Thema am Donnerstag im Ausschuss Deutlich mehr Unfälle nach Umbau der Osnabrücker Todeskreuzung

Von Jörg Sanders

Seit dem Umbau gibt es eine separate Fahrspur für Rechtsabbieger. Die Fahrer dort erhalten nicht mehr zeitgleich Grün mit den Radfahrern. Foto: Gert WestdörpSeit dem Umbau gibt es eine separate Fahrspur für Rechtsabbieger. Die Fahrer dort erhalten nicht mehr zeitgleich Grün mit den Radfahrern. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Zwei Radfahrer sind im Jahr 2014 an der Kreuzung Johannistorwall und Kommenderiestraße durch abbiegende Lkw ums Leben gekommen. Die Stadt baute die Kreuzung um – seither verdoppelte sich die Zahl der Unfälle dort.

Am Donnerstag legt die Verwaltung dem Stadtentwicklungsausschuss eine Unfallstatistik vor – ausschließlich für diese Kreuzung. Sie besagt: Nach dem Umbau der Kreuzung im Oktober 2016 gab es dort keinen weiteren tödlichen Unfall. Gleichwohl verdoppelte sich die Zahl der Unfälle mit Blechschäden von 2015 bis 2017. Die Zahl der Verletzten ist konstant.

Umbau nach tödlichen Unfällen

Nach zwei getöteten Radfahrern im Jahr 2014 hatte die Stadt die beiden Fahrspuren in Richtung Bahnhof im Oktober 2016 getrennt. Seither gibt es eine Spur für Geradeausfahrer und eine für Rechtsabbieger. Radfahrer und Rechtsabbieger haben unterschiedliche Grünphasen – Abbiegeunfälle sind so nicht mehr möglich.

Zahl der Blechschäden von 2015 bis 2017 verdoppelt

Im vergangenen Jahr kam es an der Kreuzung zu insgesamt 38 Unfällen mit vier Leichtverletzten. 34-mal blieb es bei leichten Blechschäden. 2015 – vor dem Umbau der Kreuzung – waren es insgesamt 21 Unfälle mit drei Leichtverletzten gewesen, 17 mit leichten Blechschäden. 2013 waren es 22 Unfälle, davon 18 mit leichten Blechschäden. Die Zahl der an allen Unfällen beteiligten Radfahrer ging von drei im Jahr 2013 und fünf im Jahr 2014 auf jeweils einen in den Jahren 2016 und 2017 zurück. Der letzte beging Unfallflucht.

Vorwiegend kommt es vor der Kreuzung zu Auffährunfällen oder zu Kollisionen beim Spurwechsel. Die Verwaltung will die Entwicklung beobachten, ist aber froh, dass „glücklicherweise dort keine getöteten oder schwer verletzten Personen zu beklagen sind“, heißt es in der Mitteilung für den Ausschuss.

Stadtbaurat: Kein Handlungsbedarf

Stadtbaurat Frank Otte sieht aufgrund der Zahlen keinen Handlungsbedarf. „Ziel war es, die Gefährdung der Radfahrer auf Null zu setzen“, sagte er auf Anfrage unserer Redaktion. „Und das ist uns gelungen.“ Seit dem Umbau habe es an der Kreuzung keinen schwer verletzten oder getöteten Radfahrer gegeben. Zwei 1,50 mal 1,20 Meter große Schilder würden Autofahrer rechtzeitig auf die Spurtrennung hinweisen. „Die müssen ausreichen, um sich rechtzeitig einzuordnen“, sagte Otte. Es dauere seine Zeit, bis alle Autofahrer eine solche Änderung verinnerlichten.

Polizei: Manche Autofahrer selbst schuld

Der Polizei zufolge hat die Zunahme der leichten Unfälle mehrere Gründe. Aufgrund der Spurtrennung staue es sich auf der Fahrbahn für den Geradeausverkehr mehr als zuvor. Das hatte die CDU damals befürchtet und den Umbau daher abgelehnt. Der Stau führe zu mehr Auffahrunfällen, sagte Polizeisprecher Frank Oevermann.

Ferner gebe es Autofahrer, die die Spurtrennung trotz der Hinweisschilder erst spät bemerkten und noch schnell auf die linke Spur rüberziehen wollten, wodurch es zu Unfällen komme. „Und es gibt die Autofahrer, die sich noch absichtlich auf der Abbiegerspur am wartenden Verkehr vorbeidrängeln und dann vorne rüberziehen, um ein paar Minuten zu sparen“, sagt Oevermann. Die meisten Unfälle seien aber Bagatellunfälle, immerhin gebe es keine verletzten oder toten Radfahrer mehr.

Ghost Bikes erinnern an tote Radfahrer

Im März und Oktober 2014 waren zwei 20 und 47 Jahre alte Radfahrer an der Kreuzung von rechts abbiegenden Lkw erfasst und getötet worden.

Der erste Lkw-Fahrer erhielt eine Geldstrafe in Höhe von 4200 Euro. Im zweiten Fall stellte die Staatsanwaltschaft das Verfahren gegen den Lkw-Fahrer gegen eine Geldauflage ein. Zwei sogenannte Ghost Bikes – weiß angestrichene Fahrräder – erinnern an die getöteten Radfahrer. Auch 2009 war ein Radfahrer an der Ecke unter einem Lkw gestorben.

Vor dem Umbau der Kreuzung war es dort im Jahr 2014 zu zwei tödlichen Abbiegeunfällen gekommen. Foto: Gert Westdörp


Mehrere Maßnahmen gegen tödliche Unfälle

Die Stadt hatte weitere Maßnahmen seit den tödlichen Unfällen an und vor der Kreuzung durchgeführt. Ein breiter Radweg zur Kreuzung verläuft seit Ende 2014 direkt neben der Straße – zuvor hatten die Radfahrer hinter den parkenden Autos entlangfahren müssen und waren erst spät ins Blickfeld der Lkw-Fahrer gelangt. Ferner installierte die Stadt an der Kreuzung einen Konvexspiegel für Lkw- und Busfahrer, der Radler im toten Winkel sichtbar machen soll. Inzwischen hängen mehr als 120 größtenteils gesponsorte Spiegel im Stadtgebiet. Ein Warnschild weist Radfahrer auf die Gefahr des toten Winkels hin. Der Versuch der Stadt, die B68 aus der Stadt zu verbannen zu lassen, scheiterte hingegen. Daher will Stadtbaurat Otte, dass Lkw-Fahrer den Wall künftig nur noch im Uhrzeigersinn befahren und nur links abbiegen dürfen.