Axt ausholend mit Schwung oder eher aus dem Handgelenk mit einem kurzen Stoß geführt wurde. Auch die potenziell tödliche Wirkung blieb unklar. Zu groß seien die Unwägbarkeiten. ( Weiterlesen: Anklage nach Axtangriff auf Osnabrücker Flohmarkt)

Gefährlich, aber nicht immer lebensbedrohlich

Verletzung und Narbenbild, soweit aus polizeilichen Aufnahmen ersichtlich, ließen jedenfalls keine eindeutigen Schlüsse zu, so die Gutachterin. Potenziell sei eine Axtattacke auf den Kopf zwar immer gefährlich, aber damit nicht automatisch auch immer lebensbedrohlich. Selbst wenn der Angeklagte die Halsschlagader getroffen hätte, wäre die Blutung vermutlich von Ersthelfern zu stillen gewesen. Gesicherte Erkenntnisse ließen sich aus dem Gutachten kaum ziehen, zumal die Tatwaffe nicht zweifelsfrei zu identifizieren war. Außerdem, so die Gutachterin, habe niemand bislang genau aussagen können, wie der Axthieb ausgeführt wurde. ( Weiterlesen: Axt-Attacke: Angeklagter bestreitet Tötungsabsicht)

Vage Aussagen

Vage blieb auch die Aussage des Geschädigten, der zugleich als Nebenkläger auftritt. Sichtlich irritiert und streckenweise erschüttert versuchte er, den Tathergang aus seiner Sicht zu schildern. Dabei gerieten allerdings eigenes Erleben und Hörensagen ebenso durcheinander wie die Namen des Angeklagten und dessen Begleiters. Eine vom Verteidiger angebotene Entschuldigung seines Mandanten wollte der Geschädigte jedoch nicht hören.

Streit vor dem Hintergrund des Kosovokrieges

Relativ gesichert scheint derzeit, dass der Angeklagte den Geschädigten mit einer Axt verletzt hat und dass dem ein landsmannschaftlich-ethnisch basierter Streit vor dem Hintergrund des Kosovo-Krieges vorausgegangen war. Auslöser des Streits war offenbar eine provokante Äußerung, die der Angeklagte scherzhaft auf seinen Begleiter gemünzt haben will, die der Nebenkläger allerdings auf sich bezogen hatte. Geschädigter und Angeklagter reklamieren beide für sich, eher beruhigend auf ihr Umfeld eingewirkt zu haben. Wie es dennoch zu der Axtattacke gekommen ist, darüber gibt es unterschiedliche Darstellungen. Der Prozess geht am Donnerstag um 14 Uhr mit den Plädoyers weiter. ( Weiterlesen: Axtattacke auf Osnabrücker Flohmarkt: Ethnischer Konflikt als Ursache?)


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