Gut gelaunt in den Untergang Rüdiger Hoffmann mit Comedy-Klassikern im Rosenhof

Von Matthias Liedtke

Eine runde Sache 
              
              war das „Best Of“-Wunschprogramm von Comedy-Legende Rüdiger Hoffmann im Rosenhof. Foto: Hermann PentermannEine runde Sache war das „Best Of“-Wunschprogramm von Comedy-Legende Rüdiger Hoffmann im Rosenhof. Foto: Hermann Pentermann

OSNABRÜCK. Zeitlose Comedy der guten alten Schule präsentierte Rüdiger Hoffmann im nahezu ausverkauften Rosenhof – mit einem vom Publikum gewählten „Best Of“-Programm aus 33 Jahren.

Dabei enthielt bereits der erste Programmpunkt alles, was die bitterböse Komik jenes „Entdecker der Langsamkeit“ ausmacht, der lange bevor es zum Modewort avancierte „schon immer Entschleunigung betrieben hat – sogar im Urlaub“. Mit Schiffermütze setzte sich der Entertainer ans Klavier, um die Gäste an Bord der dem Untergang geweihten „MS Astoria“ bei Laune zu halten. Erst einmal gute Miene zu bösem Spiel machen war dann auch das Grundschema, dem auch die meisten weiteren Stationen der vergnüglichen Kreuzfahrt durch Hoffmanns Erzählungen folgten. Das galt sowohl für den in Zeiten der Wohnungsnot und des Mietwuchers nach wie vor äußerst aktuellen „Wohnungssucher“ als auch für die Geschichte über den unliebsamen „Mitbewohner“.

Gespür für zeitlose Themen

Dabei ist „Ruhe vor dem Sturm“ eine weitere Eigenschaft, die den Spannungsaufbau der Texte bestimmt. Nicht selten schlägt vermeintliche Toleranz in offene Tyrannei um, wenn etwa die „acht Kostbarkeiten“ im chinesischen Restaurant zur Gelegenheit werden, Fremdenhass und Raffgier auszuleben. Oder wenn Kinderfreundlichkeit sich in ihr Gegenteil verkehrt – auch wenn das zunächst für die Kinder selbst gilt. Auch der entlarvende Bericht über die bigotte Selbsthilfegruppe „Anonyme Ausländerfeinde“ erschien aktueller denn je. Wenn Hoffmann typische Kommunikationsbarrieren zwischen den Geschlechtern durchexerziert, dann hatte das damals schon mehr Tiefgang als alles, was Mario Barth jemals zu diesem, seinem einen Thema zu sagen hatte.

Doppelte Persiflage

Dazu kommt, dass sich der Comedy-Pionier aus Paderborn auch als passabler Pianist und erstaunlich guter Sänger erweist. Bitterböse Songs aus der Sicht eines wohltätigen Waffenschiebers oder eines beziehungsunfähigen Säufers gehörten ebenso zum musikalischen Repertoire wie eine „idiosynkratische“ Zwölfton-Phantasie auf selbstverständlich „allerhöchstem künstlerischen Niveau“. Ausgiebig und augenzwinkernd demonstrierte Hoffmann danach, was er dagegen „niemals machen“ würde, nämlich thematisch sich unter der Gürtellinie bewegende Schlager auf Ballermann-Niveau. So gelang ihm das Kunststück, im Rahmen einer einzigen Nummer eine doppelte Persiflage zu liefern: auf Hoch- und Unkultur gleichermaßen.