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Holland-Zug soll bald fahren Eurobahn verspricht: Alles wird gut im Teutoburger-Wald-Netz

Von Sebastian Stricker

Die für den grenzüberschreitenden Zugverkehr von Bielefeld über Osnabrück nach Hengelo benötigten Mehrsystem-Triebwagen der Eurobahn sollen in Kürze einsatzbereit sein. Foto: Eurobahn/Christian KösterDie für den grenzüberschreitenden Zugverkehr von Bielefeld über Osnabrück nach Hengelo benötigten Mehrsystem-Triebwagen der Eurobahn sollen in Kürze einsatzbereit sein. Foto: Eurobahn/Christian Köster

Osnabrück. Mit elf Wochen Verspätung soll der neue Holland-Zug der Eurobahn ins Rollen kommen. Auch die übrigen Probleme im Teutoburger-Wald-Netz seien bald behoben, versichert Betreiber Keolis Deutschland. Trotzdem muss das Unternehmen mit einer Abmahnung rechnen.

Wie Keolis Deutschland am Dienstag mitteilte, sei grenzüberschreitender Verkehr auf der Linie RB 61 von Bielefeld über Osnabrück bis Hengelo ab dem 26. Februar möglich. Darüber hinaus kündigte das Unternehmen rasche Verbesserungen sowohl bei Sitzplatzkapazitäten, Fahrgastinformation und Beschwerdemanagement an. „Wir sind uns unserer Verantwortung voll und ganz bewusst und tun alles in unserer Macht Stehende, um den Betrieb schnellstmöglich störungsfrei zu gewährleisten“, sagte Magali Euverte, Vorsitzende Geschäftsführerin von Keolis Deutschland.

NWL erteilt Abmahnung

Am Mittwoch muss sich der nationale Ableger der französischen Staatsbahn-Tochter Keolis jedoch zunächst wegen fortschreitender Vertragsverletzungen offiziell vor seinen Auftraggebern verantworten. Der federführende Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) hat dazu eine außerordentliche Verbandsversammlung in Unna anberaumt. Erwartet wird, dass das politische Aufsichtsgremium Keolis Deutschland bei diesem Treffen eine Abmahnung erteilt. Denn seit Übernahme des Teutoburger-Wald-Netzes durch die Eurobahn am 10. Dezember kommt es auf den fünf Linien – darunter wichtige Pendlerstrecken von und nach Osnabrück – immer wieder und teils massenhaft zu Zugausfällen, Verspätungen sowie anderen Fehlleistungen. Bereits nach einem Monat hatten die Probleme ein Ausmaß erreicht, das den Betreiber zu einer öffentlichen Entschuldigung zwang.

Probleme mit Fahrzeugen und Triebwagenführern

Besonders viel ging beim Aufbau der neuen Direktverbindung in die Niederlande schief. Erst musste der Betriebsstart wegen fehlender Fahrzeugzulassungen auf Mitte Januar verschoben werden. Dann streikte bei den fabrikneuen Elektrotriebwagen die Technik, und es mussten Busse einspringen. Jetzt verspricht Keolis Deutschland die „volle Einsatzfähigkeit“ der Holland-Züge ab dem 26. Februar. Damit würden zugleich „Kapazitätsabweichungen auf allen Linien vermeidbar“, was im Klartext bedeutet: Die Züge haben endlich bei jeder Fahrt im gesamten Netz die bestellte Länge. Vakante Führerstände sollen ebenfalls in knapp drei Wochen der Vergangenheit angehören. Fehlende Triebwagenführer befänden sich „im Zulauf“. Zum Stichtag sei der Personalbestand stabil.

Kunden werden finanziell entschädigt

Um Mängel bei der bislang lückenhaften Fahrgastinformation zu beseitigen, habe der Betreiber am Computersystem gefeilt sowie strukturelle Veränderungen in der Leitstelle vorgenommen und zusätzliche Kräfte eingestellt. Mehr Personal sorge zudem dafür, dass von Störungen im Teutoburger-Wald-Netz betroffene Kunden umgehend finanziell entschädigt werden. Dabei würden pauschale Gutschriften erteilt. Inhaber von Abonnements und Zeitkarten sollen „angemessene Erstattungen“ erhalten.

Aufgabenträger soll Kündigung prüfen

Am 10. Dezember 2017 übernahm die Eurobahn das bislang von Westfalenbahn und DB Regio gemeinsam betriebene Teutoburger-Wald-Netz (TWN). Dieses umfasst fünf Linien: RB61 „Wiehengebirgsbahn“ (Bielefeld–Osnabrück–Hengelo), RB65 „Ems-Bahn“ (Münster–Rheine), RB66 „Teuto-Bahn“ (Osnabrück–Münster), RB72 „Ostwestfalen-Bahn“ (Herford–Paderborn) und RE78 „Porta-Express“ (Bielefeld–Minden–Nienburg). Foto: Eurobahn / Grafik: Neue OZ/Langer

Abzuwarten bleibt, inwiefern sich die Aufgabenträger vom Krisenmanagement und den neuerlichen Versprechungen beeindrucken lassen. Mit dem stellvertretenden SPD-Fraktionsvorsitzenden Detlef Ommen (Sendenhorst) findet ein führendes Mitglied der NWL-Verbandsversammlung deutliche Worte: „Unsere Geduld ist zu Ende, der gegenwärtige Zustand untragbar. Die Eurobahn muss ihre Verträge uneingeschränkt erfüllen. Wir erwarten, dass der NWL sämtliche rechtliche Möglichkeiten ausschöpft – bis hin zur Prüfung einer Kündigung der Verträge mit der Eurobahn.“


Wissenswertes über die Eurobahn

Das Eisenbahnunternehmen Keolis Deutschland mit Sitz in Düsseldorf ist seit 2000 mit seiner Marke Eurobahn im öffentlichen Schienenpersonennahverkehr unterwegs. In Nordrhein-Westfalen betreibt es das Ostwestfalen-Lippe-Netz (vier Linien bis 2025), das Hellwegnetz (vier Linien bis 2030) sowie das Maas-Rhein-Lippe-Netz (zwei Linien bis 2025). Von 2019 bis 2031 kommt das S-Bahn-Netz Rhein-Ruhr mit zwei weiteren Linien hinzu.

Am 10. Dezember 2017 übernahm die Eurobahn das bislang von Westfalenbahn und DB Regio gemeinsam betriebene Teutoburger-Wald-Netz (TWN). Dieses umfasst fünf Linien: RB61 „Wiehengebirgsbahn“ (Bielefeld–Osnabrück–Hengelo), RB65 „Ems-Bahn“ (Münster–Rheine), RB66 „Teuto-Bahn“ (Osnabrück–Münster), RB72 „Ostwestfalen-Bahn“ (Herford–Paderborn) und RE78 „Porta-Express“ (Bielefeld–Minden–Nienburg). Mit 5,3 Millionen Zugkilometern jährlich ist das TWN das Netz mit den zweitmeisten Fahrten im Eurobahn-Portfolio.

Allen Fahrgästen steht rund um die Uhr das Eurobahn-Kundencenter unter einer Hotline zur Verfügung. Die Nummer 00800 387 622 46 ist laut Keolis sowohl innerhalb Deutschlands als auch aus dem Ausland kostenlos mobil und aus dem Festnetz zu erreichen. Auf seiner Internetseite sowie auf Twitter (@eurobahn_info) informiert das Unternehmen nach eigenen Angaben durchgängig zur aktuellen Verkehrslage in Echtzeit.

Fahrgäste, die mit den Leistungen der Eurobahn im Teutoburger-Wald-Netz unzufrieden sind, können sich mit ihren Beschwerden an die Eurobahn unter Telefon 00800/387 622 46 oder auch direkt an die Aufgabenträger wenden. Diese sind auf deutscher Seite der Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) in Unna, Telefon 02303/95263-0 , E-Mail info@nwl-info.de, und die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG) in Hannover, Telefon 0511/53333-0, E-Mail info@lnvg.de.